Architektur

Unesco-Weltkulturerbe in Berlin und Potsdam nachspüren: Alle Ziele

In Berlin gehören zum Unesco-Weltkulturerbe neben der Museumsinsel und den Preußischen Schlössern und Gärten auch die Wohnsiedlungen der Moderne. Von Bruno Tauts Hufeisensiedlung in Britz bis zur Schillerpark-Siedlung in Wedding. Insgesamt acht Orte kann man in der Stadt und Umgebung aufsuchen und dem Welterbe nachspüren. Weltweit stehen auf der Liste die herausragendsten Denkmäler, Ensembles und Stätten sowie Naturgebilde, von den Pyramiden und der Chinesischen Mauer bis zu den Felsenkirchen von Lalibela in Äthiopien.


Mitte: Museumsinsel

Unesco-Weltkulturerbe in Berlin: Das bekannteste Baudenkmal auf der Unesco-Weltkulturerbe in Berlin: Museumsinsel. Foto: Imago/Chromorange
Das bekannteste Baudenkmal auf der Unesco-Weltkulturerbe in Berlin: Museumsinsel. Foto: Imago/Chromorange

Die Museumsinsel gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der deutschen Hauptstadt und den bedeutendsten Museumskomplexen Europas. Nicht nur Touristen verbringen viele Stunden in dem Bauensemble aus fünf Museen, auch Berlinerinnen und Berliner strömen in die geschichtsträchtigen Gebäude, um sich von den Kunstsammlungen in eine andere Zeit versetzen zu lassen. Als Gesamtanlage gehört die Museumsinsel seit 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe. Alle Infos, die Geschichte und genaue Adressen zu der Museumsinsel finden sich hier.

  • Museumsinsel zwischen Spree und Kupfergraben, Mitte

Prenzlauer Berg: Wohnstadt Carl Legien

Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg. Erbaut 1928 bis 1930 nach Plänen von Bruno Taut und Franz Hillinger im Auftrag der GEHAG. Foto: Imago/Petra Schneider
Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg. Erbaut 1928 bis 1930 nach Plänen von Bruno Taut und Franz Hillinger im Auftrag der GEHAG. Foto: Imago/Petra Schneider

Die krisengebeutelte Weimarer Republik verließ sich für wirtschaftlichen Aufschwung auf ein bewährtes Mittel: den staatlichen Eingriff. Ein großflächiges Wohnungsbauprogramm kurbelte die Wirtschaft an. Zeugnis dessen ist die Wohnstadt Carl Legien im Norden des Prenzlauer Bergs. Die Siedlung wurde ab 1928 nach Plänen von Bruno Taut und Franz Hillinger errichtet und nach dem Gewerkschaftsführer Carl Legien benannt.

  • Wohnstadt Carl Legien Erich-Weinert-Straße, Prenzlauer Berg

Treptow: Gartenstadt Falkenberg

Die denkmalgeschützte Gartenstadt Falkenberg in Treptow. Foto: Copyright: Imago/Sven Lambert
Unesco-Weltkulturerbe in Berlin: Die denkmalgeschützte Gartenstadt Falkenberg in Treptow. Foto: Copyright: Imago/Sven Lambert

Die Gartenstadt Falkenberg wurde im Juli 2008 in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sie ist eine von sechs Wohnsiedlungen der Berliner Moderne, denen diese Ehre zuteil wurde. Aufgrund der prägnanten Farbgebung der Wohnhäuser und der verspielten Gestaltung wird die Siedlung auch „Tuschkastensiedlung“ genannt. Dort lassen sich übrigens tolle Bilder für euren Instagram-Feed machen. Welche Berliner Orte noch gute Fotohintergründe abgeben, verraten wir euch hier.

  • Gartenstadt Falkenberg Akazienhof 4, Treptow

Neukölln: Hufeisensiedlung Britz

Unesco-Weltkulturerbe in Berlin: Die Hufeisensiedlung Britz des Architekten Bruno Taut. Foto: Imago/Günter Schneider
Die Hufeisensiedlung Britz des Architekten Bruno Taut. Foto: Imago/Günter Schneider

Die große Idee, die hinter der Hufeisensiedlung von Bruno Taut steht, ist Menschenwürde: Sie ist eines der gewaltigsten sozialen Wohnungsbauprojekte der Stadt. Die Architekten Bruno Taut und Martin Wagner lehnten die Enge der düsteren Mietskasernen ebenso ab wie die fast schon elitäre Idee der Gartenstadt. Mit großen Loggien, einer imposanten Freitreppe und hellen Wohnungen ist das große Hufeisen von Anfang an als Gegenentwurf zum großstädtischen Elend konzipiert worden – ein proletarischer Palast.

  • Hufeisensiedlung Fritz-Reuter-Allee, Neukölln

Wedding: Schillerpark-Siedlung

Siedlungen der Berliner Moderne: Siedlung Schillerpark. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Siedlungen der Berliner Moderne: Siedlung Schillerpark. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Das Englische Viertel in Wedding liegt unweit des U-Bahnhofs Rehberge. Rund um die Oxforder Straße und die Bristol Straße entstand in den 1920er-Jahren die Schillerpark-Siedlung, wiederum nach den Plänen des Architekten Bruno Taut. Sie gehört zu den gelungensten Beispielen des sozialen Wohnungsbaus in der Zeit der Weimarer Republik. Die Verwendung der dunkelroten Ziegelsteine verweist auf die moderne Architektur der Amsterdamer Schule, die Flachdächer zählten damals zu den ersten Konstruktionen dieser Art in Berlin. Anfangs bewohnten vor allem linke Politiker, Gewerkschaftler und auch Intellektuelle die neuen “Volkswohnungen”, weshalb das Ensemble im Volksmund gelegentlich als “Rote Bonzenburg” bezeichnet wurde.

  • Schillerpark-Siedlung Oxforder Straße Ecke, Bristol Straße, Wedding

Reinickendorf: Weiße Stadt

Unesco-Weltkulturerbe in Berlin: Großsiedlung Weiße Stadt rund um die Aroser Allee. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Großsiedlung Weiße Stadt rund um die Aroser Allee. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Schon vor dem Ersten Weltkrieg plante Reinickendorf diese Großsiedlung, doch die Verwirklichung zog sich bis in die 1920er-Jahre. Die Architekten Bruno Ahrends, Wilhelm Büning und Otto Rudolf Salvisberg griffen für die Gestaltung des Quartiers Bauhaus-Formen auf: klare Kanten und schlichte Fassaden.

Keine große Überraschung ist der Name der Siedlung an der Schillerpromenade: Die Häuser auf dem 14 Hektar großen Gelände strahlen weiß. Von 1928 bis 1931 wurde das Projekt realisiert, seit 2008 ist die Weiße Stadt Teil des Unesco-Weltkulturerbes in Berlin. Jede Wohnung verfügte über Bad, Küche und eine Loggia. Das war damals nicht gerade Standard, in Reinickendorf aber sogar zu bezahlbaren Preisen zu haben.

  • Weiße Stadt Aroser Allee, Reinickendorf

Charlottenburg und Spandau: Großsiedlung Siemensstadt

Großsiedlung Siemensstadt am Jungfernheideweg. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Großsiedlung Siemensstadt am Jungfernheideweg. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Großsiedlung Siemensstadt zählt ebenfalls zum Unesco-Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“. Ab 1929 entstand sie als Wohnstadt für die Arbeiter:innen der Siemens-Fabriken. Die Siedlung ist ein Musterbeispiel für progressiven Wohnungsbau: Große Freiflächen und viel Grün bestimmen neben der schlichten Formen das Bild.

Daneben ist das Areal so etwas wie eine steinerne Architektur-Enzyklopädie: Mitgewirkt haben Walter Gropius, Otto Bartning, Hugo Häring, Fred Forbát und Paul Rudolf Henning. Das städtebauliche Konzept erarbeitete Hans Scharoun, der mit Formen Neuen Bauens experimentierte. Eines seiner Gebäude trägt aufgrund seiner nautischen Klobigkeit den Spitznamen „Panzerkreuzer“.

  • Großsiedlung Siemensstadt zwischen Jungfernheideweg, Heckerdamm und Goebelstraße, Charlottenburg und Spandau

Berlin und Potsdam: Preußische Schlösser und Gärten

Unesco-Weltkulturerbe in Berlin: Blick auf das Marmorpalais in Potsdam. Foto: Imago/Camera4/Eberhard Thonfeld
Blick auf das Marmorpalais in Potsdam. Foto: Imago/Camera4/Eberhard Thonfeld

Einer der Klassiker unter den Schlössern in Brandenburg ist das Schloss Sanssouci. Friedrich der Große erwarb 1744 den „wüsten Berg“, um sich von dem Maler und Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ein Sommerschloss errichten zu lassen. Das Schloss und der große Park sind Teil des weltberühmten Ensembles unterschiedlicher Gartenanlagen, die sich auf einer Fläche von fast 300 Hektar mit zahlreichen weiteren Schlössern, etwa dem Schloss Cecilienhof oder dem eleganten Marmorpalais, verbinden. Seit 1990 gehört das weitreichende Areal an der Grenze von Berlin und Potsdam zum Unesco-Weltkulturerbe.

  • Preußische Schlösser und Gärten zwischen Schloss Sanssouci und Glienicke in Berlin

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