• Stadtleben
  • Ausstellung „On Water“ im Humboldt Labor: Rettet das Wasser!

Stadtleben

Ausstellung „On Water“ im Humboldt Labor: Rettet das Wasser!

Wasser ist Ressource, Kulturgut und Essenz des Lebens. Die Ausstellung „On Water“ im Humboldt Labor widmet sich dem fließenden Element in allen Facetten. Dabei betrachtet sie auch die Verhältnisse in Berlin – darunter die Forderung nach Grundrechten für die Spree bis hin zum Schwammstadt-Konzept

Tierpräparate, Kunstwerke und Pool-Action: Die Schau im Humboldt Labor geht eineme Grundelement auf die Spur. Foto: Humboldt-Universität zu Berlin/Humboldt Labor/Philipp Plum

Diese Ausstellung über ein Grundelement führt Laien sogar in Sphären jenseits der Erde. Staunenswert ist dabei zum Beispiel eine Wasserprobe vom Mars, jenem Planeten, der rund 300 Millionen Kilometer von unserer Terra Mater entfernt ist. In ein profanes Glas ist sie gefüllt. Das Nass besteht aus ganz viel Salz, Mineralien – und ist leblos. Mikroorganismen existieren darin also nicht; die Bedingungen auf dem Roten Planeten sind ja wenig artenfreundlich.

Die Probe ist Teil einer Ausstellung im Labor des Humboldt-Forums, einer Räumlichkeit im Mehrspartenhaus, in der naturwissenschaftlicher Erkenntnisdrang in den Blick genommen wird. Die Schau heißt „On Water – WasserWissen in Berlin“, und sie lässt es fließen und schütten, strömen und zirkulieren, blubbern und schmelzen. Ob im imaginären Sinn oder eben manchmal auch ganz konkret.

Jene Flüssigkeit, die als extraterrestrisches Gut erscheint, ist genau genommen eine Nachahmung. Eine Chemikerin aus der Region hat sie gemischt, getreu dem Stand der planetaren Forschung. Ganz so leicht wäre der verlustfreie Import einer H2O-Verbindung von einem fernen Himmelskörper ja nicht gewesen – auch wenn dort Mars-Rover der Nasa über die Oberfläche rangieren. 

Darum geht es letztlich in dieser Schau: zu demonstrieren, wie unentrinnbar diese Ressource ist. 

„On Water“ im Humboldt Labor: Eine Ressource, die unentrinnbar ist

Andere Entnahmen sind ebenso zu begutachten, aus Pfützen und anderen Vorkommen. Jenseits der Empirie, darunter Karten, Tabellen und Präparate (etwa verschiedenste Arten von Krebsen und Libellen), erhält das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zur transnationalen Aquaworld viel Aufmerksamkeit. Kunstinstallationen und dokumentarische Fotos, aber auch politische Dokumente, Tonaufnahmen und Alltagsgegenstände veranschaulichen die Beziehung. 

Dem menschlichen Interesse an Hydrokulturen ist am Ende eine ganze Wissenschaft zu verdanken. Franz Boas, der deutsch-amerikanische Universalgelehrte, ein Physiker, Geograph und Sprachwissenschaftler, wollte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die mannigfaltigen Farben jenes Elements benennen, das sich in Flüssen, Seen und anderswo sammelt. Doch der Anblick ließ sich nicht kategorisieren, zumal das optische Erscheinungsbild immer auch im Auge des Betrachters liegt. Jene Wissenschaft, die untersucht, wie sich der Mensch zu seiner irdischen Umgebung verhält, war geboren. Die Anthropologie.

Gletschermasse: Ein Relief der Alpen, das im 19. Jahrhundert gefertigt wurde, befindet sich in dieser Vitrine. Foto: Humboldt-Universität zu Berlin/Humboldt Labor/Philipp Plum

Wasser sichert unsere Existenz, eine Gesetzmäßigkeit, die umso mehr ins Bewusstsein rückt, wenn die ökologische Balance ins Wanken gerät. Im globalen wie im lokalen Maßstab. So adressieren die Ausstellungsmacher auch Handlungsimperative in Zeiten von Dürreperioden, Gletscherschmelzen und ansteigenden Meerspiegeln. In Berlin, der „steinernen Stadt“, die weitflächig versiegelt ist, könnte ein vieldiskutiertes Nachhaltigkeitskonzept den Horror des Klimawandels eindämmen. Gemeint ist die so genannte Schwammstadt. Auf unversiegelten Arealen soll mehr von der Essenz des Lebens ins Grundwasser sickern. 

Im Humboldt Labor geht es auch um Umweltaktivismus

Und ja, auch die umweltaktivistische Frage, ob die Natur eine Rechtsperson sein kann, wird zur Diskussion gestellt. Mit feierlichem Aplomb hängt im Humboldt Labor ein Gesetzesentwurf – mit Präambel und zehn Paragrafen. „Rechte für die Spree“, so lautet das Papier, das Berlins größten Strom mit Grundrechten ausstatten soll. Eine „Bill of Rights“, die Juristen der Freien Universität sowie unter anderem Leute der NGO „Green Legal Impact Germany“ entwickelt haben.

Ob eine solche Anwaltschaft bald auch Dahme und Havel zuteil wird? Nach dem Ausstellungsbesuch ist jedenfalls der Wille, fürs fließende Element die Stimme zu erheben, größer denn je.

  • „On Water – WasserWissen in Berlin“  Humboldt Labor, Schlossplatz, Mitte, bis 27. November, Mo, Mi, Do, Fr, Sa, So 10:30 – 18:30 Uhr, Eintritt frei

Mehr über Wasserwelten in Berlin

Ein Thema ist seit langem der Traum von einem Flussbad am Kupfergraben in Mitte. Mit PR-Aktionen wie etwa einem Schwimm-Event im dortigen Spreearm wird für das Anliegen geworben. Berlin ist überhaupt nah ans Wasser gebaut. Der Freizweitwert ist groß, es gibt viele schöne Orte am Wasser, ob am Grunewaldsee, am Ufer des Nordhafens oder entlang der Havel. Ein großes Problem sind indessen die stärker werdenden Trockenheitsperioden im Berliner Sommer. Längst versuchen Fachleute zu verhindern, dass Trinkwassermangel die Gesellschaft in Not bringt.

Berlin am besten erleben
Dein wöchentlicher Newsletter für Kultur, Genuss und Stadtleben
Newsletter preview on iPad