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Kommentar

Arrogant in die Ausgangssperre: Ihr seid frei, ihr seid schuld

Die ersten Bundesländer folgen internationalen Beispielen, Bayern und das Saarland haben Ausgangssperren verhängt. Es ist kein Allheilmittel gegen Corona, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller am Freitagmorgen dem rbb. Aber auch nicht ausgeschlossen. Warum die Ausgangssperre eine gute, aber auch eine schlechte Idee ist. Und die Arroganz einiger allen schadet.

Arrogant in die Ausgangssperre: Menschen im Park.
Corona? Ach was soll es! Arrogant in die Ausgangssperre. Keine Rücksicht für ein bisschen Freiheit. Foto: imago images / Müller-Staufenberg

Mittwochabend, Mauerpark. Familiäre Grillpartys, Freunde im Sitzkreis, eine Yoga-Gruppe. Corona? Nicht hier, nicht an diesem Abend. In einer Stadt wie Berlin ist es schwer, die Leute zur Vernunft zu bewegen. Die antiautoritären Eltern, die der Meinung sind, da muss man eben durch. Die Party-Crowd, die ohne Zögern Joints und gerollte Geldscheine kreisen lässt, von Bier- und Luft-Flaschen ganz zu schweigen. Die Sportgruppen, die sich so wahnsinnig fit und fähig, Corona wegzustecken, fühlen. Die, die zu dumm oder zu schlau sind, um das Risiko für andere vernünftig zu bewerten.

Gerade sind wir an einem Punkt angelangt, an dem es tatsächlich ausnahmsweise mal um Verzicht geht. Ja, es gibt Fälle, in denen ein bisschen frische Luft und ein vernünftiger Spaziergang entscheidend für die mentale Gesundheit sind. In denen eine kurze Flucht aus den eigenen vier Wänden eine Notwendigkeit ist, um den Tag verkraften zu können. Diese Menschen sollen auch gern in den Park gehen, mit ein wenig Abstand, mit ein wenig Umsicht. Was es nicht braucht, ist diese bräsige Arroganz, dass schon nichts passieren wird. Dass man sich noch mit ein paar Freunden trifft, solange man mit diesen nur ein Bierchen aus Distanz trinkt (und diese Distanz dann nach der dritten Flasche doch weggeprostet hat). Dass man auf „Ach, wird schon nichts passieren“ baut.

Es geht derzeit ausnahmsweise mal jene an, denen es am besten geht. Die am mobilsten sind und am fittesten. Die die Wahl haben, nun einmal in ihrem Leben ein paar Wochen zurückzufahren, was ihnen das Leben sonst schenkt: Freiheit.

Arrogant in die Ausgangssperre: Herausforderung, draußen noch Spaß zu haben

Diese Horden von Menschen, die gerade noch einhergehend mit ein paar Sonnenstrahlen Parks und Cafés bevölkern, sind ein Schlag ins Gesicht für Menschen, die in der Medizin arbeiten oder im Lebensmittelhandel. Und für diejenigen, denen ihre Existenz wegbricht, weil alles abgesagt ist. Und die, die wirklich gefährdet sind und wegen der Idioten unter uns wirklich nicht mehr rausgehen.

Die, die in Corona, in den derzeitigen Einschränkungen, eine Art Herausforderung sehen und sich eine Freude daraus machen, draußen ihren Spaß zu haben, sind diejenigen, die am Ende für eine Ausgangssperre sorgen. Die es dann denjenigen versauen, die wirklich Luft brauchen. Die mal flüchten müssen von zuhause, ihren Kindern, ihrem Leben. Für ein paar blöde Bierchen in der Sonne. Für das Gefühl, sich nicht einschüchtern zu lassen. Aus welchen Gründen auch immer. Bleibt einfach daheim.


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