Berlin verstehen

12 Hinterhöfe in Berlin: Eine fotografische Reise in urbane Idyllen

Die Hinterhöfe in Berlin sind ein verborgener Teil der Stadt und dennoch prägen sie den Alltag ihrer Bewohner*innen. Hinter Mauern und Türen existieren kleine Oasen der Ruhe. Es gibt bezaubernde Hinterhöfe, begrünt und mit Sitzbänken und Tischen, wo sich die Hausgemeinschaft versammelt und Kinder spielen können.

Andere Höfe sind heruntergekommen und hässlich, nicht viel mehr als Orte, wo man den Müll entsorgt und das Fahrrad abstellt. Doch sie alle sind Berlin. Wer die Stadt verstehen will, sollte auch ihre Hinterhöfe kennen. Hier sind 12 Fotos, die euch in die Berliner Hinterhofwelt versetzen.

Wandmalerei im Hof

Hinterhöfe in Berlin: Hinterhof mit Wandmalerei und bepflanzter Badewanne.
Hinterhof mit Wandmalerei und bepflanzter Badewanne. Foto: Imago/Günter Schneider

Manche Hinterhöfe geben nicht viel her. Sie sind eng und dunkel. Aber auch daraus lässt sich mit ein wenig Kreativität etwas anstellen. Hier hat jemand ein Wandbild an die Brandmauer gemalt und eine alte Badewanne zum Blumenkasten umfunktioniert.


Der Mann mit dem Leierkasten

Leierkastenspieler in historischer Verkleidung spielt vor Kindern in einem Hinterhof in Berlin Charlottenburg.
Leierkastenspieler in historischer Verkleidung spielt vor Kindern in einem Hinterhof in Berlin Charlottenburg. Foto: Imago/Günter Schneider

Der Mythos Berliner Hinterhof geht auf das alte Berlin von Heinrich Zille zurück. Damals, als sich das halbe Leben im Hof abspielte. Als dort gearbeitet, gewaschen und getratscht wurde, wo die Kinder spielten und hin und wieder der Leierkastenmann vorbeikam. Auf dem Foto wird die Stimmung von einst nur nachgespielt. Viele Berliner Originale nahmen die Tradition der Hinterhofmusik aber auch in späteren Jahren wieder auf.


Orte der Begegnung

Hinterhöfe in Berlin: Hinterhofecke in Prenzlauer Berg, Aufnahme von 1990.
Hinterhofecke in Prenzlauer Berg, Aufnahme von 1990. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Die Hausbesetzer in Kreuzberg und ab 1990 auch in Ost-Berlin entdeckten den Hinterhof als Ort der Begegnung aufs Neue. Hier fand sich die Hausgemeinschaft zusammen, es wurde palavert, getrunken und geraucht. Die Kinder bekamen Platz zum Spielen und man hatte plötzlich einen einzigartigen, halb privaten und halb öffentlichen, Raum geschaffen.


Friedhof der Geschichte

Wrack eines Trabant 601 in einem Hinterhof der Rykestraße in Prenzlauer Berg.
Wrack eines Trabant 601 in einem Hinterhof der Rykestraße in Prenzlauer Berg. Foto: Imago/Dieter Matthes

Nicht alle Hinterhöfe sind idyllisch. Viele sind grau und langweilig, manche sind dunkel und hässlich und noch andere gleichen Müllkippen. Nach der Wende wurden auf vielen Hinterhöfen die Überbleibsel der DDR entsorgt. Wie hier, wo ein alter Trabant nach und nach zerfällt.


Das war die Mitte

Hinterhof in der Linienstraße in Mitte, 1992.
Hinterhof in der Linienstraße in Mitte, 1992. Foto: Imago/Seeliger

Heute gehört die Linienstraße zu den begehrten Adressen der Stadt. In den 1990er-Jahren sahen Hinterhöfe in der Mitte von Berlin noch oft so aus wie kurz nach dem Krieg. Von Sanierungen und Modernisierungen keine Spur. Noch.


Bunte Hinterhof-DDR

Bemalte Hausfassade und Installation mit einer MZ in einem Hinterhof in Ost-Berlin, 1985.
Bemalte Hausfassade und Installation mit einer MZ in einem Hinterhof in Ost-Berlin, 1985. Foto: Imago/Frank Sorge

Ost-Berlin im Jahre 1985. Die große Hausbesetzerwelle in Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg sollte erst noch kommen, dafür musste die Mauer fallen. Doch es gab alternative Regungen im Osten der Stadt. Die Künstler- und Punk-Szene mischte die DDR-Tristesse auf, einzelne Wohnungen wurden besetzt, es gab inoffizielle Clubs, Partys in Ateliers, Kellern und Dachgeschossen. Und auch dieser graue Hof wurde bunter gestaltet.


Grüne Oase

Hinterhöfe in Berlin: Hinterhofidylle in Prenzlauer Berg.
Hinterhofidylle in Prenzlauer Berg. Foto: Imago/Rüttimann

Etwas Grün, zwei Bänke und ein Tisch, manchmal braucht es gar nicht mehr, um aus dem Alltag zu entkommen. Ein paar nette Nachbarn und ein kühles Bier vielleicht noch. Da stören auch die Plastikplanen und die hässliche Brandmauer nicht.


Das ist unser Haus

Hinterhof in der Metzer Straße.
Hinterhof in der Metzer Straße. Foto: Imago/Seeliger

Eine kleine Remise, die Fahrräder stehen an der Mauer und hinten, auf der kleinen Erhöhung, ist der Ort der Begegnung und eine Schaukel für die Kinder. Man improvisierte, gab sich mit wenig zufrieden und dabei war der Effekt groß. So wie hier in der Metzer Straße in Prenzlauer Berg.


Wildwuchs hinter der Bundesdruckerei

Hinterhöfe in Berlin: Hinterhof der Bundesdruckerei in Kreuzberg.
Hinterhof der Bundesdruckerei in Kreuzberg. Foto: Imago/Lars Reimann

Es sind nicht nur sanierungsbedürftige oder besetzte Häuser, in denen auf dem Hof ein Leben stattfindet. Hinter vielen sanierten Häusern wurden, etwas ordentlicher vielleicht, Sitz- und Spielmöglichkeiten geschaffen und selbst hinter der Bundesdruckerei in Kreuzberg entstand ein wilder Stadtgarten. Die Hinterhöfe sind auch ein Lebensraum für Insekten, Vögel und kleine Nager und damit neben Parks (hier haben wir die schönsten Berliner Parks zusammengestellt) und Wäldern ein wichtiger Teil der Stadtnatur.


Die neuen Hinterhof-Zeiten

Hinterhof in der Kastanienallee.
Hinterhof in der Kastanienallee. Foto: Imago/Christian Thiel

Seit den 1990er-Jahren ist viel passiert in der Kastanienallee, die Besetzer mussten größtenteils gehen, die Fassaden bekamen einen neuen Anstrich und das Gespenst der Gentrifizierung legte sich über den Kiez. Und auch die Hinterhöfe.


Fast wie früher

Hinterhöfe in Berlin: Auch 2013 gab es noch sanierungsbedürtige Häuser, deren Fassade bröckelt und die verfallen.
Auch 2013 gab es noch sanierungsbedürtige Häuser, deren Fassade bröckelt und die verfallen. Foto: Imago/Sabine Gudath

Doch auch 2013 gab es immer noch den alten maroden Charme des Berliner Hinterhofs. Bröckelnder Putz, wild wachsende Bäume und Büsche und dazwischen ein Tisch und ein paar alte Stühle. Das kleine urbane Glück.


Der Hinterhof bleibt!

Hinterhöfe in Berlin: Mit Grafitti beschmierte Garagen auf einem Kreuzberger Hinterhof in der Oranienstraße.
Mit Grafitti beschmierte Garagen auf einem Kreuzberger Hinterhof in der Oranienstraße. Foto: Imago/Rolf Kremming

Auch in der Oranienstraße in Kreuzberg findet man hier und da noch die malerischen Ecken, so wie diese alten Garagen, die die Zeit irgendwie überdauert haben. Die Hinterhöfe in Berlin haben sich gewandelt, so wie sich alles wandeln muss, aber er wird nicht verschwinden und immer Teil dieser Stadt sein!


Mehr Berlin verstehen

Zugängliche Hinterhöfe in Berlin-Mitte: Vom Hackeschen Markt bis zum Krausnickpark. Oder wollt ihr einen Ausflug in die Vergangenheit machen, hier sind 12 kuriose Postkarten aus dem alten Berlin. Wir zeigen euch mehr Fotos, nämlich vom Kriegsende, und vergleichen Bilder von 1945 und 2020. Den Vorher-Nachher-Vergleich haben wir auch mit der Berliner Mauer gewagt. Außerdem haben wir uns mit Beton und Brutalismus beschäftig. Einige besondere architektonische Erlebnisse sind da garantiert!

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