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Berliner Freibäder und Online-Tickets: Badespaß – aber nicht für alle?

Die Freibadsaison ist der Corona-Pandemie bisher nicht zum Opfer gefallen. Immer mehr Berliner Freibäder öffnen die Türen für Badegäste. Zur Freude aller städtischen Wasserratten. Großes ABER: natürlich läuft es diesen Sommer nicht wie gewohnt. Um die Einhaltung der Abstandsregeln und Hygieneauflagen zu garantieren, können Tickets nur vorab online und für ein bestimmtes Zeitfenster gekauft werden. Ein System, das manche Kund*innen benachteiligt?

Volle Becken in den Berliner Freibädern – wie hier in Kreuzberg? Diesen Sommer nicht – und wenn nur mit Online-Tickets. Foto: imago images/Contini
Volle Becken in den Berliner Freibädern – wie hier in Kreuzberg? Diesen Sommer nicht – und wenn nur mit Online-Tickets. Foto: imago images/Contini

Ins Freibad kommt, wer online ein Ticket für ein bestimmtes Berliner Freibad für ein bestimmtes Zeitfenster gebucht hat. Maximal eine Woche vorab können können Kund*innen bis zu fünf Tickets erwerben. Bereits mit der Eröffnung der ersten Freibäder schrieben uns Leser*innen, die Sorge hatten, dass Tickets schon früh aufgekauft und dann an heißen Sommertagen zu einem höheren Preis im Internet weitervertickt werden könnten. Zu einem Schwarzmarkt für Freibadtickets ist es bisher nicht gekommen, auch, weil diese personalisiert sind. Denn jeder Badegast muss seinen Namen und seine Kontaktdaten für eine potenzielle Rückverfolgung angeben.

Kostenloser Eintritt für Kleinkinder in Berliner Freibäder?

Darin liegt wiederum der Ausgangspunkt für andere Probleme. Zum einen verteuert sich der Schwimmbadbesuch für Familien mit Kleinkindern. Konnten Kids unter fünf Jahren sonst immer umsonst rein, muss für sie auf Grund der Registierungspflicht jetzt auch ein Ticket für 3,80 Euro erworben werden. Laut Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe (BBB), war dies ursprünglich anders geplant.

Zwei Modelle habe man zu Beginn der Saison ausprobiert, um den Kleinsten freien Eintritt zu ermöglichen. Doch es kam zu Missbrauch und viele Leuten kamen doch nicht, die Plätze waren aber für andere blockiert. „Wir arbeiten gerade an einer technischen Lösung, wie wir den Eintritt für Kinder unter fünf Jahren kostenlos oder zumindest deutlich vergünstigt ermöglichen können“, sagt der Sprecher.

Die Freibadsaison läuft nur mit dem Online-Ticketsystem

Zum anderen schließt das Online-Ticketverfahren all diejenigen aus, die mit digitalen Plattformen nicht umgehen können, kein Paypal-Konto oder keine Kreditkarte karten. Das sei eine Sondersituation unter Pandemiebedingungen, betont Oloew, dies sei keine normale Sommersaison. Und er gibt zu: “ Zur hundertprozentigen Zufriedenheit aller Kund*innen können wir das nicht lösen“. Eine Extra-Kasse für diese Menschen zu öffen, wäre wenig sinnvoll. Denn wenn das Ticketkontingent ausverkauft ist, bräuchten sie sich gar nicht erst auf den Weg machen. Außerdem könnten Schlangen vor den Kassenhäusschen entstehen und gerade diese Art von Menschenansammlung gälte es in Zeiten der Pandemie dringend zu vermeiden, gibt Oloew zu Bedenken.

Wenn die Berliner Bäder die Einhaltung der Abstandsregel nicht mehr garantieren können, müssen alle Freibäder wieder schließen – die Freibadsaison wäre damit dieses Jahr gelaufen. Um das zu verhindern, müssen die Badegäste mitmachen.

Vorerst kein Rückgabesystem – Appell zur Rücksicht

Das betrifft auch diejenigen, die eine BäderCard besitzen. Diese garantiert ihnen eigentlich eine Schwimmbad-Flatrate. Wegen der Pandemie ist dies nicht drin. Unter den aktuellen Bestimmungen könne BäderCard-Inhaber allerdings fünf Tickets für die Woche kostenfrei buchen. Da wurde der Vorwurf laut, dass die Inhaber mehrere Plätze blockieren und letztlich nur dann ins Bad gehen, wenn auch das Wetter gut sei.

Wäre hier ein Onlinesystem für die Rückgabe bzw. Termintausch der Tickets nicht sinnvoll, auch wenn man aus anderen Gründen nicht kann? Laut dem Sprecher sei der Verwaltungsaufwand dafür enorm und stünde in keinem Verhältnis zu dem Umsatz. „Wir bitten darum, sich Freikarten nur dann zu besorgen, wenn Sie auch sicher sind, dass sie schwimmen gehen. Seien sie solidarisch mit anderen Menschen, die auch Bäder besuchen wollen“, appelliert Oloew.

In dieser Freibadsaison müssen wir auf jeden Fall Kompromisse eingehen. Das bedeutet auch, wenn das Lieblingsbad ausgebucht ist, ein anderes der vielen Berliner Freibäder aufzusuchen. Gerade Fans der beliebten Kreuzberger und Neuköllner Sommerbäder müssen wohl öfter in den sauren Apfel beißen. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Freibäder sonst komplett geschlossen sein könnten, ist dieser vielleicht nicht allzu schwer zu ertragen.


Freibad trotz Corona-Pandemie

Welche Bäder haben geöffnet und wie läuft der Freibadbesuch ab? Wir erklären es euch. Noch Fragen offen? Dann schaut in den Frage-Antwort Katalog der Berliner Bäder-Betriebe. Und wenn die Sonne knallt, aber es keine Tickets mehr gibt – dann erfahrt hier alles über die besten Badessen in und um Berlin.

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