Architektur

Besondere Treppenhäuser in Berlin – schön, historisch, außergewöhnlich

Treppen gehören zu unserem Alltag. In Wohnhäusern, Büros, ständig und überall gilt es, sie zu überwinden, um in höher liegende Etagen zu gelangen oder von dort hinabzusteigen. Die Funktionalität steht im Zentrum vieler Treppenhäuser in Berlin. Daneben gibt es aber auch besondere Treppenhäuser: schöne, historische und auch außergewöhnliche. Einige davon wird man kaum sehen können, weil die Orte, die sie umgeben, privat sind. Villen, Gründerzeitbauten und Unternehmenssitze stellen wir hier deshalb nicht vor. Stattdessen liegt der Fokus auf öffentlichen Orten oder zumindest auf welchen mit Publikumsverkehr. Viel Spaß beim Entdecken der schönsten Treppenhäuser Berlins!


Deutscher Dom: barocke Fassade, brutalistischer Kern

Ein brutalistisch anmutendes Treppenhaus im Inneren des barocken Doms. Foto: Imago/Photothek

Wie der Französische Dom beherbergt auch sein baugleiches Pendant auf dem Gendarmenmarkt ein Museum: Die Parlamentshistorische Ausstellung des Deutschen Bundestags zeigt, wie sich die Demokratie hierzulande entwickelte. Und wie diese Entwicklung immer wieder von Versuchen unterbrochen wurde, den Staat zu zersetzen. Das Museum befindet sich in einem nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererrichteten Gotteshaus, das äußerlich barock, innen jedoch brutalistisch wirkt. Die seltsame Symbiose erkennt man gleich beim Betreten des Gebäudes. Das Foyer unter der Turmmitte ist gleichsam Treppenhaus. Wohin das führt? Schwer zu sagen. Zu den Ausstellungsräumen nicht, die betritt man über einen anderen Weg. Und auf den Turm dürfen die Gäste leider eh nicht. Wer das will, muss in den Französischen Dom.


Schloss Pfaueninsel: Warten auf die Wiedereröffnung

Ein Anblick, der uns leider noch lange verwehrt bleibt: Erst 2024 soll Schloss Pfaueninsel wieder zugänglich sein. Foto: Imago/Thonfeld

Das Schloss auf der Pfaueninsel kann schon seit 2018 nicht mehr besichtigt werden. Und das wird auch mindestens drei weitere Jahre so bleiben. Denn das Holzbauwerk mit Ruinenoptik ist stark sanierungsbedürftig und soll bis 2024 für rund 5,5 Millionen Euro originalgetreu restauriert werden. Spätestens dann kann man auch wieder das wunderschöne Treppenhaus des 1795 fertiggestellten Kleinods bewundern, das Zimmermeister Johann Gottlieb Brendel für Friedrich Wilhelm II. und seine Geliebte Wilhelmine Ritz als Rückzugsort konzipierte. In der Zwischenzeit kann man die anderen Bauwerke und natürlich Natur und Tiere der Pfaueninsel entdecken und kennenlernen.


Schloss Schönhausen: Treppenhaus mit filigraner Schnitzerei

Ein prunkvolles Treppenhaus in Schloss Schönhausen, dessen Abriss selbst die DDR-Bonzen nicht übers Herz brachten. Foto: SPSG/Günter Schneider

„Das Erdgeschoss ist Königin Elisabeth Christine gewidmet, die hier 57 Jahre ihre Sommer verbrachte. Im Obergeschoss wird die DDR-Historie aufgearbeitet“, sagt Björn Ahlhelm von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) über das Schloss Schönhausen, das mitten im Schlosspark Pankow liegt. Im Jahr 1740 überließ der Alte Fritz Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern (1715–1797) das Anwesen als Sommersitz. Der Preußenkönig konnte mit seiner Gemahlin nichts anfangen, er schob sie kurzerhand ab. Nach Elisabeth Christines Tod fiel das Schloss Schönhausen in einen Dornröschenschlaf. In den 30er-Jahren nutzten es die Nationalsozialisten als Lager für „entartete Kunst“.

In der DDR diente es Wilhelm Pieck, dem ersten und einzigen Präsidenten des neuen sozialistischen Staates, als Amtssitz. Anschließend wurde es zur Residenz für hochrangige Staatsgäste wie Fidel Castro, Nicolae Ceaușescu und auch Ho Chi Minh. Heute ist das Schloss Schönhausen ein Museum, das sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzt. Zu den Highlights gehören das lilafarben geflieste Badezimmer im ersten Stock, das reichlich DDR-Charme versprüht, und natürlich das Treppenhaus mit seinem eleganten Schwung und der filigranen Holzschnitzerei. Wo, wenn nicht hier, fühlt man sich royal? Übrigens, auch ein Besuch des Schlossparks Pankow lohnt sich!


Haus des Rundfunks: Klinkerburg mit schönem Treppenhaus

Expressionistische Treppenhäuser finden sich im Inneren der Klinkerfestung. Foto: daniel.stark from Potsdam/CC BY 2.0

„Haus des Rundfunks“ prangt in großen Lettern über dem Eingang des von Hans Poelzig entworfenen Klinkerbaus in der Masurenallee. Mehr über Expressionismus in der Berliner Architektur könnt ihr hier erfahren. Seit 1931 wird aus der Rundfunkzentrale gesendet, seit 2003 ist der Gebäudekomplex Sitz des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Zu DDR-Zeiten war das Haus samt Berliner Rundfunk unter sowjetischer Kontrolle. Als es 1956 schließlich dem Berliner Senat übergeben wurde, fehlte ein Großteil der Technik – die wurde jetzt im neuen Funkhaus im Osten genutzt. Außerdem war die Einrichtung teilweise zerstört – sowjetische Wächter hatten das Holz als Heizmaterial verwendet. Nach einer gründlichen Renovierung zog der Sender Freies Berlin in den Komplex ein. In den 1980er-Jahren musste ein Teil der Renovierungsarbeiten allerdings wegen des Denkmalschutzes wieder auf den ursprünglichen Stand zurückgesetzt werden. Was damals vielleicht als lästig empfunden wurde, schätzt man heute. Denn das Gebäude ist auch eine architektonische Perle mit gleich mehreren sehenswerten Treppenhäusern!


Müggelturm: Absatz für Absatz ein besserer Ausblick

Das Treppenhaus des Müggelturms erinnert an DDR-Schulen. Anders als in diesen ist der Ausblick hier grandios. Und wird von Etage zu Etage besser. Foto: Imago/Friedel

Der Köpenicker Unternehmer Carl Spindler ließ um 1880 auf dem Kleinen Müggelberg einen hölzernen Aussichtsturm bauen. Damit war der Ort im Südosten Berlins als Ausflugsziel etabliert. Nach vielen Umbauten und einem Brand, entschied man um 1958 herum, an gleicher Stelle einen neuen Turm zu bauen. Die „Berliner Zeitung“ rief einen Architekturwettbewerb aus und drei Architekturstudenten von der Kunsthochschule Weißensee erhielten den Zuschlag für ihr Projekt. Jörg Streitparth, Siegfried Wagner und Klaus Weißhaupt konzipierten die rechteckige, knapp 30 Meter hohe Konstruktion in Stahlbetonskelettbauweise. Der Müggelturm, der auch von Sportlern auf ungewöhnliche Art benutzt wird, wurde kürzlich saniert und bietet einen guten Ausblick über die Umgebung. Das innenliegende Treppenhaus erinnert zwar an Schulbauten, ist aber dennoch besonders. Denn auf jeder Etage gibt es Fenster, die einen anderen Blick auf die umliegende Natur ermöglichen – und sukzessive weiter in die Ferne schauen lassen.


Ein glasklarer Durchblick im Pei-Bau des DHM

Im markanten Turm des Pei-Baus, der zum Deutschen Historischen Museum gehört, ist eine Wendeltreppe installiert. Foto: Imago/Steinert

Der chinesisch-amerikanische Architekt Ieoh Ming Pei (1917–2019) gehörte zu den Großmeistern der klassischen Moderne. Von ihm stammt die Glaspyramide vor dem Louvre in Paris, der Bank of China Tower in Hongkong und die John-F.-Kennedy-Präsidentenbibliothek neben der Harvard University. In Berlin hat er 1997 mit dem Ausstellungsbau des Deutschen Historischen Museums ein relativ kleines Projekt verwirklicht, das jedoch kongenial die preußische Tradition des Haupthauses mit zeitgenössischer Ästhetik vereint. So erlaubt etwa die Glas-und Stahlkonstruktion verschiedene Blicke auf das Zeughaus und überzeugt durch eine grandiose Lichtgestaltung. Das Herzstück ist, wie könnte es anders sein, ein Treppenhaus mit glasklarem Durchblick.


Neuer Pavillon: ein Refugium für einen König

Die royalen Rückzugsräume von Friedrich Wilhelm III. sind heute öffentlich zugänglich, inklusive dieser wunderschönen Holztreppe. Foto: Imago/Imagebroker

Natürlich sind auch die Treppenhäuser des Charlottenburger Schlosses wunderschön anzusehen. Hervorgehoben sei an dieser Stelle jedoch ein anderes Gebäude im Schlosspark, das ebenfalls eine Zierde ist. Für den Neuen Pavillon, den Karl Friedrich Schinkel im Auftrag seiner Majestät entwarf, ließ sich der Architekt von italienischen Villen inspirieren. Das quadratische und nur zweigeschossige Gebäude diente als Refugium für Friedrich Wilhelm III. Heute dürfen alle Berliner die hölzerne Treppe emporklettern und sich dabei königlich fühlen. „Nebenbei“ gibt es einige über den Architekten Schinkel zu lernen. Zudem lassen sich Skulpturen von Christian Daniel Rauch und eine Sammlung von Gemälden des frühen 19. Jahrhunderts bewundern.


Bristol am Kudamm: Berlins schönstes Hoteltreppenhaus

Das Treppenhaus im Bristol geht schneckenförmig nach oben. Ein wahnsinnig schöner Anblick! Foto: Imago/Ritter

Direkt am Kurfürstendamm gelegen war das Bristol, das damals noch den Zusatz „Kempinski“ trug. In den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren war es eines der beliebtesten und teuersten Hotels der Stadt – und zog die ganz großen Stars von nah und fern an. In den vergangenen Jahren erschütterten Spekulationen und drohende Insolvenz das Luxushaus, das sich jedoch entschlossen zeigt, auch heute noch als Grand Hotel wahrgenommen zu werden. Zumindest architektonisch steht das außer Zweifel. Luxus bekommen nicht nur die Übernachtungsgäste zu sehen, sondern auch alle anderen, die es bis ins Treppenhaus schaffen. Das zieht sich schneckenförmig nach oben und hat traumhafte Rundungen!


Juliusturm: Hölzerne Treppe in mittelalterlichen Gemäuern

Stufe um Stufe klettert man den Juliusturm bis auf eine Höhe von 34 Metern empor. Foto: Ziatdelle Spandau

Die Zitadelle Spandau ist eine der am besten erhaltenen und bedeutendsten Festungen der Hochrenaissance in ganz Europa. Direkt an der Havel gelegen, zeigt sich die Zitadelle bis heute in einer eindrucksvollen Architektur. Besonders beeindruckend ist auch das hölzerne Treppenhaus des Juliusturms, das entlang der Mauern, die teilweise bis in 13. Jahrhundert zurückreichen, bis auf 34 Metern Höhe führt. Wer würde nicht gerne aufs Dach von Spandaus bedeutendsten Wahrzeichen steigen?


Treppen wie in „Hogwarts“ in der Akademie der Künste

In der Akademie der Künste hat jede Treppe ein anderes Stufenmaß. Foto: Andreas Süß

Direkt am Pariser Platz wurde im Jahr 2005 die von Günter Behnisch mit und über Teilen des alten Gebäudes errichtete Akademie der Künste eingeweiht. Das Haus ist gebaute Transparenz, jede Treppe hat andere Stufenmaße, nichts ist normiert. Ein freies Denken – das ist der Geist dieses Hauses und der Akademie der Künste. Manch einen dürften die schiefen Treppen auch an die magische Welt von „Harry Potter“ erinnern. Nur bewegen, das können sich diese Treppen hier (noch) nicht.


Eine Kirche? Nein, ein besonderes Krankenhaus!

Die bunten Fenster lassen ein außergewöhnlich farbenfrohes Licht ins Treppenhaus vom St.-Hedwigs-Krankenhaus. Foto: Imago/Chromorange

Im 19. Jahrhundert traf die Cholera-Pandemie Berlin hart. Für die rund 20.000 Menschen katholischen Glaubens stand in der preußisch-protestantischen Stadt kein eigenes Krankenhaus bereit, Berlin war schlecht vorbereitet. Nach der Gemeinde der Hedwigskathedrale entstand zunächst ab 1846 ein Krankenhaus unter Ordensleitung, das sich noch in Privatunterkünfte einmieten musste – und rasant wuchs. Während der Märzrevolution 1848 nahm das Krankenhaus auch bei den Aufständen Verwundete auf, ab 1851 entstand endlich ein eigenes Haus an der Großen Hamburger Straße, für dessen Planung ein Kölner Dombaumeister verpflichtet wurde. Beeindruckend ist nicht nur die efeubewachsene Fassade des Hauptportals, auch die innenliegenden Treppenhäuser sind bemerkenswert. Hier erkennt man den kirchlichen Einfluss: Die Fenster sind bunt und färben das Sonnenlicht, das auf die verwinkelten Treppen mit ihren wunderschön gearbeiteten Geländern strahlt. Bei dem Anblick sollten Kranke schnell wieder gesund werden.


Berlins Gerichte: schön, schöner, aber eben auch knallhart

Das neobarocke Foyer des Amtsgerichts Tiergarten in Moabit beeindruckt nicht nur Architekturfans. Foto: Imago/Wagner

Das größte Strafgericht Europas mit mehr als 350 Staatsanwälten und Richtern befindet sich in Moabit, auch wenn es die meisten unter dem Namen Amtsgericht Tiergarten kennen. Besonders ist vor allem die Eingangshalle des neobarocken Gebäudes, das 1906 fertiggestellt wurde. Auch die inneren Werte stimmen, zumindest bei Fertigstellung galt das Amtsgericht Tiergarten als eines der modernsten wilhelminischen Prachtbauten der Stadt: mit einem eigenen kleinen Kraftwerk, einem ausgeklügelten Belüftungssystem und einer elektrischen Lichtanlage – für damalige Zeiten ein Novum.


Noch mehr Berlin?

Ihr interessiert euch für Architektur in Berlin? Cool, wir auch! Für Einsteiger empfehlen wir diesen Guide mit zwölf Architektur-Höhepunkte in Berlin von Poelzig bis Chipperfield. Auch Brandwände können außergewöhnlich gestaltet sein – mit Gemälden, (historischer) Werbung oder politischen Botschaften sind diese Brandwände verziert. Ihr habt ein Faible für DDR-Architektur – dann hätten wir einen guten Überblick für euch: DDR-Architektur von Platte bis Zuckerbäckerstil.

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