Sehenswürdigkeiten

12 historische Wassertürme in Berlin – und wie sie heute genutzt werden

Die Wassertürme in Berlin haben ihre Funktion als Wasserversorger in der Stadt schon lange abgeben müssen. Das heißt aber nicht, dass diese wunderbar historischen Gebäude ihren Glanz verloren hätten. Ganz im Gegenteil, die Wassertürme in Berlin erwecken durch neue Ideen wieder zum Leben. Sei es als Loft, Wetterstation oder Jugendzentrum, die Türme verbinden das historische Berlin mit modernen Konzepten. Hier sind 12 historische Wassertürme in Berlin, die ihren Kiez bis heute prägen.


Wasserturm Tempelhofer Berg

Die schöne Backsteinfassade macht den Wasserturm Tempelhofer Berg zum echten Hingucker. Foto: Imago/Schöning

1888 wurde der Wasserturm am Tempelhofer Berg nach den Entwürfen von Hugo Hartung und Richard Schultze fertiggestellt. Die Architekten setzten auf Backstein und Schiefer und gaben dem Turm und Treppenhaus jeweils ein spitzes Kegeldach. Bis 1960 diente der Turm als Wasserdepot, dann für eine kurze Zeit als Wohnraum. Und seit den 1980er-Jahren beherbergt der denkmalgeschützte Turm ein Kinder- und Jugendfreizeitzentrum.


Wasserturm Fichtenberg

Die Wetterstation auf dem Wasserturm Fichtenberg fällt sofort ins Auge. Foto: Imago/Steinach
Die Wetterstation auf dem Wasserturm Fichtenberg fällt sofort ins Auge. Foto: Imago/Steinach

1886 wurde der imposante 40 Meter hohe Wasserturm nach Plänen des Architekten Otto Techow errichtet. Techow baute sich auch dazu in direkter Nachbarschaft die „Villa Anna“, die er als Eigenheim nutzte und nach seiner Frau Anna von Maltitz benannte. Seit 1983 wird der Wasserturm von der Freien Universität Berlin vom Institut für Meteorologie genutzt. Hier können Student*innen im Spät- und Nachtschichtdienst die „Wetterstation 10381“ beaufsichtigen und die langjährige Beobachtungsreihe der Station Dahlem aufrechterhalten.


Wasserturm am Obersee

Der Wasserturm am Obersee passt mit seinem Fassadenbewuchs perfekt in sein Umfeld. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Seit 1900 diente der Wasserturm zur Versorgung der Brauerei auf der höchsten natürlichen Erhebung von Alt-Hohenschönhausen. Später versorgte er dann die Villenkolonie am Obersee und Orankesee. Und zu DDR-Zeiten diente er als Funkstation der Gesellschaft für Sport und Technik (GST). Nach der Wende stand der Turm jahrelang leer und wurde erst 2004 an einen privaten Eigentümer verkauft. Heute befinden sich eine Wohnung und eine Bar in dem denkmalgeschützten Turm. Und das Dach wurde zu einer Seeterrasse umgebaut.


Wasserturm Gaußstraße

Der Wasserturm auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks zählt ebenfalls zu den Reservoirtürmen. Foto: Imago/Schöning
Der Wasserturm auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks zählt ebenfalls zu den Reservoirtürmen. Foto: Imago/Schöning

Das Gaswerk und der Wasserturm wurde 1891 nach Entwürfen des Architekten Paul Bratring errichtet und 1991 stillgelegt. Bis auf den Wasserturm wurden bis alle dazugehörigen Bauten zerstört oder ersetzt. Der aus rotem Backstein errichtete und mit gelben Ziersteinen geschmückten Turm im neoromanischen Stil ist mittlerweile ein Baudenkmal.


Wasserturm Prenzlauer Berg

Die sonnenverwöhnten Wohnungen im Wasserturm Prenzlauer Berg sind besonders beliebt. Foto: Imago/VWPics
Die sonnenverwöhnten Wohnungen im Wasserturm Prenzlauer Berg sind besonders beliebt. Foto: Imago/VWPics

Der Wasserturm zwischen Knaackstraße und Belforter Straße in Prenzlauer Berg wurde 1877 fertiggestellt und ist der älteste Turm dieser Art in Berlin. Während des Dritten Reichs missbrauchten die Nazis das Maschinenhaus auf dem Gelände als „wildes Konzentrationslager“, welches sie im Juni 1935 dann jedoch sprengten, da sie das Gelände in eine Grünanlage umgestalteten. Seit 1981 erinnert eine Gedenktafel auf dem Gelände des Wasserturms an die Verbrechen. Der Wasserturm selbst trägt schon lange nicht mehr zur Wasserversorgung bei, sondern dient als Wohnanlage. Dafür ziert er das Bezirkswappen von Prenzlauer Berg und wird liebevoll „dicker Hermann“ genannt.


Wasserturm Hermsdorf

Den Erhalt verdankt der Turm seinem versteckten Platz zwischen den Bäumen. Im zweiten Weltkrieg wurde er als Beobachtungsposten genutzt und nur dafür erhalten. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Gebaut wurde der Turm 1909 nach den Entwürfen des Bremer Architekten Carl Francke. Der Wasserturm blieb nur 20 Jahre in Betrieb, danach wurden die Reinickendorfer Vororte an das öffentliche Wassernetz angeschlossen. Erst 1978 fand sich ein potentieller Käufer, der dem Turm wieder Leben einhauchen wollte. Der Siebdruck-Grafiker Janek Sylla arbeitete an großen Umbauplänen, die dann jedoch auch platzten. 1999 ging der Turm dann schließlich an die Mobilfunkanbieter Mannesmann und E-Plus, die am Turm Sendeantennen anbrachten.


Wasserturm Charlottenburg I (Ostturm)

Wassertürme in Charlottenburg: Der Ostturm in erster Reihe, dahinter entdeckt man schon seinen großen Bruder, den Westturm. Foto: Imago/Schöning
Wassertürme in Charlottenburg: Der Ostturm in erster Reihe, dahinter entdeckt man schon seinen großen Bruder, den Westturm. Foto: Imago/Schöning

Der 27 Meter hohe Ostturm ist der ältere und kleinere Wasserturm in Charlottenburg. Er entstand 1881 nach Plänen von Bernhard August Salbach an der Akazienallee und dem Spandauer Damm im Berliner Westend. Erst 1910 kam der zweite 60 Meter hohe Westturm nach Entwürfen von Heinrich Seeling hinzu. Beide Türme sind Backsteinbauten, die Anlehnung an die Burgenarchitektur erbaut wurden.


Wasserturm Charlottenburg II (Westturm)

Der Westturm in Charlottenburg ragt mit seinen 60 Metern hoch in den Himmel. Foto: Imago/Schöning

2008 wurden die beiden Türme von den Berliner Wasserwerken verkauft und von einer Investorengruppe zu Wohn- und Gewerbezwecken umgebaut. Heute befinden sich zwölf Eigentumswohnungen auf 14 Etagen im Westturm und sieben Loftwohnungen auf sieben Etagen im Ostturm.


Wasserturm Heinersdorf

Der Wasserturm Heinersdorf gehört zu den eher heruntergekommenen Wassertürmen in Berlin. Foto: imago images/Lem
Der Wasserturm Heinersdorf gehört zu den eher heruntergekommenen Wassertürmen in Berlin. Foto: Imago/Lem

Der 46 Meter hohe Turm wurde 1910 errichtet und sollte zugleich als Rathaus und Wasserturm dienen. Jedoch konnte das Vorhaben nie verwirklicht werden, da die Gemeinde Heinersdorf 1920 nach Groß-Berlin eingemeindet wurde und kein eigenes Rathaus mehr benötigte. Auch als Wasserturm konnte der Bau nicht eingeweiht werden, da die Wasserversorgung inzwischen unterirdisch erfolgte. 1944 wurde auf dem Turm eine Flugabwehrkanone installiert, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zur Überwachung des Flugverkehrs in Tegel umfunktioniert. Nun steht der Turm seit dem Abzug der Alliierten aus Berlin leer. 2014 brannte er aus ungeklärten Gründen von innen aus.


Wasserturm Steglitz

Einer der prunvollsten Wassertürme in Berlin befindet sich in Steglitz. Foto: Imago/Jürgen Heinrich
Einer der prunvollsten Wassertürme in Berlin befindet sich in Steglitz. Foto: Imago/Jürgen Heinrich

Der Wasserturm Steglitz steht auf dem Gelände des Friedhofs Steglitz und wurde 1919 nach Entwürfen von Hans Heinrich Müller errichtet. Ursprünglich plante die Gemeinde, den Turm zur Trinkwasserversorgung zu nutzen, jedoch wurde Steglitz kurz nach der Fertigstellung an das Wasserversorgungsnetz der Berliner Städtischen Wasserwerke angeschlossen. Nach mehreren Restaurierungen, Umbauarbeiten und Besitzerwechseln wird der Wasserturm heute als Verlagsgebäude der medizinischen Verlage genutzt.


Wasserturm Ostkreuz

Vom Gleis aus kann man den Wasserturm nicht übersehen. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Zwischen 1909 und 1912 wurde der Wasserturm von der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin nach Entwürfen von dem Architekten Karl Cornelius errichtet. Der Turm ist 59 Meter hoch und steht direkt neben dem Bahnhof Ostkreuz, wo er zur Versorgung der Dampflokomotiven diente. Die Haube verfügt über einen 400 Kubikmeter fassenden Behälter, welcher mit Wasser aus dem Rummelburger See gefüllt wurde. 2006 wurde der Turm renoviert und 2015 von der Deutschen Bahn an einen privaten Investor verkauft.


Wasserturm Natur-Park Südgelände

Im Natur-Park Schöneberger Südgelände steht einer der eindrucksvollsten Wassertürme in Berlin – und dient der Anlage als Wahrzeichen. Foto: Imago/Schöning
Im Natur-Park Schöneberger Südgelände steht einer der eindrucksvollsten Wassertürme in Berlin – und dient der Anlage als Wahrzeichen. Foto: Imago/Schöning

Zu den erhaltenen Teilen der alten Bahnanlage in dem Natur-Park auf dem Südgelände gehört auch der Wasserturm. Der Turm ist etwa 50 Meter hoch und gehörte dem ehemaligen Bahnbetriebswerk. Er gilt als Wahrzeichen des Parks und wurde 2019 wieder instand gesetzt. Auch eine Dampflok und Schienenstränge gehören zu den Bahnrelikten und sind auf dem Gelände zu besichtigen.


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