Architektur

12 besondere Häuserfassaden in Berlin, die jeder kennt

Es gibt Häuserfassaden in Berlin, die bleiben einem im Gedächtnis. Das mag daran, liegen, dass man immer wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an ihnen vorbeifährt und sie auch dann wahrnimmt, wenn man versonnen aus dem Fenster schaut. Die eine Stimmung in einem auslösen, selbst wenn man sie gar nicht bewusst ansieht. Die einen bestimmte Songs summen lassen. Manchmal hinterlässt die besondere Architektur der Häuser und die Einzigartigkeit ihrer Fassaden diesen tiefen Eindruck, manchmal ist es die Art, wie die Zeit an den Häusern genagt hat. Wir haben 12 dieser besonderen Häuserfassaden in Berlin zusammengestellt.


Die Lofts am Lokdepot

12 Häuserfassaden in Berlin, die jeder kennt: die Häuser am Lokdepot
Wenn die Sonne auf das Gebäude am Lokdepot trifft, scheint es, als würde es von innen heraus glühen. Foto: Imago/Cathrin Bach

Das Atelier- und Wohngebäude am Lokdepot zwischen Gleisdreieck und Südkreuz gehört wohl zu den prägnantesten Gebäuden im Berliner Süden, aber auch zu den Häusern, die am meisten gegensätzliche Emotionen hervorrufen. Besonders wenn die Abendsonne auf das sechsgeschossige Gebäude aus tiefrot gestrichenem Stahlbeton trifft, sind diese Häuserfassaden mit hervorstehenden Balkonen und Loggien ein Hingucker: Dann scheint es, als würde das Haus die Sonne aufnehmen und von innen heraus glühen.

Andererseits aber steht der rote Kasten für ein Problem, das Berlin aussaugt und seinen Bewohner:innen die Kraft raubt: Wenn es Architekturbüros und Wohnungsunternehmen neu bauen, dann sind es meistens teure Eigentumswohnungen, die sich nur die Wohlhabenden leisten können. So auch am Lokdepot: Darin befinden sich ausschließlich teure Eigentumswohnungen und Ateliers, alle als Lofts angelegt.


Der Memi am Alex

12 Häuserfassaden in Berlin, die jeder kennt: der Memi
Zu Ost-Zeiten wohnten im Memi viele Politiker:innen, dann kam der Abstieg. Foto: Imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Eines der wohl eindrucksvollsten Häuser am Alexanderplatz ist wohl der Memi, die Platte an der Karl-Liebknecht-Straße/Ecke Memhardstraße. Es ist eins dieser Gebäude, das so grau, verschlissen und gleichförmig ist, dass es schon wieder ästhetisch wirkt. Außerdem ist es so in-your-face-sozialistisch, dass die Häuserfassaden gut an den Alex passen. Insgesamt besteht der Memi aus drei Blocks. Vor zehn Jahren waren alle drei bekannt dafür, dass sich in den fünf Treppenhäusern, die alle miteinander verbunden waren, andauernd Drogensüchtige herumtrieben und dort Heroin konsumierten. Vor der Wende hatten in den Häusern noch hauptsächlich Diplomat:innen, Journalist:innen und Politiker:innen gewohnt, erzählte dem tipBerlin 2011 einer der Bewohner in unserer Reportage „Der beispiellose Verfall eines Wohn-Komplexes“.


Die unsanierten Altbauten zwischen den S-Bahnhöfen Gesundbrunnen und Schönhauser Allee

Die unsanierten Altbauten an der Fußgängerbrücke zwischen Sonnenburger und Dänenstraße vermitteln einen Eindruck davon, wie es vor Jahrzehnten in Berlin aussah. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Direkt bei der kleinen Fußgängerbrücke, die über die Gleise der Ringbahn führt und die Sonnenburgerstraße mit der Dänenstraße verbindet, stehen ein paar unsanierte, vollgesprayte Altbauten. Gerade im durchsanierten und gentrifizierten Prenzlauer Berg fallen die Häuser mit den grauen Fassaden auf und erinnern daran, wie es früher in Berlin fast überall mal aussah. Und auch wenn die sanierten Altbauten sicher besser gedämmt sind: Mehr Charakter haben diese Häuser definitiv. Die Sackgasse mit der Kohlenquelle im Erdgeschoss der alten Häuser und der Pizzeria gegenüber ist sicherlich die beliebteste Ecke im Gleimkiez.


Harry-Gerlach-Häuser im Wedding

Quietschbunt und weithin von der Ringbahn aus zu sehen: Die Harry-Gerlach-Häuser. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Wenn man in der Ringbahn zwischen S-Bahnhof Wedding und Westhafen sitzt und aus dem Fenster schaut, kann man gar nicht dran vorbeischauen: an den quietschbunten Häusern am Nordufer des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals. Klar, Farben sind Geschmacksache, und zu viel Eintönigkeit tut auch nicht gut, aber bei diesen Häusern kommen sicherlich einige zu dem Schluss, dass es gutes und schlechtes Bunt gibt. tipBerlin-Redakteur Christopher Wasmuth jedenfalls fordert, die Häuser des Harry-Gerlach-Wohungsunternehmens grau zu streichen. Die bunt gestrichene Häuser sind das Markenzeichen der Firma – „denn Berlin sollte ein bisschen freundlicher werden“. Weitere knallige Harry-Gerlach-Häuserfassaden findet man zum Beispiel an der Seestraße/Ecke Afrikanische Straße und in Wilhelmsruh an der Hauptstraße/Ecke Hertzstraße.


Das Pallasseum in Schöneberg

12 Häuserfassaden in Berlin, die jeder kennt: das Pallasseum
Viele Menschen unterbringen, allerdings nicht in einer Großwohnsiedlung am Stadtrand, sondern zentral: das war die Idee hinter dem Pallasseum. Foto: Imago/Jochen Eckel

Vier Gebäuderiegel, einer die Pallasstraße überspannend 13 Stockwerke hoch, die anderen drei sechs Stockwerke hoch. 514 Wohnungen für 2000 Menschen. Das ist das berühmt-berüchtigte Pallasseum in Schöneberg. Oder, wie man früher sagte, der Sozialpalast. Die Gebäude haben einiges erlebt. 1974 bis 1977 entstanden sie auf dem Gelände des Sportpalastes, wo Goebbels nach dem totalen Krieg krakeelte und einst James Brown sang. Die Architekten des Pallasseums wollten möglichst viele Menschen in hellen, modernen Wohnungen unterbringen – allerdings nicht hinter tristen Häuserfassaden von Großwohnsiedlungen am Stadtrand, sondern in zentraler Wohnlage.

Doch spätestens in den 1990er-Jahren kam der Abstieg. Fixer:innen lungerten im Hof herum, viele ließen ihre Kinder im Dunkeln nicht mehr nach draußen. 1998 forderte der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Rüdiger Landowsky den Abriss Komplexes, das Neue Kreuzberger Zentrum wollte er auch gleich sprengen. Dem Politiker zum Trotz hat sich die Lage verbessert. Seit 2001 heißt der Komplex offiziell Pallasseum, es wurde ein Café und ein Park gebaut. 2017 stellte die Stadt den Komplex unter Denkmalschutz.


Der Weltbaum in Tiergarten

12 Häuserfassaden in Berlin, die jeder kennt: die Brandmauer mit dem Weltbaum
Bald verschwindet der Weltbaum hinter einem Bürogebäude. Foto: Imago/Reiner Zensen

Es gibt viele besondere Wandbilder und Murals in Berlin. Dem ältesten von ihnen hat die Zeit zugesetzt. Die kahlen Äste des Weltbaums von Ben Wagin verblassen langsam, das Schiff oben rechts, das mit Bäumen beladen übers Meer fährt, ist fast gar nicht mehr zu sehen. Bald, wenn der Büroneubau, der dort entstehen soll, fertig gestellt ist, wird es zusammen mit dem Baum ganz verschwunden sein. Das Bild entstand 1975, als der Senat Street-Art noch nicht kriminalisiert hatte, sondern förderte und Wettbewerbe für derartige Projekte ausschrieb. So auch für die Bemalung der Brandmauer an Siegmunds Hof 21, wenige Schritte entfernt vom S-Bahnhof Tiergarten. Doch auch wenn Ben Wagins Weltbaum bald verschwunden sein wird, lebt er an anderer Stelle weiter: 2018 haben einige Künstler:innen des Vereins „Berlin Art Bang“ den Weltbaum 2.0 auf die Brandmauer des Gebäudes Lehrter Straße 27-30 gemalt.


Das Neue Kreuzberger Zentrum am Kotti

Die Häuserfassaden des Neuen Kreuzberger Zentrums: berühmt und berüchtigt, geliebt und gehasst. Foto: Imago/Joko
Die Häuserfassaden des Neuen Kreuzberger Zentrums: berühmt und berüchtigt, geliebt und gehasst. Foto: Imago/Joko

Diese Berliner Häuserfassaden sind weit über die Grenzen der Hauptstadt bekannt, sei es durch Serien wie „4 Blocks“ oder Dokumentationen über den Kriminalitätshotspot Kottbusser Tor: Das Neue Kreuzberger Zentrum ist sowas wie das Wahrzeichen von Kreuzberg 36. Es hat zwölf Etagen und beherbergt 367 Wohnungen, die seit 1974 bewohnt sind. Man kann ja vom Kottbusser Tor halten, was man will, aber dieser Gebäuderiegel schindet Eindruck und bleibt im Gedächtnis hängen. Der Koloss gehört der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, die das Gebäude 2017 vom privaten Eigentümer übernommen hatte. Die Erleichterung war damals groß, weil die Mieter:innen der Wohnungen erstmal keine Verdrängung fürchten mussten. Doch auch die Gewobag legte im April 2019 saftige Mieterhöhungen auf den Tisch.


Das schiefe Haus von Rummelsburg

12 Häuserfassaden in Berlin, die jeder kennt: das schiefe Haus an der Nöldnerstraße
Das schiefe Haus in der Nöldnerstraße ist nur von außen so schief. Foto: Imago/Hohlfeld

Gibt der Boden in Rummelsburg nach? Oder war der österreichische Architekt Werner Wöber besoffen, als er das Haus entwarf und bauen ließ? Nein. Das schiefe Haus an der Nöldnerstraße soll schief sein und seinem Architekten zufolge „Lust auf Wohnen“ machen, wie er dem „Tagesspiegel“ 1998, als das Haus fertiggestellt wurde, gesagt hat. So schief, wie es von außen aussieht, ist das Haus von innen auch gar nicht. Es rutscht einem nicht das Essen vom Teller und auch die Wände sind gerade. Vielleicht wirkt das Haus auch schiefer, als es tatsächlich ist, wenn man mit der S5, der S7 oder der S75 vorbei rauscht. Allerdings ist nicht jeder Winkel rechtwinklig und so manche Fensterbank nicht ganz gerade. Dafür sind manche Wohnungen speziell auf die Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl zugeschnitten.


Das Innenministerium am Hauptbahnhof

Blickt kalt auf den Hauptbahnhof: das Bundesinnenministerium mit seiner Schießschartenarchitektur. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Das Gebäude, das einen in seiner Monstrosität erschlagen zu scheint, wenn man mit dem Zug aus Richtung Westen kommend in den Berliner Hauptbahnhof einfährt, ist das Bundesinnenministerium. Verantwortlich für das kalte und abschreckende Aussehen dieses Baus ist wohl hauptsächlich die Fassade in Schießschartenoptik. Allerdings dominiert die Schießscharten-Architektur das ganze Viertel rund um den Hauptbahnhof. Vielleicht sind die Häuserfassaden der Grund dafür, dass viele diese Gegend als kalt und gesichtslos wahrnehmen? Besonders an dem Gebäude ist allerdings, dass man nie das Ganze in seiner Riesigkeit sieht, sondern immer nur Teilbereiche.


Die Platten am S-Bahnhof Frankfurter Allee

Gehören wohl zu den größten Berlins: die Plattenbauten an der Wilhelm-Guddorf-Straße. Foto: Imago/Dieter Matthes

Die Plattenbauten an der Wilhelm-Guddorf-Straße direkt an der S-Bahn-Station Frankfurter Allee sind nicht zu übersehen, egal ob von der Ringbahn, von der Tram oder vom Auto aus. Kein Wunder, denn die Platten gehören zu den größten Berlins. Elf Stockwerke haben die Gebäuderiegel vom Typ P2, ungewöhnlich ist allerdings, dass die Platten (drei sind es insgesamt) alle einen, manche sogar zwei, Knicke in der Mitte machen. Insgesamt fassen sie 1200 Wohnungen.

Als die ersten Bewohner:innen in den Jahren 1972 und 1973 einzogen, war die Umgebung um die Riesenhäuser herum hauptsächlich von Schlamm und Baustellen geprägt. Die Genossenschaftler:innen der Genossenschaft „Vorwärts“, die einzogen, nachdem sie sich viele Jahre vorher für die Wohnungen angemeldet hatten, waren trotzdem froh: Von meistens unrenovierten Altbauten mit Klo im Treppenhaus ging es für sie in moderne Wohnungen mit Zentralheizung und fließendem warmen Wasser.


Die grauen Häuserfassaden an der A100

Wie grau kann man sein? Wahrscheinlich nicht viel mehr als die Häuserfassaden an der A100. Foto: Imago/Frank Sorge
Wie grau kann man sein? Wahrscheinlich nicht viel mehr als die Häuserfassaden an der A100. Foto: Imago/Frank Sorge

Die Häuserfassaden an Ostseite der A100 zwischen Kaiserdamm und ICC sind eigentlich keine besonderen. Außer vielleicht: besonders dreckig. So sehen zumindest die grauen Häuser aus, die wohl alle kennen, die oft auf dem Westring der Stadt unterwegs sind oder mit dem Auto auf der A100. Ihr mit Ruß verdrecktes Antlitz haben die Häuser wohl auch den vielen Abgasen der Autos zu verdanken, die hier tagtäglich entlangfahren. Denn der Autobahnabschnitt zwischen Kaiserdamm und Dreieck Funkturm ist einer Verkehrszählung aus dem Jahr zufolge auf Platz fünf der am meisten befahrenen Autobahnabschnitte Deutschlands. Auch auf Platz zwei und drei befindet sich die A100.


Die Arbeiterpaläste an der Karl-Marx-Allee

Die Arbeiterpaläste an der Karl-Marx-Allee stehen heute für die Gentrifizierung der Stadt. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Sie zählen zu den beeindruckendsten der Hinterlassenschaften der DDR-Architekten in Ost-Berlin: Die Arbeiterpaläste an der Karl-Marx-Allee, die früher mal Stalinallee hieß. Die Wohnungen in den Häusern an der Karl-Marx-Allee gehörten zu den begehrtesten im Ostteil der Stadt, mit ihren zentralen Lage, der luxuriösen Ausstattung und den aufwendigen Verzierungen und Ornamenten, den Säulen und Simsen, die den Zuckerbäckerstil ausmachen. Die Prachtbauten sollten den Erfolg des Sozialismus widerspiegeln und suggerieren, dass bald alle Menschen so luxuriös leben würden, wenn der Sozialismus erst richtig in Fahrt käme.

Doch mit dem wirtschaftlichen Niedergang der DDR verfielen auch die Arbeiterpaläste. Mit dem Ende der DDR endete der Verfall, als Investoren die Häuser kauften und aufwendig sanierten. Von Arbeiterpalästen war keine Rede mehr. Heute sind die Häuser an der Karl-Marx-Allee zum Symbol für den Mietenkampf in Berlin geworden. Wie in vielen anderen Teilen der Stadt sind auch hier die Mieten seit der Wiedervereinigung in astronomische Höhen geklettert. Die Geschichte der Karl-Marx-Allee mit Arbeiterpalästen und Aufständen haben wir hier aufgeschrieben.


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