Architektur

Daniel Libeskind: Berlins Architekt mit Ecken und Kanten

Daniel Libeskind lebte und lehrte in Berlin. Er entwarf den ungewöhnlichen Neubau des Jüdischen Museums und schuf mit „Sapphire“ ein luxuriöses Appartementhaus. Ein Überblick über sein Schaffen in der deutschen Hauptstadt.

Daniel Libeskind entwarf das zickzackförmige Gebäude, dessen Fassade mit Titanzink verkleidet ist, als Teil des Jüdischen Museums Berlin. Foto: Imago/Blickwinkel
Daniel Libeskind entwarf das Gebäude, als Teil des Jüdischen Museums Berlin. Foto: Imago/Blickwinkel

Daniel Libeskinds bekanntester Entwurf prägt Berlin

Daniel Libeskind ist gewissermaßen ein Spätzünder. Der 1946 geborene Architekt, der mittlerweile Weltruhm genießt, plante seinen ersten Bau erst 1989, im Alter von 49 Jahren – das Gebäude wurde gleich zum Prestigeobjekt. Denn bei Libeskind erstem umgesetzten Entwurf handelt es sich um den Neubau des Jüdischen Museums Berlin. Dieser wurde 1999 feierlich eröffnet, ein Jahr nach dem Felix-Nussbaum-Haus, Libeskinds zweitem Museum, für das der Architekt 1994 den Zuschlag erhielt.

Die strenge Formsprache des Kollegienhauses, über das man das Jüdische Museum Berlin heute betritt, wird durch den Libeskind-Bau aufgebrochen. Bereits 1989 gewann der amerikanisch-polnische Architekt Daniel Libeskind die Ausschreibung für den Erweiterungsbau des Jüdischen Museums Berlin, der die Dauerausstellung beherbergt. „Between the Lines“ nennt der Architekt seinen zickzackförmigen, mit Titanzink verkleideten Entwurf, der je nach Betrachtung an einen Blitz oder, symbolisch gedeutet, an einen gebrochenen Davidstern erinnert – und so die deutsch-jüdische Beziehung beschreibt, die ihre guten Jahre, aber auch die dunkelsten hatte.

Der Libeskind-Bau hat eine mit Titanzink verkleidete Fassade. Foto: Imago/Joko
Der Libeskind-Bau hat eine mit Titanzink verkleidete Fassade. Foto: Imago/Joko

An die Vergangenheit erinnern, die Zukunft aber im Blick haben: Man könnte meinen, dabei handelte es sich um Libeskinds Credo. Seine Entwürfe haben etwas Futuristisches, sie ecken buchstäblich an. Gerne wird sein Stil dem Dekonstruktivismus zugeordnet – eine Zuschreibung, die der Architekt selbst ablehnt. Gleichzeitig beruft sich Daniel Libeskind immer wieder auf seine Vorbilder – auf Erich Mendelsohn, auf Ludwig Mies van der Rohe. Große Architekten der Moderne, die in Berlin ihre Spuren hinterließen. Er sagt: Als Architekt kann man nicht gut sein, wenn man die Vergangenheit nicht kennt. Und: Er versucht, in seiner Architektur zwischen der Vergangenheit und Gegenwart zu vermitteln. Das Jüdische Museum ist nicht nur ein gewöhnlicher Bau, es trägt gewissermaßen Geschichte in sich. Weitere Orte jüdischen Lebens in Berlin findet ihr hier. 

Daniel Libeskind: Erst Musiker, dann Architekt – und heute Visionär

Libeskind wurde 1946 in Polen geboren. 1957 wanderten seine Eltern nach Israel aus, drei Jahre später emigrierten sie in die USA. Libeskinds musikalisches Talent wurde früh erkannt, er studierte Akkordeon – später ließ er die Musik ruhen, sattelte um und studierte Architektur. Ein Bereich, in dem er schnell Karriere machte, nur eben, ohne selbst zu bauen. Das änderte sich erst ab 1989. Damals zog Libeskind nach Berlin, gründete sein Büro, machte Pläne für das Jüdische Museum und dozierte später auch an der Kunsthochschule Weißensee – nur eine seiner vielen Lehr-Stationen. 

Seitdem ist viel passiert. Der Stadt hat er längst den Rücken gekehrt. Für den Bau des One World Trade Center kehrte er in die USA zurück. Verwerfungen führten dazu, dass schlussendlich David Childs mit der Realisierung beauftragt wurde. Das muss schmerzlich für Libeskind gewesen sein, die Liste seiner inzwischen realisierten Bauten dürfte aber darüber hinwegtrösten: Zu den bekanntesten Arbeiten zählen das Imperial War Museum North in Manchester, das Contemporary Jewish Museum in San Francisco und das bereits erwähnte Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, das mehr als 200 Arbeiten des Malers der Neuen Sachlichkeit beherbergt.

Besonders beeindruckend ist auch der Aus- und Umbau des Militärhistorischen Museums in Dresden. Dort hat Libeskind einen begehbaren Keil aus 140 Tonnen Stahl, Glas und Beton geschaffen. Von diesem hat man nicht nur eine schöne Aussicht auf die Stadt, er deutet auch einen Umbruch an: Im Museum geht es nicht mehr nur um Krieg, sondern um die Folgen militärischer Konflikte. 2021 wurde zudem das Holocaust-Mahnmal in Amsterdam eingeweiht, das Libeskind aus mehr als 100.000 Steinen zusammensetzen ließ.

„Sapphire“: Exklusives Wohnen unweit des ehemaligen Grenzstreifens

Mittlerweile gibt es auch mehrere Wohnhäuser von Libeskind in Europa, so das Warschauer „Złota 44“, das mit seinen 192 Metern das höchste Wohnhaus der Europäischen Union ist, oder das umstrittene Stadtvillen-Quartier „Verve“ in Frankfurt am Main. 

An der Chausseestraße steht Daniel Libeskinds erstes Wohnhaus, das der Architekt in Berlin bauen ließ. Es trägt den Namen „Sapphire“. Foto: Imago/Schöning

Libeskinds erstes Wohnhaus in Europa entstand übrigens einmal mehr in Berlin – der Stadt, in der seine Karriere begann. An der Schwartzkopff- Ecke Chausseestraße, unweit des ehemaligen Verlaufs der Berliner Mauer, hat Libeskind ein auffälliges Gebäude geschaffen, dessen Form ebenso fasziniert wie die Verkleidung aus Keramikfliesen mit Titanium-Beschichtung. „Sapphire“ heißt das Haus. Es soll eine Art Liebeserklärung an die ehemalige Wahlheimat des Schöpfers sein. Saphire, so Libeskind, seien einerseits wunderschön anzusehen, andererseits aber auch rau und hart. So wie eben Berlin und seine Bewohner. 

Libeskind selbst soll mittlerweile Abstand von luxuriösen Bauten genommen haben. Mehrfach schon kündigte der Architekt an, günstige Wohnungen in innerstädtischer Lage bauen zu wollen, insofern denn die Bauherren mitspielen. Vielleicht bekommen wir in Berlin bald einen dritten Libeskind – der Stadt stünde das sicher gut.  


Mehr Architektur in Berlin

Die Arbeiten von Daniel Libeskind sind oft ihrer Zeit voraus. Das zukunftsweisende Sapphire gehört entsprechend in unseren Artikel über futuristische Architektur in Berlin. Überhaupt wurde Berlin nach dem Mauerfall zur Spielwiese internationaler Stars. Diese Gebäude berühmter Architekten, die Berlin nach dem Mauerfall prägten, müsst ihr gesehen haben! Unseren großen Architekturguide von Bauhaus bis Baller findet ihr hier. Wir blicken auf und hinter die Fassaden: in unserer Architektur-Rubrik.

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