Stadtleben

Axel Cäsar Döpfner

Wenn man wie Mathias Döpfner jeden Tag aus großer Höhe auf diese Stadt schaut, kann einem schon mal schwindelig werden. Von der Aussicht natürlich, aber auch von messianischen Anwandlungen, die schon den Verlagsgründer Axel Cäsar Springer in regelmäßigen Abständen überkamen – etwa, als er glaubte, den Ostberlinern mit einem hässlichen Hochhaus auf dem Mauerstreifen Lust auf die Pressefreiheit machen zu müssen, die ja so frei bei ihm nie war. Jedenfalls sieht es momentan so aus, als sei beim aktuellen Springer-Chef, der ja auch rein körperlich in großer Höhe denkt, irgendetwas durcheinandergeraten – womöglich sind sogar Teile des Verlegermoduls beschädigt.

Wie anders kann man es sich erklären, dass Döpfner seine Verlegerkollegen unlängst aufforderte, jeden Tag vor Dankbarkeit auf die Knie zu fallen, um dem Apple-Chef Steve Jobs für die Erfindung des iPads zu danken. Nicht nur der wirren Haare wegen, mit denen Döpfner da am Rednerpult stand, fühlten sich langjährige Kenner des Springer-Kosmos an Axel Springer erinnert, der am Ende seines Lebens immer öfter in griechischen Höhlen saß, um auf die Erleuchtung zu warten und die Mediziner, die ihm helfen durften, von einer Wahrsagerin aussuchen ließ. Denn ausgerechnet im neuen Apple-Produkt den Quell betriebswirtschaftlicher Erlösung zu sehen – dazu kann einen eigentlich nur eine fast suizidale Stimmung treiben. Schließlich müssen die Verlage nicht nur 30 Prozent der Werbeeinnahmen an Apple abtreten, sie müssen zudem ihre Inhalte zensieren lassen: Nackte Frauen kommen schon mal nicht aufs iPad, was ja für den Herrn über Blut- und Busenpostillen wie „Bild“ und „B.Z.“ eigentlich ein Problem darstellen sollte. Würde sich Döpfner auch bei den Druckereien bedanken, die sich weigern, seine Sauereien zu drucken?

Arme Friede Springer: Dass sich ihr einstiger Mann nun so vollständig in Döpfner reinkarniert hat, war nicht abzusehen – und hoffentlich nimmt das kein schlimmes Ende. Vielleicht kann die „Merlin“-Application helfen: Das Blatt für „angewandten Okkultimus“ erschien 1948 im Springer-Verlag und könnte dringend eine Wiedergeburt auf dem iPad gebrauchen.

Mehr über Cookies erfahren