Berlin verstehen

12 leerstehende Häuser in Berlin – Schrottimmobilien und Geistervillen

Wohnungsknappheit und Immobilienboom? Stimmt alles – und trotzdem (oder gerade deswegen) gibt es so einige leerstehende Häuser in Berlin. Manche sind Ergebnis von Gier und Spekulation, andere von politischen Querelen oder verworrenen Erbstreitigkeiten, und wieder andere wurden einfach vergessen. Leerstand ist immer auch ein Indikator für den Zustand der Stadt. In manchen verlassenen Hallen spuken Geister und in anderen Investoren. Hier sind 12 Geschichten über leerstehende Häuser in Berlin.


Haus der Statistik

Leerstehende Häuser in Berlin: Haus der Statistik am Alexanderplatz. Umbenannt in Allesandersplatz, 6. Juni 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Haus der Statistik am Alexanderplatz. Umbenannt in Allesandersplatz, 6. Juni 2020. Foto: Imago Images/Stefan Zeitz

Ende der 1960er-Jahre errichtet, gehörte das Haus der Statistik, in dem sich, nun ja, die Zentralverwaltung der Statistik in der DDR befand, zu den Vorzeigebauten am Alexanderplatz. Nach der Wende wurde es von Behörden genutzt, dann aufgegeben, und seit 2008 stand das Bürogebäude leer. Bis jetzt.

Nicht nur wegen der prominenten Adresse weckte der Plattenbau einige Begehrlichkeiten. So mancher Investor wollte den Kasten abreißen. Doch eine Initiative aus Architekten, Künstlern und anderen Aktivisten hat dies verhindert. Man taufte das Haus der Statistik in Allesandersplatz um und veranstaltete dort erstmals im Herbst 2019 allerhand Projekte.

Einige Geschosse des Gebäudes sind seitdem bespielt, irgendwann soll es komplett saniert werden. Das wird aber noch dauern. Bis dahin steht es, zumindest teilweise, weiterhin leer.

  • Haus der Statistik Otto-Braun-Straße 70-72, Mitte

Die Botschaftsvilla von Sambia

Botschaftsvilla von Sambia, seit 2002 weder bebaut noch renoviert, Aufnahme vom Sommer 2019. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Botschaftsvilla von Sambia, seit 2002 weder bebaut noch renoviert, Aufnahme vom Sommer 2019. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

Alte Pankower kennen das Haus noch als „Leichenvilla“, was daran lag, dass vor vielen Jahrzehnten mal Leichen von einem Friedhof in der Nachbarschaft exhumiert und dann in der schicken Villa in Schönholz aufbewahrt wurden.

Später kaufte Sambia das Gebäude und wollte sich darin eine Botschaft einrichten. Um die Jahrtausendwende folgte eine Sanierung, doch dann verwarf man die Pläne – und die Villa vor Schönholz verwittert. Die Diplomaten aus dem afrikanischen Land zogen in die Residenz in Mitte.

  • Botschaftsvilla von Sambia Straße vor Schönholz 23, Pankow

Wohnhaus Stubenrauchstraße

Leerstehende Häuser in Berlin: Geisterhaus in der Stubenrauchstraße, Oktober 2019. Foto: Imago/Joko
Geisterhaus in der Stubenrauchstraße, Oktober 2019. Foto: Imago/Joko

Lange stand ein Haus direkt am Hermannplatz leer, wir schrieben über dieses Geisterhaus einst einen Text und ein Sturm der Entrüstung folgte. Aber auch Investoren riefen bei uns in der Redaktion an. Heute ist das Eckgebäude frisch saniert und die 50 Wohnungen und Ladenlokale wurden vermietet.

Das Problem war damals, dass eine in die Jahre gekommene Eigentümerin von der Verwaltung der Immobilie überfordert war. Auch bei dem Wohnhaus in der Odenwaldstraße 1 in Friedenau scheint es sich um einen ähnlichen Fall zu handeln. 16 Wohnungen stehen leer, das Haus verfällt. Nun hat sich das Bezirksamt der Sache angenommen. Sollte der Verfall nicht aufgehalten werden, muss das Haus abgerissen werden.

  • Wohnhaus Stubenrauchstraße Ecke Odenwaldstraße, Friedenau

Wohnhäuser der US-Offiziere

Leerstehende Häuser in Berlin: Leere Häuser von US-Offizieren, November 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Leere Häuser von US-Offizieren, November 2020. Foto: Imago Images/Stefan Zeitz

Auch die Geschichte der Alliierten hat Leerstand hinterlassen. Zwischen Goldfink- und Luchsweg, westlich der Clayallee, wohnten einst US-Offiziere. Die ganze Siedlung stand in den letzten Jahren leer und war ein beliebtes Ziel für Urban Explorer, die stets auf der Suche nach leerstehenden Gebäuden sind. Die Häuser werden demnächst abgerissen, an der Stelle sollen Neubauten errichtet werden.

  • Häuser von US-Offizieren Luchsweg, Schmargendorf

Hausruine am Hindenburgdamm

Hausruine am Hindenburgdamm, September 2020. Foto: Imago/Joko
Hausruine am Hindenburgdamm, September 2020. Foto: Imago Images/Joko

Auch in Lichterfelde steht ein Geisterhaus. Seit gut 20 Jahren verfällt das Wohnhaus an der Ecke Hindenburgdamm und Gardeschützenweg. In einer ähnlichen Sache wurde am Berliner Verwaltungsgericht auch schon ein Urteil gesprochen. Ein Eigentümer dürfe angesichts der Wohnungsknappheit in der Stadt seine Immobilie nicht verfallen lassen. Eine Sanierung sei zumutbar, entschieden die Richter. Ob das auch Konsequenzen für die Hausruine am Hindenburgdamm haben wird?

  • Wohnhaus Hindenburgdamm Ecke Gardeschützenweg, Lichterfelde

Ehemaliges C&A-Kaufhaus in Neukölln

C&A Kaufhaus in der Karl-Marx-Straße, September 2020. Foto: Imago/Joko
C&A-Kaufhaus in der Karl-Marx-Straße, September 2020. Foto: Imago Images/Joko

Den alten Standort in der Karl-Marx-Straße in Neukölln hat der Bekleidungskonzern C&A bereits 2012 geschlossen. Man hat sich eine neue Filiale gegenüber eingerichtet. Das alte Gebäude ist seitdem ein Zombie an der Verkehrsader, die einst zu den wichtigsten Geschäftsstraßen der Stadt gehörte.

Zwischenzeitlich diente das ehemalige Kaufhaus als Notunterkunft für Geflüchtete. Seit 2018 steht es aber wieder leer. Obdachlose haben sich in den Eingängen Unterschlupf gesucht, was aus dem leerstehenden Haus werden soll, weiß niemand. Vielleicht ein Club oder eine Galerie?

  • C&A-Kaufhaus Karl-Marx-Straße Ecke Anzengruberstraße, Neukölln

ICC Berlin

Das Internationale Congress Centrum (ICC Berlin) im Oktober 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Das Internationale Congress Centrum (ICC Berlin) im Oktober 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Direkt am S-Bahn-Ring ist in den späten 1970er-Jahren ein Raumschiff gelandet: Das Internationale Congress Centrum, kurz ICC. 313 Meter lang und fast 40 Meter hoch ist der Bau von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte – und mit Baukosten von damals mehr als 900 Millionen Mark war es das teuerste Gebäude West-Berlins.

Das markante Beispiel für High-Tech-Architektur (die gesamte Fassade besteht aus Aluminium) war damals höchst umstritten, aber wurde rege genutzt. Schließlich bot das Gebäude mit seinen 80 teils riesigen Räumen und Sälen Platz für jede Versammlung und Konferenz, die man sich wünschen konnte. Heute ist es verschlissen, die Technik zu restaurieren wäre unfassbar aufwendig. Die Zukunft des Raumschiffs steht in den Sternen, abgerissen darf es nicht werden, da es seit einiger Zeit denkmalgeschützt ist.

  • ICC Berlin Messedamm 22, Westend

Kathreiner-Haus

Kathreiner-Haus, Potsdamer Straße, Schöneberg, September 2020. Foto: Imago/Joko
Kathreiner-Haus, Potsdamer Straße, Schöneberg, September 2020. Foto: Imago/Joko

Bruno Paul gehörte zu den wichtigsten Architekten der Moderne in Berlin. 1930 wurde das nach seinen Plänen gebaute Kathreiner-Haus fertiggestellt. Bauherr war die Malzkaffee-Fabrik Kathreiner. Nach dem Krieg fand es mit der BVG und später dem Berliner Senat neue Nutzer.

Doch mittlerweile steht es leer. Als die alternativen Jugendclubs Potse und Drugstore aus ihren angestammten Standorten ausziehen mussten, entstand die Idee, den legendären Einrichtungen eine neue Heimat im Kathreiner-Haus zu geben.

Dazu wird es nicht kommen. Über die Zukunft des ältesten Bürohauses der Stadt wurde entschieden: 2025 werden die Berliner Verwaltungsrichter in das Kathreiner-Haus ziehen.

  • Kathreiner-Haus Potsdamer Straße 186, Schöneberg

Ehemalige Botschaft des Irak

Ehemalige Botschaft des Irak, Januar 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Ehemalige Botschaft des Irak, Januar 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Der Irak war der erste nicht-sozialistische Staat, der die DDR völkerrechtlich anerkannt hat. Das war 1969. Fünf Jahre später ließ man sich von einem Architektenteam eine diplomatische Vertretung bauen. Praktischerweise in der Plattenbauweise, die in der DDR besonders beliebt war. Der wenig schöne Kasten wurde von den Nutzern in der Zeit des ersten Irakkriegs verlassen. Das war 1991.

Die neue irakische Botschaft befindet sich seit 2010 in Dahlem, der ehemalige Sitz in der Tschaikowskistraße in Pankow verfällt. Außer für Vandalen, Sprüher, Metalldiebe und exzentrische Touristen ist das Gebäude nicht mehr interessant. Auch der Eigentümer, der irakische Staat, kümmert sich nicht um das Erbe aus der Vergangenheit. Es gibt aber auch sehr gelungene und sehenswerte Botschaftsgebäude in Berlin.

  • Ehemalige Botschaft des Irak Tschaikowskistraße 51, Pankow

Restaurant Entenkeller

Restaurant Entenkeller im Mai 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Leerstehende Häuser in Berlin: das Restaurant Entenkeller im Mai 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Als „Der Schandfleck von Frohnau“ wurde das Restaurant Entenkeller schon bezeichnet. Seit knapp 15 Jahren steht das einst beliebte Ausflugslokal leer und verfällt. Ein „Bauzombie“, um den sich schon lange auch das Bezirksamt kümmert. Ein Umbau war geplant, es gab Auflagen von der Baubehörde, dann Verkaufsgespräche, dann verlief mal wieder alles im Sand. Enten werden hier also weiterhin nicht gebraten.

  • Restaurant Entenkeller Oranienburger Chaussee Ecke Schönfließer Straße, Frohnau

Hotel Kubrat

Leerstehende Häuser in Berlin: Dauerhaft geschlossen: Hotel Kubrat im März 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Dauerhaft geschlossen: Hotel Kubrat im März 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Eine mysteriöse Sache. In der Leipziger Straße existiert ein Hotel mit dem Namen „Hotel Kubrat“, es ist dauerhaft geschlossen. Dann wiederum gibt es ein Hotel mit gleichem Namen aber anderer Adresse, das Hotel Kubrat, Freiheit 10-11 in Köpenick. Das ist nicht in Mitte, nicht in der Leipziger Straße 21.

Das Haus in Mitte scheint auf irgendeine Art mit dem bulgarischen Boxer und ehemaligen Europameister, Kubrat Pulew in Verbindung zu stehen. Zumindest ist ein Foto des Champs an der Fassade angebracht. Auf der noch aktiven Internetseite des Hotels Kubrat in Mitte ist als Geschäftsführer allerdings ein gewisser Herr Kubrat Panev angegeben. Ruft man dort an, ist immer besetzt. Wir buchen die Sache unter Leerstand ab.

  • Hotel Kubrat Leipziger Straße 21, Mitte

Ehemaliges Kinderkrankenhaus Weißensee

Ehemaliges Kinderkrankenhaus in Weißensee, Februar 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Leerstehende Häuser in Berlin gibt es viele, doch diese Ruine ist von besonderem historischen Interesse. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte das Kinderkrankenhaus in Weißensee zu den modernsten Einrichtungen dieser Art im ganzen Land. Es war das das erste kommunal geführte Säuglings- und Kinderkrankenhaus Preußens.

1997 entschied der Senat, die eine Weißenseer Institution an der Hansastraße zu schließen. Das ist 23 Jahre her. Das gesamte Area verlottert, die Gebäude wurden beschädigt und auch ein neuer Käufer hat die Situation nicht verbessert. Eher verschlechtert.

Gekauft hat die Immobilie die MWZ Bio-Resonanz GmbH, sie sollte Millionen investieren, doch dazu kam es nicht. Stattdessen ging die Firma pleite, das Insolvenzverfahren läuft und die Angelegenheit ist ins Stocken geraten. Zukunft ungewiss.

  • Ehemaliges Kinderkrankenhaus Weißensee Hansastraße 178/180, Pankow

Wir haben euer Interesse an Berlins Architektur geweckt? Dann legen wir euch unseren Guide der Berliner Architektur ans Herz, von Bauhaus bis Baller, von Top bis Flop. Auch diese Liste könnte für euch spannend sein: Diese 12 ungewöhnlichen Gebäude in Berlin solltet ihr kennen. Wer noch mehr schöne Dinge sehen will, folgt am besten unseren gesammelten Ausflugstipps für Berlin.

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