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Berlin, das Paradies für Start-ups und wie sie sich finanzieren können

Berlin, nicht nur Hauptstadt der Republik, sondern auch Hauptstadt der Start-ups in Europa

Foto: pixabay @ PeterDargatz (CCO Public Domain)

Berlin ist nicht nur Bundeshauptstadt, Berlin ist auch die Hauptstadt der Start-ups in Europa, gefolgt von London auf Platz zwei, Stockholm und Paris auf Platz drei und vier und Hamburg auf Platz fünf. Stündlich entstehen vier bis fünf Start-ups in Berlin. Investoren vertrauten den Gründern in Berlin im Jahr 2015 2,1 Milliarden Euro an, für ganz Deutschland gab es 3,1 Milliarden Euro. Die Dichte an Förderprogrammen ist nirgends sonst so hoch. Wer in Berlin gründet, hat vielfältige Möglichkeiten auf individuelle Unterstützung, finanzielle Förderung und individuelle Beratung. Das bedeutet allerdings nicht, dass für Gründer in Berlin finanziell gesehen paradiesische Zustände herrschen. Der Geldsegen ist unter den Gründern ungleich verteilt. Von 371 Start-ups, die Risikokapital erhielten, bekamen nur ca. 50 Beträge in zwei- oder dreistelliger Millionenhöhe. Das Geld kommt nicht von staatlichen Stellen. Meist handelt es sich um institutionelle Geldgeber, wie Versicherungen, Versorgungswerke oder wohlhabende Business Angels oder privaten Stiftungen, die das Geld von Unternehmerdynastien verwalten.

Gründen mit geringem Startkapital

Nicht alle Start-ups brauchen von Anfang an ein hohes Gründungskapital. Gerade im Dienstleistungsbereich, wo es keine Produktion gibt und damit keine Produktionskosten, ist der Finanzierungsbedarf für eine Unternehmensgründung eher gering. Viele Gründer versuchen sich hier mit Bootstrapping, der sparsamen Gründung aus Eigenmitteln. Beliebt ist es in solchen Fällen auch, dass Familienangehörige oder Freunde finanziell unter die Arme greifen, bis das Geschäft läuft. Manchmal braucht es auch einfach nur eine ganz kurzfristige Finanzierungshilfe. Interessenten finden bei Vexcash die Möglichkeit, relativ kleine Geldbeträge innerhalb kürzester Zeit zu leihen, um beispielsweise die Zeit bis zum Monatsende zu überbrücken – einen Kleinstkredit mit einer sehr kurzen Laufzeit von einem Monat oder weniger. Das verschafft Zeit und eröffnet Handlungsspielraum.

Unternehmensanteile verkaufen – Selbstbestimmung aufgeben?

Anders sieht es bei der Kapitalbeschaffung durch den Verkauf von Unternehmensanteilen aus. Hierbei geben die Gründer einen Teil der Kontrolle an die Kapitalgeber ab. Im Fall von Venture Capital kann dies zu deutlichen Einschränkungen der Handlungsfreiheit führen. Einen Teil der Verantwortung an eine dritte Partei abzugeben, kann auch Vorteile haben. Wer einen Business Angel als Finanzierungspartner für sein Projekt findet, bekommt neben dem gewünschten Kapital häufig auch Beratung durch einen erfahrenen Unternehmer. In manchen Fällen, wenn der Kapitalbedarf sehr hoch ist, ist häufig keine andere Finanzierungsmöglichkeit zu finden.

Innovativ mit der Crowd finanzieren

Eine noch recht junge Idee, sein Start-up zu finanzieren, ist das Crowdfunding. Dabei haben sich spezielle Crowdfunding-Plattformen im Internet etabliert. Vom Prinzip her ist es ganz einfach. Der Gründer stellt auf der Crowdfunding-Plattform seine Geschäftsidee vor und versucht, möglichst viele Menschen von seiner Idee zu überzeugen, damit diese ihm Geld zur Verfügung stellen. Kommt dabei ausreichend Geld zusammen, lässt sich die Idee ohne finanzielles Risiko für den Gründer realisieren. Er hat das Geld bereits und auch einige Menschen hinter sich, die von seiner Idee überzeugt sind. Aus diesem Grund ist bei Crowdfunding-Projekten die Insolvenz-Rate fast null. In Deutschland ist diese Form der Start-up-Finanzierung noch nicht sehr weit verbreitet.

Neben dem Crowdfunding gibt es auch das Crowdinvesting als Finanzierungsalternative. Dabei kaufen viele kleine Anteilseigner Firmenanteile, binden sich mehrere Jahre an das Start-up und haben das volle Risiko. Der PR-Effekt des Crowdinvesting ist nicht zu unterschätzen, wenn die neuen Gesellschafter ihre Aktivitäten über Social Media kommunizieren. Bei den Verträgen mit vielen kleinen Anteilseignern ist es wichtig, auf ein Stimmenpooling wert zu legen. Damit vermeiden die Unternehmer in der Zukunft die Verhandlung mit vielleicht Hunderten von Anteilseignern und deren Einzelverträgen, wenn zu einem späteren Zeitpunkt ein Corporate Investor oder ein Wagniskapitalgeber einsteigen möchte.

Der Klassiker – die Hausbankfinanzierung

Foto: pixabay @ Geralt (CCO Public Domain)

Es geht auch ganz klassisch: die Gründungsfinanzierung mit der Hausbank und einem Kredit über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Programme wie Startgeld oder der ERP-Gründerkredit, die durch eine Garantie möglich sind, ermöglichen in vielen Fällen die Gründung. Diese beiden Programme stellen dem Unternehmer genügend Kapital zur Verfügung, um die Geschäftsidee zu realisieren. Die Zinsen sind sehr günstig und die ersten ein oder zwei Jahre lassen sich tilgungsfrei stellen, sodass die Liquidität in der Anfangszeit nicht durch hohe Ratenzahlungen belastet ist. Ein weiteres Merkmal ist eine 80%ige Haftungsfreistellung der Hausbank, wodurch die Kreditgewährung vereinfacht ist. Das Startgeld gibt es bis zu einer Höhe von 100.000 Euro. Mit dem ERP-Gründungskredit lassen sich auch größere Projekte realisieren. Hier liegt die Kreditsumme bei maximal zehn Millionen Euro. Die KfW ist ein wichtiger Partner sowohl bei der Gründung, als auch bei der Erweiterung der Geschäftsaktivitäten.

Gute Vorbereitung hilft bei der Überzeugungsarbeit

Auf die Verhandlungen mit den Kapitalgebern, egal ob eine Bank, Business Angels oder die Crowdfunding-Plattform, können sich Gründer gezielt vorbereiten.

  • Ein ausführlicher Businessplan hilft dabei, die Kapitalgeber zu überzeugen, vor allem gibt er dem Gründer Gelegenheit, sich sehr intensiv mit allen Facetten seiner Unternehmensgründung auseinanderzusetzen. Um erstes Interesse zu wecken, ist eine einseitige Zusammenfassung zum „Anfüttern“ sehr hilfreich. Zum Erstellen eines guten Businessplans bietet das Existenzgründerportal des BMWi viele hilfreiche Tipps und Vorlagen an.
  • Die Geschäftsidee innerhalb einer angemessenen Zeit von maximal zehn Minuten zu präsentieren können Gründer üben. So sind sie bestens vorbereitet, die Präsentation hält sich zeitlich im Rahmen und sie sind auf eventuelle Fragen der Zuhörer gut vorbereitet.
  • Mit einem durchdachten Gesellschaftsvertrag bedeuten Teamwechsel nicht das Aus für die Gesellschaft, sondern Motivation für die Mitarbeiter und Eindruck bei den Investoren.
  • Ein gutes Kontaktnetzwerk, das aus Beratern, Business Angels, anderen Gründern und Bankern besteht, kann wertvolle Tipps liefern und den Kontakt herstellen in die Branche und für eine Finanzierung.

Fazit

In Berlin ist das Angebot an Hilfen für Start-ups wesentlich größer als im Rest der Republik. Das Gründungsklima ist günstig. Dennoch müssen sich Gründer auch hier im Klaren darüber sein, was sie für ihr Unternehmen wollen. Wer operativ und auch anteilsmäßig die Kontrolle behalten möchte, für den kommen nur Bankkredite, die Finanzierung durch Freunde oder Familie, Crowdfunding und öffentliche Zuschüsse infrage. Kommt mehr Geld ins Spiel, insbesondere bei Venture Capital oder Corporate Ventures, ist die Handlungsfreiheit zum Teil sehr stark eingeschränkt.

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