Stadtleben

Auch das ist Polen

wanderduene_lebaDie Musikhauptstadt Polens
Wojciech Zawadzki Als gebürtiger Warschauer möchte ich meine Heimatstadt als Reiseziel für Musikliebhaber empfehlen. Nirgendwo in Polen gibt es so viele Konzerte und  Musikfestivals wie in Warschau! Nicht nur der Internationale Chopin-Wettbewerb, die Mozart-Festspiele, das JVC Jazz Festival und der „Warschauer Herbst“, das Internationale Festival Zeitgenössischer Musik, sondern auch unzählige Club- und Open-Air Konzerte, machen aus Warschau auch die musikalische Hauptstadt Polens. Besonders im Sommer kann man in der Altstadt und auf dem Schlossplatz Jazz- und Rockkonzerte im Freien hören, und zahlreiche Straßen- und Volksfeste sorgen dafür, dass alle Musikfans auf Ihre Kosten kommen – auch ganz spontan, ohne Tickets und Reservierungen! Ein Besuch im „Tygmont“, einem Jazzclub in der Mazowieckastrasse 6/8, gehört zum Pflichtprogramm – selbst beim kürzesten Aufenthalt in Warschau. Tygmont Jazz Club ul. Mazowiecka 6/8 Warszawa 00-048 www.tygmont.com.pl

Süße Stückchen
vogel_agataAgata Vogel Im Warschauer Bot­schaftsviertel gibt es ein wunderschönes, kleines, geschmackvoll im mediterranen Stil eingerichtetes Restaurant mit einer imposanten Confiserie-Auslage: lauter farbenfrohe, himmlisch schmeckende Torten, Kuchen und Schokoladen, erlesen verziert und mit ausgesuchten Zutaten belegt. Mein deutscher Freund Martin, ein begeisterter Warschau-Tourist, beobachtete einmal erstaunt und amüsiert meine polnische Freundin Magda, wie sie sich an der Theke des „Slodki…Slony“ („Süß…Salzig“) die Sorten der Süßigkeiten, die sie probieren wollte, in ein kleines Büchlein notierte, um dann feierlich die Bestellung vorzunehmen. Aber das müssen Sie nicht tun! Es reicht, wenn Sie lächelnd Englisch oder Zeichensprache einsetzen und „poprosche to i… to“ („Bitte das und… das“) sagen. Ihr Dessert wird sogleich an ihren Tisch gebracht. Slodki…Slony ul. Mokotowska 45, 00-551 Warszawa, www.slodkislony.pl

Unter Freunden
Michal Zak Mein absoluter Lieblingsort im Herzen meiner Heimatstadt Posen heißt „U Przyjaciol“ („Bei Freunden“). Ein zauberhaftes Cafй, geheimnisvoller Club und ein alternatives Thea­ter – alles zusammen unter einem Dach und im Schatten eines romantischen Parks. „U Przyjaciol“ besteht aus drei Zimmern: einem Gastraum, einer Hausbar und einem Salon, in dem jeden Tag viele Künstler und Schriftsteller die außergewöhnliche Atmosphäre genießen. Von der Speisekarte kann ich besonders „Apocryphen aus Ingwer“ (ein Biermischgetränk mit Orangensaft und Ingwersirup) und lokales „Piernik“ (ein Kaffeekuchen mit Rosinen, Nüssen, Trockenfrüchten und Schlagsahne) empfehlen. Cafй und Bar U Przyjaciol ul. Mielzynskiego 27/29, 61-725 Poznan

Idylle in den Bergen
Ewa Bojarowski Wenn man nach idyllischer Ru­he sucht und die Metropole für einen Augenblick verlassen möchte, ist das polnische Isergebirge für einen Wochenendausflug einfach perfekt. Ob im Winter oder Sommer, die unberührte Landschaft lädt zum Wandern oder Reiten und natürlich Skifahren im Dreiländereck unweit der deutschen und tschechischen Grenze. Entdeckenswert sind vor allem die malerischen Dörfer mit ihren traditionellen alten Höfen und Schlössern. Besonders zu empfehlen ist der kleine Ort „Pobiedna“, in dem einen ein altes Gehöft begrüßt. Die Besonderheit des Hauses liegt in seinen Besitzern – eine polnisch-indische Musikerfamilie, die für eine ganz besondere künstlerische Stimmung sorgt. Das Angebot von Wellness bis hin zu professionellen Tonaufnahmen ist vor allem bei internationalen Musikern beliebt. Unbedingt probieren muss man die kulinarischen Spezialitäten des Küchenchefs, eine Mischung aus regionaler polnischer und indischer Tradition. Dworek Saraswati ul. Nowomiejska 2, 59-814 Pobiedna http://www.saraswatihotel.com

Dampfloks und Urzeitsiedlungen
Mordel_PiotrPiotr Mordel Circa 250 km von Berlin entfernt liegt eine der ältesten Städte Polens – Gnesen. Dutzende Seen im Umland mit freiem Zugang zum Ufer bieten Badelustigen und Wassersportlern unbegrenzte Möglichkeiten. In der prähistorischen Siedlung Biskupin spielen im Sommer polnische Ethnologie­studenten als lebendige Exponate den Dorfalltag nach und leben wie vor 3.000 Jahren. Übernachten kann man in vielen alten Gutshäusern, die nun Pensionen sind, wie im „Schloss Julia“ in Uscikowo, einem perfekten Ort, um die Stille und den Sternenhimmel zu genießen. Zum Schluss noch ein Tipp für Stadtliebhaber: die beste HipHop-Szene Polens und eines der größten Straßentheaterfestivals findet man in Posen. Pension Palac Julia Uscikowo 1, PL 88-400 Znin www.26i4u.de/gutshausimpark.de

Mittelalter vs. Beton
Marcin Zastrozny Breslaus gesamte Altstadt ist sehenswert. Aber wenn man die Ulica Jatki betritt, fühlt man sich wie in einer anderen Welt, denn alles hier ist winzig und uralt. Die kleine Gasse wurde einst von Metzgern bevölkert, wandelte sich dann aber zu einem Treffpunkt der Künstler. Auch heute findet man in den mittelalterlichen Häuschen noch zahlreiche Kunstgeschäfte und Galerien. Als Kontrastprogramm sollte man die Jahrhunderthalle im Westen der Stadt besuchen. Der Monumentalbau besaß bei seiner Fertigstellung 1913 die größte Kuppel der Welt. Nicht umsonst gehört die Halle seit 2006 zum Weltkulturerbe. Jahrhunderthalle www.halastulecia.pl

Paddeln wie der Papst
Lila Karbowska Wer Abenteuer liebt, sollte eine Paddeltour auf der 190 km langen Drawa wagen. Besonders gefallen haben mir die Routen durch den Drawienski Nationalpark, denn dort fühlt man sich wie im Urwald. Das glasklare Wasser und die unberührte Natur allein wären schon eine Reise wert, aber die flotten Strömungen machen die Strecken auch für erfahrenere Paddler spannend. Nicht umsonst war bereits Papst Johannes Paul II. zu seinen Zeiten als Priester hier unterwegs. Übernachten kann man auf ausgewiesenen Biwakplätzen im Naturschutzgebiet oder in Ferienwohnungen. Der Nationalpark erlaubt Kajakfahrten nur von Anfang Juli bis Mitte März. Wer es ruhig mag, sollte im Herbst kommen, die Paddelausrüstung kann man vor Ort leihen. Drawienski Nationalpark www.dpn.pl

Bisons und Bären
debska_agnieszkaAgnieszka Debska Von den 23 Nationalparks Polens ist der Bialowieza-Park an der Grenze zu Weißrussland für mich einer der schönsten. 1932 gegründet, gehört er als letzter Tiefland-Urwald Europas zum UNESCO-Welterbe. Unterkommen kann man zum Beispiel in Bialowieza; die Pen­sion „Pod Wisnia“ ist urig und freundlich, und wenn man Glück hat, bietet einem der Besitzer seine selbst gemachte Wurst an. Im Urwald leben europäische Bisons, Wölfe, Luchse, Braunbären und unzählige Vogel- und Insektenarten, die Flora ist unbeschreiblich. In einige Gebiete gelangt man nur mit einer Führung, es gibt aber genügend Wanderwege, die man allein beschreiten kann, beispielsweise den Pfad „Zebra zubra“, der teilweise über kleine Brücken und Stege durch sumpfiges Terrain führt. Bialowieza Nationalpark www.bpn.com.pl

Traumhafte Natur
Celina Muza Ich empfehle eine Reise in die Kaschubische Schweiz. Die Region um Danzig ist bekannt für ihre zahlreichen Seen, Hügel und Wälder und das außergewöhnliche Freilichtmuseum in Wdzydze Kiszewskie. Dort kann man auf 22 Hektar Land typisch kaschubische Dorfarchitektur und authentisch nachgebildete Innenräume aus mehreren Jahrhunderten begutachten. Wenn Sie nach ein paar Tagen genug von der wunderschönen Natur haben, besuchen Sie am Strand von Gdynia Or?owo eine Freilichtvorstellung des Stadttheaters oder die Kunstgalerien in Sopot. Und weil in der Region leckere Fischgerichte serviert werden, lohnt sich die Fahrt nach Puck, wo man auf der Seebrücke im Restaurant „Bursztynia“ in gemütlicher Atmosphäre leckerste Fischgerichte und mehr genießen kann. Freilichtmuseum: http://www.muzeum-wdzydze.gda.pl/; Restaurant „Bursztynia“ ul. Lipowa 84-100 Puck http://www.bursztynia.pl

Besondere Kunst
Mariusz Bednarski Wenn man durch die Straßen einer polnischen Stadt flaniert, sollte man die Augen offen halten, denn oftmals kann man an Wänden und in Schaukästen von Theatern und Kinos große Kunst sehen. Anders als in Deutschland hat Plakatkunst in Polen noch immer einen hohen Stellenwert und so zieren nicht die Gesichter der Darsteller die Ankündigungen der Kulturinstitutionen, sondern eines Künstlers eigene Interpretation des Inhalts. Das Zentrum der polnischen Plakatkunst ist Warschau, wo auch das erste und älteste Plakatmuseum der Welt zu finden ist. Die Sammlung ist so umfangreich, dass die 55.000 Plakate in Wechselaustellungen zu verschiedenen Themen präsentiert werden. In allen geraden Jahren findet außerdem die Internationale Biennale des Plakats statt, an der sich Künstler aus aller Welt beteiligen. Die prämierten Werke sind anschließend in einer besonders interessanten Ausstellung zu sehen. Postermuseum ul. St. Kostki Potockiego 10/16 02-958 Warszawa www.postermuseum.pl/

Umfrage: Julia Rieder

Foto: Harry Schnittger (Wanderdüne von Leba an der polnischen Ostseeküste)

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