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Kommentar

Finger weg: Berlins Baumscheiben sind keine Privatgärten!

Immer mehr Berliner*innen bepflanzen die Baumscheiben vor ihren Häusern. Das ist gut gemeint und sieht nett aus, ist aber toxisch für den Stadtgeist. Wer sich anmaßt, öffentlichen Grund als Privatgarten zu missbrauchen, offenbart kleinbürgerliche Spießigkeit, die Berlin nicht steht. Ein Kommentar von Max Müller.

In immer mehr Bezirken beginnen die Berliner*innen die Baumscheiben zu verschönern. Unser Autor meint, dass das dem Stadtklima nicht gut tut. Foto: Imago/Schöning
In immer mehr Bezirken haben die Berliner*innen begonnen, die Baumscheiben zu verschönern. Unser Autor meint, dass das dem Stadtklima nicht gut tut. Foto: Imago/Schöning

Gibt es eigentlich DIY-Baumscheiben-Verschönerungsvideos auf Youtube? Wie sonst kommt es, dass die Baumscheiben-Gärtner*innen allesamt ähnliche Strategien fahren? Das Must-Have scheint eine Holzumzäunung zu sein, selbst gezimmert natürlich. Dazu ein paar schöne Pflanzen und bunte Blumen, etwas Nippes und das obligatorische Schild: „Hunde dürfen hier nicht pinkeln.“

Immer mehr Berliner*innen bepflanzen die Baumscheiben vor ihren Häusern und nutzen die kargen Erdflächen als Ersatzgarten. Man muss zugeben, optisch hat das was. Gut ist es aber noch lange nicht, steckt dahinter doch der Wunsch nach geordneten Verhältnissen und klaren Strukturen. Die aufgeräumte, immer schöne Stadt. Das ist nicht nur anmaßend, es offenbart auch den spießbürgerlichen Geist, der durch die Bezirke weht.

My Baumscheibe is my Castle! – und da gelten meine Regeln!

Nun kann man mit dem Argument kommen, der gärtnerische Eifer täte den Bäumen gut. Selbst der NABU empfiehlt das piefige Pflanzen. Und ja, Berlins Stadtbäume leiden unter dem Klimawandel und den daraus resultierenden Hitzeperioden im Sommer.

Doch es geht auch anders. Mal den Müll entfernen, mal den Boden auflockern, an heißen Tagen gießen – oder noch besser, einen Gießsack organisieren, damit der Baum kontinuierlich mit Wasser versorgt wird. Alles super, völlig d’accord. Deshalb muss man doch aber noch lange keine Grenzen ziehen (Was anderes sind Zäune nicht!), Schilder aufstellen (Wer denkt an die Tiere?) oder (zum Glück nicht mehr ganz so in Mode) den Baum sogar mit Häkeldecken umlegen. Also: Finger weg von den Baumscheiben!


Unser Autor ist nicht allein mit seiner Abneigung gegen Spießergärten. Die Dragqueen Jurassica Parka hat dem Phänomen einen Instagram-Account mit dem Namen „schlimmebaumscheiben“ gewidmet. Schaut doch mal vorbei.


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