Stadtleben

Billigfood

Letztens war nur noch rechnerisches Grübeln. Bei global agierenden Burger-Bratern gibt es einen Burger für 1,99 Euro, bei dem anderen eine 1-Euro-Aktion. Bei einer neuen Backkette wird ein Croissant für 70 Cent verhökert, ein Brötchen bei einer hiesigen älteren für 17 Cent. Wie geht das? Was kostet das Getreide, was die Herstellung, was die Miete des Ladens, was das Verkaufspersonal? Dann kam auch noch die Nachricht vom Eröffnungsfilm des Kulinarischen Kinos der Berlinale. „Food Inc.“

So der Titel, und dieser Dokumentarfilm zeigt, was Billigfood in den USA bedeutet, nämlich grauenhafteste Massentierhaltung und Massenfabrikation. Rinder stehen eng auf einem abgegrenzten Areal und knietief in ihren und den Exkrementen anderer. Hühner können sich nicht mehr auf den Beinen halten, weil sie zu großes Brustfilet vor sich hertragen. Farmer werden gezwungen, genmanipuliertes Saatgut aus­zusäen, und letztendlich kann sich eine vierköpfige Familie frisches Gemüse kaum noch leisten und deckt ihren Nahrungs­bedarf über das billige Burger-1-Dollar-Menü. Im ersten Moment freut man sich ganz naiv, dass man in Europa lebt – doch dann kommt man wieder zu der Frage: Wie schaffen es diese Ketten, die Discounter, derart billige Nahrungsmittel auf den Markt zu bringen? Jaja, kluge Besserwisser werden nur arrogant schnauben. Trotzdem: Der verwöhnte europäische Verbraucher sollte sich das doch immer mal wieder vor Augen halten, was Massenproduktion bedeutet. Da ist der Film „Food Inc.“ am 8. Februar um 15 Uhr im Friedrichstadtpalast eine gute Gelegenheit.

Foto: T. Görmen/Pixelio 

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