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Mundschutz

Corona in Berlin: Das sind die Menschen hinter dem Masken

Immer mehr Menschen tragen wegen Corona Masken: Der tip war unterwegs in der Stadt – und im Netz – und hat maskierte Berliner*innen über ihren Gesichtsschutz befragt. Denn wenn wir trotz Corona-Zeiten wenigstens halbwegs unser altes Leben wieder zurück haben wollen, sind an einigen Orten Gesichtsmasken wohl unumgänglich.

Zwar reichen die industriell hergestellten Atemschutzmasken derzeit bei weitem noch nicht aus, doch Berlins Designer*innen und Schneider*innen sowie alle, die einigermaßen Nadel, Faden oder wenigstens eine Schere halten können, haben mit der Anfertigung von textilen Mund-Nasen-Bedeckungen ein neues Betätigungsfeld gefunden.

Ele und Roland

Viele Menschen in Berlin tragen Masken um sich vor Corona zu schützen.
„Unsere Masken habe ich aus aus Jeansstoff selbst genäht, weil wir beide Jeans so lieben“ – Foto: Privat

„Aufgrund einer chronischen Erkrankung gehöre ich zur Corona-Riskogruppe und darf mich nicht infizieren. Roland muss als Ehemann, Begleiter und Pfleger gesund bleiben, um für mich da sein zu können. Wir tragen Maske also der Liebe wegen. Allerdings gehen wir höchstens einmal die Woche raus, weil der bei uns nahe gelegene Weinbergspark auch unter der Woche so voll ist, wie noch nie. Keine Parkbank ist frei und an die Abstandsregeln hält sich in Mitte und Prenzlauer Berg auch fast niemand. Unsere Masken habe ich aus aus Jeansstoff selbst genäht, weil wir beide Jeans so lieben. Ist aber eher eine Winter-Variante, weil gefüttert und deshalb ganz schön warm. Die ungefütterte Sommer-Variante ist zwar angenehmer zu tragen, aber erinnert wohl eher daran, dass der Urlaub dieses Jahr ins Wasser fällt.“ 


Jan, 45, und David, 49, beide Schriftsteller

David trägt eine dreilagige Atemschutzmaske aus Vlies, eine echte OP-Maske.
„David trägt eine dreilagige Atemschutzmaske aus Vlies, eine echte OP-Maske“ – Foto: Jan Brandt

„Ich trage eine Maske aus Baumwolle, die die Schriftstellerin Kirsten Fuchs aus einem alten, gemusterten Bettlaken genäht hat. David trägt eine dreilagige Atemschutzmaske aus Vlies, eine echte OP-Maske. Wegen seiner  Autoimmunerkrankung ist er besonders vorsichtig, was den Aufenthalt im Freien angeht und trägt auch dort eine Maske. Ich nur, wenn ich einkaufen gehe oder Bahn fahre oder mich mit Leuten draußen längere Zeit unterhalte. Ich finde es eigentlich ganz angenehm, mit diesem Schutz durch die Welt zu gehen. Und gleichzeitig ist es ein Accessoire unserer Zeit, eine Mode, die uns zwingt, unserer Dasein zu hinterfragen.“ 


Mahide, 70, feministische Kulturvermittlerin

Mahnte Lein: Eine andere Maske habe ich mir aus den Seitentaschen meines Overalls, ebenfalls ein typischer Look von mir, genäht.
„Meine Maske mit Leoparden-Print habe ich selbst genäht“ – Foto: Barbara Colloseus

Meine Maske habe ich selbst genäht. Sie besteht aus einer Stoffhülle im Leoparden-Print, quasi mein Erkennungsmuster, darunter ist eine austauschbare Kaffeefiltertüte eingearbeitet. Eine andere Maske habe ich mir aus den Seitentaschen meines Overalls, ebenfalls ein typischer Look von mir, genäht. Das ergibt farblich ebenfalls ein stimmiges Bild. Derzeit unterbreche ich mein Workaholic-tum – zwangsläufig – etwas. In der Ruhe liegt die Kraft. Ich schaffe es sogar, mit mir selbst laut zu lachen, esse täglich 380 Gramm Eiscreme und bin jetzt meine eigene Domina.“


Iris, 46, Journalistin

Meine Maske ist von der Designerin Stefanie Ostwald
„Meine Maske ist von der Designerin Stefanie Ostwald“ – Foto: Privat

„Meine Maske ist von der Designerin Stefanie Ostwald, die sonst eigentlich ganz tolles Kinderspielzeug entwirft. Beim Schnitt und der Anfertigung ihrer Masken hat sich Stefanie an den Besuchermasken der Charité orientiert, es gibt zum Beispiel einen Einsatz in der Maske, wo ein zusätzliches Flies eingezogen werden kann. Und die Option, noch eine Metallklammer einzubringen, um die Maske an der Nase richtig fest zu drücken Die Masken kann jeder für 15 Euro über [email protected] kaufen oder samstags an ihrem Stand auf dem Markt am Kollwitzplatz.“


Natalia, 44, Set-Garderobiere, und Petra, 72, Rentnerin

Wenn ich in Berlin mit meiner Mutter unterwegs bin, setze ich die Maske natürlich ebenfalls auf: Um sie vor mich zu schützen.
Petra: „Meine Maske habe ich aus einer alten Küchenschürze genäht“ – Foto: Eva Apraku

Natalia: „Meine Maske hat meine Freundin Marie schon vor längerer Zeit genäht, sie arbeitet ebenfalls in der Filmkostümbranche. Bislang habe ich die allenfalls mal beim Einkaufen getragen. Wenn ich, wie jetzt, aber mit meiner Mutter unterwegs bin, setze ich die natürlich ebenfalls auf: Um sie vor mich zu schützen.“

Petra: „Meine Maske habe ich aus einer alten Küchenschürze genäht, die ich nie getragen habe. Außerdem habe ich noch eine aus den Ärmeln eines alten Nachhemdes genäht. Ich trage die Masken beim Einkaufen oder wenn ich mit der BVG unterwegs bin. Meine Tochter ist ja meistens mit dem Fahrrad, da braucht sie keine Maske.“


Martin, 62, Frührentner

Nun hat mir eine Freundin diese Maske genäht. Denn medizinische Masken bekomme ich nicht gestellt
„Eine Freundin hat mir diese Maske genäht“ – Foto: Eva Apraku

„Wegen meiner schweren Krebserkrankung nebst ständiger palliativer Behandlung war ich eine Ewigkeit so gut wie gar nicht draußen. Nun hat mir eine Freundin diese Maske genäht. Denn medizinische Masken bekomme ich nicht gestellt, obwohl ich jedes Wochenende ins Krankenhaus muss. Wissen Sie übrigens, wer meine wahren Held*innen sind: Die Putzkräfte in den Krankenhäusern, die alles sterilisieren müssen, selber aber nicht durch Schutzkleidung geschützt sind. Über die spricht niemand.“


Wagner, 53, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Ballhaus Naunynstraße

Im April habe ich cirka 20 Masken genäht und 15 davon an Freund*innen verschenkt.
„Als 17-Jähriger habe ich das Nähen von meiner Tante in Brasilien gelernt“ – Foto: Wagner Carvalho

„Meine Maske habe ich selbst genäht. Als 17-Jähriger, lang her, hat meine Tante Célia, die eine super Schneiderin in Belo Horizonte, Brasilien, war, mir das Nähen beigebracht. Somit konnte ich sogar mein Kostüm für das Theaterstück „Bailei na Curva“ damals selbst machen. Im April habe ich cirka 20 Masken genäht und 15 davon an Freund*innen verschenkt. Seit zwei Wochen nehme ich immer drei Masken überall mit hin und komme damit ganz gut klar.“


Sigrid, 46, Diplom-Designerin und  Fachkraft für kulturelle Bildung 

Als Upcycling-Designerin ist es mir wichtig, unseren Müll zu reduzieren, indem wir daraus schöne und praktische Dinge gestalten.
„Meine Maske habe ich aus einem alten T-Shirt selbst gemacht“ – Foto: Johann Münzberg

„Ich habe bereits Anfang März angefangen, eine Maske zu tragen. Damals, es war noch kaum jemand mit einem solchen Teil unterwegs, wurde ich von vielen Menschen teils feindselig beäugt. Meine Maske habe ich aus einem alten T-Shirt selbst gemacht. Als Upcycling-Designerin ist es mir wichtig, unseren Müll zu reduzieren, indem wir daraus schöne und praktische Dinge gestalten.

Normalerweise biete ich Workshops an, wo Teilnehmende lernen, mit vorhandenen Mitteln selbst kreativ zu werden. Wer meine Maske nachmachen will, findet unter „DIY Anleitung: Upcycling Mund-Nasen-Maske – ohne zu nähen“ die Anleitung auf meinem Youtube-Kanal „SeKUNDÄR-SCHiCK“. Ich verkaufe aber auch fertige Masken. Wenn wir alle Masken tragen, auch wenn es „nur“ selbst gemachte sind, können wir erheblich dazu beitragen, viele Übertragungswege für Krankheiten zu vermindern. Es ist vor allem ein Akt der Solidarität. Wobei eine Maske zusätzlich auch ein modisches Statement sein kann, ein originelles Accessoire mit einer besonderen Botschaft.“


Franz, 58, Buchhändler

Viele Menschen in Berlin tragen Masken um sich vor Corona zu schützen.
„Diese Maske in Regenbogenfarben verkaufen wir auch in unserem queeren Buchladen Prinz Eisenherz“ – Foto: Franz Brandmeier

„Eigentlich trage ich bislang noch sehr selten eine Maske, aber ich habe immer eine dabei, um sie gegebenenfalls aufzuziehen. Auch, damit andere Leute sich sicherer und besser fühlen. Diese Maske in Regenbogenfarben verkaufen wir auch in unserem queeren Buchladen Prinz Eisenherz. Die ist der Renner, nach jeder Lieferung innerhalb einer Stunde ausverkauft. Die Hersteller, die Firma Rudi & Andi, fertigen sonst eigentlich Leder-Outfits für schwule Männer. Ihre Masken gibt es auch noch in anderen Designs. Sie sind doppellagig und 20 Prozent des Verkaufspreises von 12,50 Euro geht an die LSBTIQ*-Bildungs­stätte Wladschlösschen in Reinhausen bei Göttingen.“

Alle Statements zusammengetragen von Eva Apraku

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