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Artenschutz in Berlin: Diese Tiere in der Stadt sind vom Aussterben bedroht

Berlin ist auch Heimat vieler Tiere, aber ihr Leben wird immer schwerer. Um die meisten Tierarten in der Stadt steht es gar nicht gut. Die Liste der stark bedrohten Arten ist lang und wird immer länger. Welche Tierarten vom Aussterben bedroht sind und was wir als Stadtmenschen für den Artenschutz tun können? Wir geben euch den Überblick und erklären, wie man Mauersegler, Erdkröten und ja, auch Mücken, retten kann.


Extrem bedroht: Fledermausarten wie die Zwergfledermaus und das kleine Langohr

Artenschutz in Berlin: Die Zwergfledermaus gehört zu den bedrohten Arten in Berlin. Ihre Flügelspannweite misst gerade einmal 25 Zentimeter. Foto: Imago/imagebroker
Artenschutz in Berlin: Die Zwergfledermaus gehört zu den bedrohten Arten in Berlin. Ihre Flügelspannweite misst gerade einmal 25 Zentimeter. Foto: Imago/imagebroker

Sie leben mitten unter uns, wohnen unter unseren Dächern, flattern über unsere Köpfe hinweg, und doch bekommen wir so wenig von ihnen mit. 25 heimische Fledermausarten zählt Berlin, darunter die Zwergfledermaus (im Bild) und das kleine Langohr. Alle Arten sind vom Aussterben bedroht.

Dafür gibt es zwei tragende Gründe: Zum Einen verlieren die Kleinsäuger durch Dachsanierungen und Anbauten zur Wärmedämmung ihren Lebensraum. Sie finden keine Schlupfwinkel mehr, in denen sie überwintern können. Im Sommer fehlen ihnen die Wochenstuben, kleine Höhlen, in denen sie ihre Jungtiere aufziehen.

Zweiter Grund für die abnehmenden Bestände ist der Mangel an Insekten – durch das große Insektensterben, das auch in Berlin um sich greift, fehlt es den kleinen Flugsäugern an Nahrung.

Wer etwas für den Artenschutz tun will und den Fortbestand der heimischen Fledermausarten unterstützen möchte, verzichtet möglichst auf alle zusätzlichen Dichtungsmaßnahmen am eigenen Haus, damit Fledermäuse wieder mehr Schutz spendende Schlupflöcher finden.


Großes Insektensterben: Wir nehmen zu wenig Rücksicht auf den Artenschutz

Tiere Berlin Artenschutz Nicht nur Hummeln müssen geschützt werden, sondern alle Insekten, denn für Ökosysteme sind sie unverzichtbar. Foto: Imago/Manngold
Nicht nur Hummeln müssen geschützt werden, sondern alle Insekten, denn für Ökosysteme sind sie unverzichtbar. Foto: Imago/Manngold

Das große Insektensterben greift weltweit um sich. Und es betrifft nicht nur Bienen und Hummeln, sondern alle Insektenarten, auch die von uns ungeliebten, wie Obstfliegen, Mücken und Hornissen.

Grund für die gravierende Abnehme der Populationen, auch in Berlin, ist der Einsatz von Bioziden und Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft. Oft ist das Insektenleben in der Stadt heute reichhaltiger als auf dem Land. Aber auch wir Städter*innen können und sollten mehr dafür tun, dass sich Insekten wieder wohlfühlen. Sogar die ungeliebten Mücken, denn auch sie stellen eine zentrale Nahrungsquelle vieler Tiere dar und spenden uns indirekt die Luft, die wir atmen.

Wer dem großen Insektensterben entgegenwirken möchte, achtet darauf, im (Klein-)Garten oder auf dem Balkon vor allem heimische Stauden und Gräser anzupflanzen und auch mal Wildpflanzen unkontrolliert wuchern zu lassen. Denn Wildpflanzen sind Nährgewächse für Bienen und viele andere Insekten. Ein Topf mit Geranien tut wenig für den Artenschutz – sieht zwar nett aus, ist aber kein attraktiver Lebensraum für Insekten.


Bedrohte Tiere in Berlin: Kampf ums Überleben für Ringelnatter und Erdkröte

Bedrohte Tiere in Berlin Artenschutz: Besonders schwer haben es Amphibien wie Kröten in Berlin. Sie sind an feuchte Lebensräume gebunden. Foto: Imago/Contini
Besonders schwer haben es Amphibien wie Kröten in Berlin. Sie sind an feuchte Lebensräume gebunden. Foto: Imago/Contini

Der Zustand der Reptilien- und Amphibienbestände wird, auch in Berlin, von Fachleuten als extrem alarmierend angesehen. Fast alle heimischen Amphibien- sowie Reptilienarten sind vom Aussterben bedroht. Schlimm steht es vor allem um jene, die an feuchte Lebensräume gebunden sind, wie die Erdkröte.

Die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen lassen Teiche austrocknen. Folien in künstlich angelegten Teichen verhindern, dass Wasser-Amphibien und -Reptilien darin überwintern können.

Zudem wird die Zerschneidung der Landschaft zu einem immer größeren Problem: Sümpfe und Wälder werden zubetoniert. Tiere wie die bedrohte Ringelnatter finden kein Laub mehr, um sich zu verstecken. Bei ihrer jährlichen Wanderung werden Kröten auf Autobahnen und Straßen überfahren.

Wer das Glück hat, einen Garten zu haben, kann darin etwas für den Artenschutz tun: Damit sich die Amphibien- und Reptilien-Bestände in Berlin erholen, sollte man erst im späteren Frühjahr aufräumen und nasses Laub möglichst lange liegen lassen. Wer kann, sollte zudem versumpfte Lebensräume durch natürlich angelegte Teiche schaffen. Und: Wenn im Frühjahr die Frösche quaken, sollte man sich an dem Konzert erfreuen, anstatt ihnen den Storch an den Hals zu wünschen.


Mauersegler, Blaumeise, Lerche: Alle Vögel in der Stadt gelten als gefährdet

Tiere Berlin Wer einen Brutkasten in einer naturfreundlichen Umgebung aufhängt, hilft auf diese Weise vielen Vogelarten.
Wer einen Brutkasten in einer naturfreundlichen Umgebung aufhängt, hilft auf diese Weise vielen Vogelarten. Foto: Imago/Popow

Vögel in der Stadt gibt es scheinbar viele – manche Vogelarten sind schier überall, so wie die Stadttaube, die uns allerdings zu Unrecht nervt. Die Wahrheit ist: Alle (!) Vogelarten in Berlin sind bedroht. Natürlich ist das Insektensterben ein wichtiger Grund dafür. Den Tieren mangelt es an Nahrung. Zudem bietet die Stadt für fast alle Vögel zu wenige Reproduktionsräume, wie zum Beispiel Brutkästen.

Die häufig unterschätzte Hauptursache für das Vogelsterben ist jedoch eine andere: Jeden Tag verunglücken europaweit rund 250.000 Vögel beim Fliegen gegen Glasscheiben, die sie nicht als solche identifizieren können. Enorm hilfreich, um etwas für den Artenschutz und den Erhalt der Vogelbestände zu tun, ist es also, Schutzfolien auf Fensterscheiben aufzukleben, die sehr stark spiegeln.

Wer einen Garten oder Balkon hat, kann zudem einen Brutkasten aufhängen. Damit sich ein Vogel darin wohlfühlen kann, muss jedoch auch das Drumherum stimmen. Balkon oder Garten sollten also möglichst wildwachsend und naturfreundlich gestaltet werden.

Und noch ein Tipp für sehr motivierte Hobbygärtner*innen: Den Insekten und indirekt auch den Vögeln zuliebe lohnt es sich, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Blattläuse sollte man lieber von Hand von Blättern zupfen – oder warten, bis die Vögel sie abfressen. Ein wunderschön blühender Rosenbusch geht sonst möglicherweise mit einer Hand voll toter Vögel einher.


Kleinsäuger wie Igel und Feldmäuse finden keine Orte mehr, um sich zu verstecken – und sterben aus

Tiere Berlin Kein Laub zum Verstecken und viel weniger Schnecken: Für Igel wird ein erfülltes Leben in Berlin zunehmend schwieriger.
Kein Laub zum Verstecken und viel weniger Schnecken: Für Igel wird ein erfülltes Leben in Berlin zunehmend schwieriger. Foto: Imago/blickwinkel

Gestriegelte Stadtgärten und aufgeräumte Parks in Berlin werden zunehmend zum Problem für kleine Säuger wie den Igel oder die Feldmaus. Die scheuen Tiere finden immer seltener Laub, unter dem sie Schutz suchen können. Und für Igel kommt noch ein anderes Problem hinzu: Wegen der anhaltenden und zunehmenden Trockenheit finden sie ihre Leibspeise, Schnecken, immer seltener.

Verwilderte Oasen, in denen Igel Nahrung finden können, werden also immer wichtiger. Wer den Igel und die Feldmaus unterstützen möchte, sollte sich ein Herz fassen, die eigene Ästhetik etwas zurückstellen, und ein bisschen mehr Wildwuchs im Garten zulassen.

Falls man eine Möglichkeit gefunden hat, einen der in Berlin heiß begehrten Kleingärten zu bewirtschaften, gibt es noch einen ganz einfachen Tipp für den Artenschutz: den Streit unter Nachbar*innen beilegen. Die bedrohten Igel sind glücklich, wenn sie sich problemlos von Garten zu Garten bewegen können – also indem man Zäune aufstellt, unter denen sie durchschlüpfen können und keine Mauern, die sie einsperren.


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