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Berliner Verein kämpft gegen Periodenarmut: Tampons für die Menschenwürde

Periodenarmut ist den wenigsten Menschen, sogar den wenigsten Frauen, ein Begriff. Neben Essen und Schutz fehlen obdachlosen Menschen vor allem Hygieneartikel. Insbesondere junge Frauen, die ihre Periode haben, sind oft unhygienischen, sogar gesundheitsgefährdenden Situationen ausgesetzt. In Berlin betrifft das rund 2.500 weibliche Wohnungslose – Dunkelziffer unbekannt. Der Verein Social Period e.V. will diese Problematik bekämpfen – und sammelt und spendet Tampons und Binden für wohnungslose Frauen.

Periodenarmut Vielen Menschen auf der Straße fehlt nicht nur essen und eine Unterkunft – sondern auch dringend benötigte Hygieneartikel, wie Tampons.
Vielen Menschen auf der Straße fehlt nicht nur essen und eine Unterkunft – sondern auch dringend benötigte Hygieneartikel, wie Tampons. Foto: imago images / Seeliger

Das Team vom Verein Social Period eV ist wütend. Die weibliche Periode werde in der Gesellschaft noch immer stigmatisiert. Vor allem durch Werbung werde ein verzerrtes, unrealistisches Bild vermittelt. „Man sieht Frauen glücklich die Straße hinunterhüpfen. Dass viele von ihnen eher verkrümmt im Embryonalstellung im Bett liegen, wird tot geschwiegen“, sagt die freiwillige Helferin Daisy Rüb.

Das Thema der weiblichen Menstruation ist völlig normal und allgegenwärtig – die mit den Tagen einhergehenden Probleme für Frauen werden aber noch immer heruntergespielt und nicht selten zum Tabu-Thema verklärt. Eine Frage, die sich die wenigsten überhaupt erst stellen: Wie gehen wohnungslose Frauen mit ihrer Periode um? Woher kommen Tampons und Binden, wenn das Geld nicht einmal für ein warmes Getränk reicht? Die Antwort ist: von nirgendwo her.

Der Berliner Verein Social Period e.V. setzt sich gegen Periodenarmut in der Hauptstadt ein. 2019 ging alles los: Social-Period-Gründerin und Gender-Studies-Promovendin Katja Dill besuchte im Rahmen ihres Studiums Notunterkünfte für obdachlose Menschen. Das Thema der Periodenarmut drängte sich ihr geradezu auf, denn sie stellte fest: Der Zugang zu Menstruations-Hygiene-Produkten ist für obdachlose Frauen oft nur eingeschränkt oder gar nicht vorhanden. Während ihrer Tage müssen sie improvisieren: Statt zu Tampons greifen sie zu Zeitungen, Socken oder alten Lappen. Darüber hinaus gibt es so gut wie keine offenen Sanitäranlagen – wie Toiletten – in Berlin. Studentin Dill konstatierte dringenden Handlungsbedarf. Und gründete mit ihrer langjährigen Freundin Undine Mothes den Verein.

Thema noch unter dem Radar – genau wie die Vielzahl obdachloser Menschen

Periodenarmut Drei Boxen stehen schon in Berlins Supermärkten – und es sollen noch viel mehr werden. In Berlins Notunterkünften werden Tampons und Binden dringend gebraucht.
Zusammen gegen die Periodenarmut in Berlin – Von links nach rechts: Roksana Witusinki, die Gründerinnen Katja Dill und Undine Mothes sowie Laura Hartmann. Foto: Social Period e.V.

Seither sind Dill und Mothes und mittlerweile viele weitere freiwillige Unterstützerinnen von Social Period eV damit beschäftigt, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um für das Thema zu sensibilisieren, und Partner im Einzelhandel zu finden, die ihre Aktion unterstützen. Es braucht Aufklärungsarbeit, aber erste Resonanz ist da. In drei großen Berliner Edeka-Filialen in Neukölln, Hohenschönhausen und Moabit stehen mittlerweile die Spendenboxen von Social Period. Wenn sie voll sind, wird der Inhalt vom Vereins-Team abgeholt und an Berliner Notunterkünfte verteilt.

„Die Spenden werden sehr gut aufgenommen. In den Unterkünften besteht dringender Bedarf“, sagt Gründerin Dill. Auf der Crowdfunding-Plattform startnext sammelt der Verein Geld, um weitere Spendenboxen anfertigen zu können. Katja Dill, Undine Mothes, Daisy Rüb und die anderen freiwilligen Mitstreiterinnen wünschen sich, dass das Thema durch die Spendenboxen in den Supermärkten mehr in das Bewusstsein der Menschen rückt. Genau wie das Thema der Periode als Solches. Nicht nur in Entwicklungsländern werde das Thema der Menstruation bei jungen Mädchen tabuisiert. „Auch hier wollen wir nicht mehr im Leisen über unsere Periode sprechen müssen“, sagt Rüb. „Wenn ich wegen meiner Tage nicht zur Arbeit kann, will ich mich nicht krank melden. Ich finde das absurd.“

Über konkrete Schicksale von wohnungslosen Frauen wollen sie jedoch nicht sprechen – auch nicht anonymisiert. Das Team von Social Period will einfach nur, dass die Produkte dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Denn mit den Tampons und Binden erhielten die wohnungslosen Frauen nicht nur Hygieneartikel, sondern bekämen auch einen Teil ihrer Menschenwürde zurück.

Hier könnt ihr den Verein SocialPeriod eV auf startnext finanziell unterstützen.

Die Spendenboxen von SocialPeriod eV findet ihr bisher in folgenden Edeka-Filialen in Berlin:

  • Hansastraße 236, Hohenschönhausen
  • Grenzallee 4-6, Neukölln
  • Genthiner Straße 42, Tiergarten

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