Stadtleben

Berliner Marktwirtschaft

MaybachTürkenmarkt
Orientalisches Ufer an Berliner Gewässer: Am südöstlichen Ende des Marktes swingt eine Gruppe junger Musiker in Hippie-Klamotten. Einige Dutzend Leute sitzen oder stehen um sie herum und wippen zum lässigen Swing, ein Hut für Spenden wird herumgereicht. Seit Neukölln zum angesagten Bezirk avanciert ist, hat der Markt am Maybachufer eine hochinteressante Besuchermischung. Türkische und arabische Familien drängen sich neben Hipstern in Röhrenjeans und Oversized-Cardigans und neugierigen Touristen. Bei schönem Wetter ist da kaum ein Durchkommen. Der Türkenmarkt bietet vor allem Produkte aus dem Mittelmeerraum, Brot, süßes Gebäck, Schafskäse und Gewürze. Obst und Gemüse gibt es oft zu besonders günstigen Preisen, die engagierte Marktleute lautstark verkünden. Eine farbenfrohe Bereicherung des Angebots sind die vielen Stände mit Stoffen und Kurzwaren. Vom gemusterten Kopftuchstoff bis zum Kunstleder ist alles dabei. Nebenan stapeln sich Bordüren, Knöpfe und kleine Dosen mit buntglitzernden Pailletten. Vor oder nach dem Einkauf lohnt sich ein Stopp an einem der internationalen Imbissstände. Neben orientalischen Snacks wie Falafel, Gözleme oder Sesamkringeln werden auch afrikanische Snacks, karibische Kakaogetränke oder Trink-Kokosnüsse angeboten. Wer einfach nur zum Leute gucken und Milchkaffee-Schlürfen vorbeischaut, kann das am besten auf der Terrasse der Ankerklause direkt an der Kottbusser Brücke tun. An deren anderem Ende lassen die meisten Besucher auch gleich ihre Räder stehen, denn Park- und Stellplätze sind knapp.

Fazit: Der Kreuzköllner Markt punktet mit seiner Lage direkt am Landwehrkanal und einem Einkaufserlebnis irgendwo zwischen orientalischem Basar und Schaulaufen. Text:  Lene Bayerlein

Termine: Dienstag und Freitag, 11-18.30 Uhr, Beste Uhrzeit: 11 bis 12 Uhr, Unbedingt kaufen: Frisches Fladenbrot
und türkische Antipasti

Türkenmarkt Maybachufer, Neukölln, U-Bhf. Schönleinstraße, www.tuerkenmarkt.de

Boxhagener PlatzWochenmarkt am Boxhagener Platz
Werbeslogans unplugged und heiße Drinks: „Erdbeeren ein Euro!“, grölt ein dick eingemummelter Obst- und Gemüsehändler am bunt bestückten Vitaminstand die Krossener Straße hinunter. In den frühen Mittagsstunden ist der Markt auf dem Boxhagener Platz in vollem Gange. Es ist die perfekte Zeit, um mit den Händlern einen Plausch zu halten, nach dicken Wollsocken zu stöbern oder hier und da eine frische Kleinigkeit zu snacken. Auch wenn der goldene Herbst nicht nur warme Sonnenstrahlen bringt, lassen sich alteingesessene Nachbarn und zugezogene Neu-Friedrichshainer selbst bei tristem Nieselregenwetter eine kulinarische Runde um den Boxhagener Wochenmarkt nicht nehmen: Mit einem Becher dampfendem Holundersaft in der Hand oder warmem Apfelsaft mit Rosinen und gehackten Mandeln nach Schweizer Rezeptur geht es vorbei an Fleisch- und Fischständen, bestückt mit Pferdebouletten, Büffelbraten, geräuchertem Aal oder Saibling. Zwischen all den Ständen verkauft ein rotbäckiger Imker seit 20 Jahren seinen Lindenhonig, von dem sich jeder Marktbesucher ein Gläschen zum Süßen heißer Wintertees zulegen sollte. Tipp für Besucher aus benachbarten Bezirken: Am besten mit dem Rad oder der Bahn zum Markt fahren, denn die Parkplatzsuche am Boxi gleicht einer Odyssee.

Fazit: Sehr kiezig. Am Boxhagener Platz werden frische, regionale Lebensmittel von gesprächigen Händlern an den Besucher gebracht. Text: Anne Koch

Termine
: Samstag 8-14.30 Uhr, Beste Uhrzeit: die frühen Mittagsstunden, Unbedingt kaufen: Lindenhonig

Wochenmarkt am Boxhagener Platz Boxhagener Platz, Friedrichshain, U-Bhf. Frankfurter Tor, Samariterstraße, Bus 240, Tram M10, M13, 21

KarlAugustKarl-August-Markt
Zweckmäßig und trotzdem speziell: Eweline, Cilena und die Rote Laura warten auf Kundschaft. Sie sind keine Hostessen, sondern drei von 15 Speisekartoffelsorten bei Pipenhagen’s auf dem Karl-August-Markt. Seit den 50er Jahren verkauft Familie Pipenhagen hier schon Gemüse, samstags hilft ein Sohn mit, der eigentlich bei der Polizei arbeitet. Auch für die Heilpraktikerin Christiane Bergmann, die am Stand von Fungi Delikat Pilze verkauft, ist die Arbeit auf dem Markt ein Nebenjob, auf den sie nicht verzichten möchte, denn „Marktverkäufer zu sein, das ist so ein alter Beruf, der Menschen glücklich machen kann“. An ihrem Stand werden Wald- und Bio-Pilze angeboten, was auf diesem Markt etwas Besonderes ist, denn Bio steht nicht im Vordergrund. Neben Pilzen gibt es Biokräuter, drei Obst- und Gemüse-Anbieter sowie Brot von Demeter. Im Angebot ist auch Skurriles wie Doris Strümpflers Heidschnucke- und Bisonfleisch oder „Bananen ohne Kerne!“ von den Gebrüdern Galip & Talip. An allen vier Ecken steht ein mobiler Kaffeestand mit süßem Gebäck. Wenn es exotischer sein darf, sollte man die malaysischen Köstlichkeiten von Fufa Theo probieren.

Fazit: Kein Szenetreffpunkt und kein Ort zum Sehen und Gesehen werden, sondern ein richtiger Einkaufsmarkt. Text: Sandy Bossier

Termine: Mittwoch 8-13 Uhr, Samstag 8-14 Uhr, Beste Uhrzeit: 9 Uhr zum Plaudern mit den Händlern, 14 Uhr zum Schnäppchenschlagen. Unbedingt kaufen: Kräuterseitlinge von Fungi Delikat

Karl-August-Markt Karl-August-Platz, Charlottenburg, U-Bhf. Wilmersdorfer Straße

Fotos: Andreas Kottlorz/HIPI, Mary-Ann Weber/HIPI

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