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Berlin verstehen

12 Berliner Erfindungen: Von Litfaßsäule bis Kondom

Schon bevor pfiffige Start-up-Gründer*innen nach Berlin kamen, war der Erfindergeist groß. Dass der Döner und die Currywurst Berliner Erfindungen sind, das wissen noch die meisten. Doch auch viele andere Dinge, die heute teilweise weltweit verwendet oder verkauft werden, waren die Ideen von Berliner*innen. Hier sind 12 Dinge, die in Berlin erfunden worden sind.


Das nahtlose Gummikondom

Das Gummikondom, eine der vielen Berliner Erfindungen
Eine Berliner Erfindung aus dem Jahr 1914: Das nahtlose Gummikondom.
Foto: Imago Images/blickwinkel

1914 experimentierte Julius Fromm, Betreiber eines Werkstattgeschäfts für Parfumerie- und Gummiwaren im Prenzlauer Berg, mit Gummilösung und einem Glaskolben und erfand dabei das nahtlose und transparente Kondom aus Naturkautschuk. Zwei Jahre später gründete er die Firma Fromms Act GmbH und brachte damit das erste Markenkondom der Welt auf den Markt. Das Wort Kondom geht übrigens angeblich auf den Hofarzt Dr. Condom des englischen Königs Charles II. (regierte 1660-85) zurück, der Hammeldärme zur Empfängnisverhütung empfohlen haben soll.


Der Pappteller

Pappteller
Auch für andere Zwecke praktisch: Pappteller.
Foto: Imago Images/Westend61

Wie wurden früher Lebensmittel verpackt? Oft in Zeitungen, doch das war einerseits unappetitlich und andererseits durch die Druckerschwärze nicht besonders gesund. 1867 gelang es dem Luckenwalder Buchbinder Hermann Henschel, den weltweit ersten Pappteller herzustellen. Der Teller war weiß, mit gewelltem Rand und wurde schon bald darauf von Henschel in einer Papierwarenfabrik in Serie produziert.


Die Ohropax

Ohropax sind eine Berliner Erfindung
Die Ohropax: Eine Berliner Erfindung und echte Retter in der Not.
Foto: Imago Images/teutopress

Je mehr Industrie sich in der Stadt ansiedelte, desto lauter wurde sie. Eine Fabrik gründete 1907 auch der Schlesier Maximilian Negwer in Berlin. Dort wurden Parfüms, Cremes und andere pharmazeutische und kosmetische Produkte hergestellt. Inspiriert von der Antiken Sage des Odysseus, der seinen Seemännern als Schutz vor den bezaubernden Sirenen die Ohren mit Wachs verschloss, erweiterte Negwer seine Produktpalette um Kügelchen aus Wachs und Baumwolle, die vor Lärm schützen sollten, und nannte sie Ohropax. „Pax“ bedeutet im lateinischen „Frieden“. 1911 wurden Ohropax dann als Marke eingetragen. 80 Jahre später zog der Betrieb nach Wehrheim/Taunus und wird bis heute von Maximilian Negwers Enkel, Michael Negwer, geführt.


Die Litfaßsäule

Manchmal auch als Ort für Kunst genutzt, Litfaßsäulen. Diese hier steht in Krezberg.
Foto: Imago Images/Bildgehege
Manchmal auch als Ort für Kunst genutzt, Litfaßsäulen. Diese hier steht in Krezberg.
Foto: Imago Images/Bildgehege

Am 1. Juli 1855 ließ der Druckereibesitzer und Verleger Ernst Liftaß die ersten Litfaßsäulen in Berlin aufstellen. Von nun an hingen Informationen und Ankündigungen nicht mehr an Häusern und Bäumen, sondern sorgfältig an den Säulen, die damit zunächst Teil des Berliner Stadtbilds wurden und sich dann deutschlandweit ausbreiteten.


Die Thermoskanne

Thermoskanne ist eine Berliner Erfindung
Der warme Tee an kalten Tagen ist durch diese Berliner Erfindung, die Thermoskanne, sicher. Foto: Imago Images/Westend61

Der Glastechniker Reinhold Burger hatte eigentlich den Auftrag, für einen Eismaschinenfabrikant einen Behälter zum Transport verflüssigter Luft herzustellen. Dabei stellte er im Jahr 1903 fest, dass sich in dem von ihm erfundenen Behälter auch heiße Flüssigkeiten aufbewahren lassen, ohne schnell wieder kalt zu werden.


Das Fürst-Pückler-Eis

Berliner Erfindungen gehen auch kulinarisch: Fürst-Pückler-Eis
Fürst-Pückler-Eis: Hier als Eistörtchenversion. Foto: Imago Images/imageborker

Das Rezept für die geschichtete Eisspezialität aus Schoko, Vanille und Erdbeereis wurde 1839 vom preußischen Hofkoch Louis Ferdinand Jungius niedergeschrieben. Er widmete es dem Landschaftsarchitekten und Reiseschriftsteller Hermann von Pückler-Muskau. In den besten Eisdielen Berlins findet ihr auch ausgefallenere Sorten wie Olivenöl-Eis, Lakritz und Popcorn.


Radioaktive Zahncreme

Radioaktive zahncreme ist eine seltsame Berliner Erfindung
„Für strahlend weiße Zähne“: Die radioaktive Zahncreme von Doramad. Foto: Wikimedia Commons/Suit

Während viele der hier erwähnten Berliner Erfindungen die Welt ein Stückchen besser gemacht haben, kann man froh sein, dass es die Mitte des 20. Jahrhunderts auf den Markt gebrachte Zahnpasta „Doramad“ nicht mehr zu kaufen gibt. Sie enthielt die radioaktive Substanz Thorium-X und versprach strahlend weiße Zähne. Nachdem nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki klar war, wie Radioaktivität auf den menschlichen Körper wirkt, wurde sie vom Markt genommen.


Das Sandmännchen

Sandmännchen mit Mundschutz. Die Figur wurde in Berlin erfunden
Ein Sandmännchen mit Mundschutz. Foto: Imago Images/Karina Hessland

Im November 1959 war das Sandmännchen zum ersten Mal auf ostdeutschen Fernsehbildschirmen zu sehen. Hierfür kreierte der Regisseur und Puppenbildner Gerhard Behrendt für den Deutschen Fernsehfunk die Kultfigur, die bis heute Kindern eine gute Nacht wünscht. Das zugehörige Sandmann-Lied wurde von Wolfgang Richter komponiert. In der ersten Folge schlief das Sandmännchen auf einer Straße ein, woraufhin beim DFF Briefe eingingen, die der Schlafmütze ihr Bett anboten.


Der Grillwalker

Eine von vielen Berliner Erfindungen: der mobile Grill
Gehören mittlerweile neben Tourist*innen zum Alexanderplatz: Die Würstchenverkäufer mit Grillwalker. Foto: Imago Images/Florian Schuh

Bertram Rohloff verlor 1998 seinen Job. Der ehemalige Empfangschef eines Hotels wollte sich daraufhin mit einem Imbissstand selbständig machen, doch er bekam keine Standgenehmigung, was ihn auf die Idee des mobilen Grills brachte. Heute sieht man sowohl in Berlin als auch in anderen Städten Grillwurstverkäufer*innen, die sich von dem Geschäftsmann einen rund 20 Kilo schweren, patentierten Propangas-Grill gemietet oder gekauft haben.


Das Bioskop

Berliner Erfinder: Die Gebrüder Skladanowsky.
Foto: Wikimedia Commons/Unbekannter Fotograf
Die Gebrüder Skladanowsky. Foto: Wikimedia Commons/Unbekannter Fotograf

Das Schauen von kurzen Filmsequenzen spielte sich vor 1895 primär auf Jahrmärkten ab. Im selbigen Jahr revolutionierten die Brüder Max und Emil Skladanowsky die Filmwelt: Sie zeigten am 1. November 1895 im damaligen Berliner Wintergarten südlich des heutigen Bahnhofs Friedrichstraße in Mitte erstmals kurze Filmausschnitte vor einem zahlenden Publikum. Dafür verwendeten sie einen von ihnen erfundenen Projektionsapparat, das Bioskop, der 54-Millimeter-Film in zwei Filmschleifen verwendete. Im Jahr 2010 wurde Max Skladanowsky für seine Pionierleistung mit einem Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin geehrt.


Die elektrische Straßenbahn

Die erste elektrische Straßenbahn fährt durch Lichterfelde. Erfunden wurde sie natürlich in Berlin.
Foto: Wikimedia Commons/ Siemens Corporation
Die erste elektrische Straßenbahn fährt durch Lichterfelde. Foto: Wikimedia Commons/ Siemens Corporation

Im Mai 1881 rollte die erste elektrische Straßenbahn probeweise mit einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern durch Lichterfelde bei Berlin. Gebaut hat sie Werner von Siemens. Zwei Jahre später fuhr sie regelmäßig zwischen der Preußischen Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde West und dem Bahnhof Lichterfelde hin und her. Das waren die Anfänge der Straßenbahn, heute verfügt Berlin über das größte Straßenbahnnetzwerk Deutschlands.


Der Berliner Pfannkuchen

Die älteste der Berliner Erfindungen auf der Liste: Berliner Pfannkuchen.
Foto: Imago Images/Panthermedia
Die älteste der Berliner Erfindungen auf der Liste: Berliner Pfannkuchen.
Foto: Imago Images/Panthermedia

In vielen Teilen Deutschlands ist er als „Berliner“ bekannt, in Österreich und Bayern als „Krapfen“ und in Berlin eben als „Pfannkuchen“. Erfunden wurde er im Jahr 1756 von einem Berliner Zuckerbäcker, der eigentlich Kanonier unter Friedrich dem Großen werden wollte, sich aber als wehruntauglich herausstellte. Er bekam dort aber das Angebot, als Feldbäcker beim Regiment zu bleiben und schuf zum Dank eine kanonenkugelförmige Süßspeise, die er in mit Fett gefüllten Pfannen frittierte, weil kein Backofen zur Verfügung stand.


Mehr Berlin verstehen

Wenn ihr jetzt Hunger auf Pfannkuchen bekommen habt, empfehlen sich diese 12 richtig guten Bäckereien. Aber auch für die beiden hier nicht erwähnten, weil allgemein bekannten Berliner Erfindungen Döner und Currywurst haben wir einige Tipps.

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