Berliner Kieze

Hinterhöfe in Berlin-Mitte: Vom Hackeschen Markt bis zum Krausnickpark

Berlins Hinterhöfe sind zumeist den Mieter*innen der jeweiligen Häuser vorbehalten, also privat und daher nicht zugänglich. Doch es gibt auch welche, die entdeckt werden können – und unbedingt entdeckt werden sollten. Fernab teils viel befahrener Straßen kann man richtige Juwelen finden, vor allem in Berlin-Mitte. Die Hackeschen Höfe mit ihrer Vielzahl an kleinen Manufakturen sind vor allem bei Touristen beliebt, in den Heckmann-Höfen gibt’s unter anderem hausgemachte Bonbons und ein Theater, das auch open air spielt. Und beim Krausnickpark handelt es sich um die wohl best versteckteste Grünanlage der Stadt. Wir empfehlen zwölf Hinterhöfe in Berlin-Mitte. Viel Spaß beim Entdecken!


Die Hackeschen Höfe sind der Klassiker unter den Hinterhöfen in Berlin-Mitte

Wo früher eine Trabbi-Werkstatt war, ist heute das Restaurant Oxymoron. Foto: Imago/Imagebroker
Wo früher eine Trabbi-Werkstatt war, ist heute das Restaurant Oxymoron. Foto: Imago/Imagebroker

Zwischen Rosenthaler und Sophienstraße erstrecken sich die (acht) Hackeschen Höfe. Auf einer Fläche von annähernd 30.000 Quadratmetern gibt es Gewerbe und Gastronomie, Wohnungen und mit dem Hackesche Höfe Kino sowie dem Chamäleon-Theater auch schöne Kultureinrichtungen. Kein Wunder, dass die Hackeschen Höfe zu den schönsten Plätzen Berlins zählen. Bei einem Besuch solltet ihr Schokolade von Sawade oder Speckmäuse des Berliner Traditionsherstellers Aseli probieren. Funfact: Dort, wo heute das Restaurant Oxymoron ist, war früher eine Trabbi-Werkstatt.

  • Hackesche Höfe zwischen Rosenthaler Straße 40/41 und Sophienstraße 6, Mitte

Im Haus Schwarzenberg die letzte Subkultur in Mitte entdecken

Das Haus Schwarzenberg feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Foto: Imago/Ritter
Das Haus Schwarzenberg feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Foto: Imago/Ritter

Das Haus Schwarzenberg ist nach einem Landkreis im Erzgebirge genannt, der nach dem Krieg für mehrere Wochen unbesetzt blieb und auf dessen Territorium sich eine freie Republik bildete. Dieser Geschichte sieht sich der Trägerverein des Hauses verpflichtet. Es geht darum, in dem durchgentrifizierten Areal rund um den Hackeschen Markt ein wenig Subkultur zu bewahren. Das klappt – und strahlt aus. Fasziniert betreten Tourist*innen den kleinen, unsanierten Hof mit der Galerie Neurotitan, dem Berliner Ableger des Anne-Frank-Hauses oder der Kultkeipe Eschschloraque. Übrigens: In der Galerie Neurotitan haben wir das 45-jährige Bestehen unseres Heftes gefeiert!

  • Haus Schwarzenberg Rosenthaler Straße 39, Mitte

Galli, Cafés und eine Bonbonmanufaktur in den Heckmann-Höfen

Die Bonbonmanufaktur in den Heckmann-Höfen ist eine Institution. Archivbild: Imago/Lambert
Die Bonbonmanufaktur in den Heckmann-Höfen ist eine Institution. Archivbild: Imago/Lambert

Die Auguststraße ist bekanntermaßen eine der wichtigsten Kunstmeilen Berlins. Nach einem Besuch der dort ansässigen Galerien bietet sich eine Auszeit in den Heckmann-Höfen an. Dort gibt es viele kleine Cafés und Restaurants. Im Galli-Theater besuchen Kinder Theaterkurse. Daneben gibt es Aufführungen für Kids und Erwachsene – im Sommer gerne auch unter freiem Himmel im idyllischen Hof. Eines der Highlights ist die Bonbonmanufaktur. Tipp: Exotische Sorten sowie Hustenstiller gibt es direkt an der Theke.

  • Heckmann-Höfe, Oranienburger Straße 32, Mitte

Französische Literatur entdecken in den Sophie-Gips-Höfe

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Filiale von Barcomi’s in den Sophie-Gips-Höfen musste infolge der Corona-Krise schließen. Die gute Nachricht: Der Hof hat immer noch jede Menge zu bieten. Darunter mit Zadig eine Buchhandlung, die sich auf französische Literatur spezialisiert hat – einem der Orte, an denen ersichtlich wird, wie sehr das Nachbarland uns von den Hugenotten bis zur Gegenwart prägte. Auch schön: Kids dürfen auf der sattgrünen Wiese an der Gipsstraße spielen.

  • Sophie-Gips-Höfe Sophienstraße 21, Mitte

Ruhepoole in Mitte: Hugenottenviertel und Französischer Friedhof

Früher Wohlfahrtsort, heute beliebte Wohnadresse: das Hugenottenviertel an der Friedrichstraße. Foto: Imago/Ritter
Früher Wohlfahrtsort, heute beliebte Wohnadresse: das Hugenottenviertel an der Friedrichstraße. Foto: Imago/Ritter

Auch wenn sich die Mehrheit der Berliner*innen nach Luther zum Protestantismus bekannte, waren zumindest die brandenburgischen Herrscher ab 1613 Calvinisten. Als solcher bot der Große Kurfürst den französischen Glaubensflüchtlingen durch das Edikt von Potsdam (1685) eine Zuflucht in Berlin. Das hugenottische Erbe wirkt bis heute nach, viele Berliner*innen haben französisch klingende Nachnamen. In Mitte gibt es neben dem Französischen Friedhof auch das Hugenottenviertel. Das liegt versteckt hinter dem Dreispitz-Center an der Friedrichstraße. Auf dem Gelände richtete die Kirche viele Wohlfahrtangebote ein. Heute ist das Areal mit Wohnhäusern bebaut. Doch einige Spuren sind noch zu entdecken. So wie die in Erinnerung an das Potsdamer Edikt errichtete Pelikan-Skulptur (1994) nach Entwürfen des Künstlers Michael Klein. Zudem kann man nachvollziehen, welche französischen Worte es ins Deutsche geschafft haben – von „etepete“ bis „Karree“.

  • Hugenottenviertel Mitte

Vor dem Ballhaus Berlin in der Kneipe „Alt-Berlin“ abhängen

Die 1893 eröffnete Kneipe „Alt-Berlin“ zog 2014 von der Münzstraße auf den Hof des Ballhauses Berlin – samt hölzernem Tresen, altem Mobiliar und den dunklen Eichenholz-Vertäfelung. Auch wenn das Charme hat, trinkt man sein Bier im Sommer dann doch lieber draußen im Biergarten. Wohl bekomms!

  • Ballhaus Berlin Chausseestraße 102, Mitte

Hummus naschen und Tee trinken auf dem KunstHof neben der Synagoge

Die legendäre Tadschikische Teestube liegt auf dem KunstHof. Foto: Imago/CHROMORANGE
Die legendäre Tadschikische Teestube befindet sich auf dem KunstHof. Foto: Imago/CHROMORANGE

Der KunstHof ist klein, aber fein: Nicht alle Lokale sind zu empfehlen. Zwei aber doch. Da wäre zum einen „Hummus & Friends“, die das israelisch-arabische Kultprodukt in den Mittelpunkt stellen. Und zum anderen die Tadschikische Teestube, in der es nicht nur entspannt Tee zu schlürfen gibt, sondern auch Märchen.

  • KunstHof, Oranienburger Straße 27, Mitte

Der Krausnickpark ist die wohl am besten versteckte Grünanlage Berlins

Nur durch ein unscheinbares Metalltor zu erreichen: der Krausnickpark. Foto: Imago/Müller-Stauffenberg
Nur durch ein unscheinbares Metalltor zu erreichen: der Krausnickpark. Foto: Imago/Müller-Stauffenberg

Der Monbijoupark platzt aus allen Nähten. Und vor allem für Familien ist es dort auch nicht mehr so lauschig, da das Kinderfreibad in diesem Jahr (2020) leider geschlossen ist. Wie gut, dass es fußläufig eine versteckte Alternative gibt. Der Krausnickpark ist nicht von der Straße aus einsehbar, stattdessen muss man durch ein metallenes Tor, hinter dem sich ein wunderbarer Park verbirgt – mit Spielplatz und Sitzbänken. Ein kleines Idyll mitten in der großen Stadt. Schön!


Für Kinder ist die Philipp-Schaeffer-Bibliothek ein wahres Paradies

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Die größte Bibliothek in Mitte, die zu den schönsten in Berlin gehört, liegt in der Nähe des Rosenthaler Platzes und erstreckt sich über drei Höfe inklusive eines Lesegartens im vierten Hof. Auch die Kinderbibliothek im Untergeschoss bietet viel Raum für die mehr als 40.000 Medien, zahlreiche Veranstaltungen widmen sich der Lust am Lesen und an der Literatur. Regelmäßig wird auch Hilfestellung bei den Hausaufgaben angeboten.

  • Philipp-Schaeffer-Bibliothek Brunnenstraße 181, Mitte

Flanieren über das alte Charitégelände

Auf dem Gelände der Charité kann man fernab von Straßenlärm flanieren. Foto: Imago/Ritter
Auf dem Gelände der Charité kann man fernab von Straßenlärm flanieren. Foto: Imago/Ritter

Viele Berliner*innen verbinden mit der Charité nur das (mittlerweile renovierte) Bettenhaus. Richtig schön ist es allerdings auf der gegenüberliegenden Seite der Luisenstraße, wo es noch viele Backsteinhäuser sowie das Medizinhistorische Museum gibt, das allerdings wegen Umbaus die nächsten Jahre geschlossen sein wird. Was bleibt, sind die Open-Air-Ausstellungen. Und natürlich das idyllische Areal. Tipp: Unbedingt auch den Besuch des Tieranatomischen Theaters einplanen!

  • Charité Charitéplatz 1, Mitte

Antoinette Weiss’ einsames Grab auf dem Hof der Katholischen Akademie

Im Innenhof der Katholischen Akademie liegt das Grab von Antoinette Weiss. Foto: MM
Im Innenhof der Katholischen Akademie liegt das Grab von Antoinette Weiss. Foto: MM

Der Dorotheenstädtische Friedhof an der Chausseestraße in Mitte zählt zu den bekanntesten Grabstätten der Stadt. Kaum einer weiß, dass es sich nicht um einen einzelnen Friedhof handelt, der Ende des 18. Jahrhunderts vor dem Oranienburger Tor und somit außerhalb der Zollmauer auf Anweisung des Alten Fritz hin entstand. Der vorgelagerte Französische Friedhof, der für die nach Berlin emigrierten Hugenotten angelegt wurde, existiert ebenfalls noch. Eingeebnet wiederum wurden der Charité-Friedhof sowie St. Hedwig, der erste Friedhof der katholischen Gemeinde, der nach der Reformation entstand. 

Von letzterem zeugt heute nur noch ein einzelner Grabstein, der im Innenhof der Katholischen Akademie steht. Dieses Grabmal wurde zu Ehren der 1805 mit nur 27 Jahren verstorbenen Antoinette Weiss, von der nichts weiter bekannt ist, errichtet. Die Hinterbliebenen kauften das Grab für 100 Jahre. Als der Friedhof Ende des 19. Jahrhunderts schloss, wurden einige wenige prominente Gräber umgebettet, die meisten jedoch eingeebnet. Allein das Grabmal von Antoinette Weiss blieb. Ein Haus wurde um die Grabstätte errichtet, der Grabstein stand nunmehr in der Mitte des Lesezimmers eines Buchladens.  Im Jahr 1908 wurde der Grabstein auf einen Friedhof in Reinickendorf gebracht, von dort holte man ihn knapp 100 Jahre später wieder zurück. Heute erinnert er, wie auf einer Tafel erklärt, an einen „fast vergessenen Gottesacker“.

  • Katholische Akademie Chaussee-/Hannoversche Straße, Mitte

Im wunderschönen Innenhof des Clärchens Berliner Küche genießen

Endlich wieder da: Das Clärchens an der Auguststraße. Foto: Clärchens Ballhaus
Endlich wieder da: Das Clärchens an der Auguststraße in Mitte. Foto: Clärchens Ballhaus

Clärchens Ballhaus hat seine Pforten wieder eröffnet. Das Traditionslokal kommt nach achtmonatigen Renovierungsarbeiten zurück mit einer aktualisierten Karte und viel Gefühl für Berliner Traditionen. Der neue Küchenchef Simon Dienemann setzt auf eine unprätentiöse Wohlfühlküche wie Blutwurst vom Blutwurstritter Benser aus Neukölln auf süß-sauren Linsen und Kartoffelstampf. Dazu noch ein erfrischendes Bier und schon fühlt man sich im Biergarten des Clärchens wie Gott in Berlin.

  • Clärchens Ballhaus Auguststraße 24, Mitte, Mo-Do 17-23 & Fr 17-01 Uhr, Sa 12-01 & So 12-23 Uhr, www.claerchensball.haus

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Es ist fast unmöglich, 12 Empfehlungen für Berlins vielfältiges Zentrum zu kuratieren. Der Bezirk Mitte ist gastronomisch und kulturell im ständigen Wandel und voller Besonderheiten. Und doch – haben wir es geschafft, 12 Tipps für Orte in Mitte zusammenzutragen, an die es uns immer wieder zieht.

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