Architektur

Bauhaus-Archiv: Berlins spannendste Baustelle

Das Bauhaus-Archiv ist einer der architektonisch und architekturhistorisch spannendsten Orte in Berlin – und hat immensen Erneuerungsbedarf. Derzeit wird das ursprüngliche Gebäude denkmalgerecht saniert, das Museum für Gestaltung soll zukünftig in einen Neubau ziehen. Noch sind die Arbeiten nicht abgeschlossen, aber gefeiert wird trotzdem: beim „Kommt auf die Baustelle!“-Festival mit Führungen, Workshops, Kunst und Musik.

So sieht die Baustelle am Bauhaus-Archiv aus. Vom 19. bis 21. September wird gefeiert. Foto: Marcus Ebener
So sieht die Baustelle am Bauhaus-Archiv aus. Vom 19. bis 21. September wird gefeiert. Foto: Marcus Ebener

Das Bauhaus-Archiv, ursprünglich von Walter Gropius entworfen und von dessen Mitarbeiter Alexander Cvijanović umfangreich an den Standort am Berliner Landwehrkanal angepasst, ist nicht nur wegen der markanten Shed-Dächer, die auf den Altmeister zurückgehen, ein Highlight. Das Gebäude beherbergt die weltweit umfangreichste Sammlung zum Bauhaus – eigentlich. Denn seit 2018 finden hier Bauarbeiten statt, neben der denkmalgerechten Sanierung ist auch ein Neubau entstanden: Der Turm wird zukünftig ein Vermittlungszentrum beherbergen, das Museum zieht mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern in unterirdische Räume. Im bisherigen Bauwerk befinden sich dann die Bibliothek, das Archiv und ein Veranstaltungssaal.

Staab Architekten führen durch den Bauhaus-Archiv-Neubau

Wer in den vergangenen Jahren am Landwehrkanal entlang spaziert ist, kennt Volker Staabs 20 Meter hohen und umlaufend verglasten Turm bereits. 693 stählerne Streben stützen den Bau, leicht schräggestellt prägen sie die Fassade. Wie das mit großen Projekten nun mal so ist, ließ sich auch hier der ursprüngliche Zeitplan nicht halten, aber nun gibt es zumindest erste Einblicke: „Kommt auf die Baustelle!“, so heißt das kleine Festival, bei dem ihr vom 19. bis 21. September 2025 das Bauhaus-Archiv endlich wieder betreten könnt.

Das Programm widmet sich dabei sowohl dem Bauhaus an sich als auch dem konkreten Ort. So finden Rundgänge mit Staab Architekten statt, eine Fotoausstellung dokumentiert den Baufortschritt, und auf geführten Touren lässt sich die Baustelle besichtigen. Auch die zukünftigen Räume von Shop und Café sind für Pop-ups geöffnet.

Baustellenbesichtigung: Unter dem neu gebauten Turm des Bauhaus-Archives befinden sich die zukünftigen Ausstellungsräume. Foto: tipBerlin

In Gesprächsformaten geht es unter anderem um Museen als politische Räume sowie um die Frage, wie sich das Bauhaus heute noch vermitteln lässt. Zu den Podiumsgästen gehören dabei Volker Staab und Annemarie Jaeggi. Die Direktorin des Bauhaus-Archivs/Museum für Gestaltung gibt die Leitung 2026 nach 23 Jahren an die Kunsthistorikerin Brigitte Franzen ab.

Bauhaus-Musikprogramm zum Abschluss des Festivals

Neben der Architektur widmet sich das Festival natürlich auch der Bauhaus-Ästhetik – und dabei durchaus überraschenden Aspekten und Verbindungen. Das Andromeda Mega Express Orchester spielt (leider bereits ausgebuchte) Konzerte im Foyer, die Klänge sind eigens für diese Räume komponiert worden. Ein Symposium widmet sich dem Bauhaus und der Oper, und wer das nicht nur theoretisch erfahren will, kann zum Abschluss des Festivals noch einen Abstecher in die Philharmonie machen: Am Sonntag erwartet euch dort zunächst um 16 Uhr ein moderiertes Kammerkonzert unter dem Titel „From Bauhaus to Broadway“ mit Werken von Kurt Weill, Paul Hindemith, George Antheil, Marc Blitzstein und Leonard Bernstein. Und im Anschluss dann eine Welturaufführung: Unter Leitung von Karl-Heinz Steffens spielt das Norrköping Symphony Orchestra zum ersten Mal Marc Blitzsteins „Parabola and Circula“. Die wohl einzige kubistische Oper der Welt sollte eigentlich 1929 in Kooperation mit dem Bauhaus Dessau zur Aufführung kommen, wozu es allerdings nicht kam. Das Werk geriet in Vergessenheit und wurde erst im Rahmen eines Forschungsprojektes wiederentdeckt.

Der Eintritt für alle Veranstaltungen, auch die Abschlusskonzerte im Rahmen des Musikfests, ist frei. Allerdings solltet ihr Zeitfenster-Tickets buchen und müsst euch unter Umständen darauf verlassen, dass spontan noch Plätze frei werden – vielleicht auch, weil am Sonntag der Berlin Marathon für erhebliche Einschränkungen in Berlin sorgen könnte.

  • Bauhaus Archiv/Museum für Gestaltung Klingelhöferstr. 14, Tiergarten, Fr 19.9., 14–22 Uhr, Sa 20.9. + So 21.9. jeweils 10–18 Uhr, Eintritt frei, Programm und Zeitfenster-Tickets hier

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