Stadtleben

Birgitt Claus im Interview

Birgitt_Claustip: Bisher werden Ihre Exponate nur temporär gezeigt. Warum ist das von Ihnen geplante Museum für Esskultur wichtig?
Birgitt Claus: Esskultur umfasst ungefähr die Geschichte der Menschheit. Es ist interessant sich anzugucken, wie sie sich im Laufe der Generationen geändert hat. Reine Designobjekte, zum Beispiel Salzstangenhalter, waren eine Zeit lang in. Das ist heute aus der Mode gekommen. Sich darüber bewusst zu werden, was Essen für den Menschen bedeutet und sich das im kulturellen Kontext anzusehen, finde ich erhellend.

tip: Sie arbeiten mit Sachspenden, wie funktioniert das?
Claus: In der Regel bringen uns Leute Kisten mit Gegenständen vorbei.

tip: Was ist denn das kurioseste Objekt in Ihrer Sammlung??
Claus: Meine aktuelle Lieblingsgeschichte ist die des Piccolos. Er ist der „kleine Freund der Hausfrau“, ein Wahnsinnsgerät! Im Prinzip ist es ein Motor, der in den 60er-Jahren sehr beliebt war. Man kann damit Smoothies oder Shakes herstellen oder auch Teig kneten. Mit demselben Motor kann man hinterher auch Staub saugen, Blattläuse entfernen, bohren, nageln, hämmern, sägen oder Lack auftragen. Mittlerweile haben wir eine ziemlich große Sammlung von Piccolos.

tip: Sie arbeiten mit Museumskunde-Studenten zusammen, die aus einem Kochlöffel ein museales Objekt machen.
Claus: Wenn ein Kochlöffel zu uns kommt, bekommt er eine Karteikarte und eine Nummer. Dort steht drauf, wo er herkommt, wie alt er ist und gegebenenfalls seine Geschichte. Unsere Besucher können alle 14 Tage montags einer Gruppe Studenten beim Live-Archivieren zusehen.

tip: Sie hatten eine Schau über Schleimspeisen.
Claus: Bei dem Wort „Schleimspeisen“ schütteln sich die Menschen schon. Ich möchte den Begriff augenzwinkernd nehmen und darauf hinweisen, wie viel Menschen sich einfallen lassen, um Speisen zu ihrer gewünschten Konsistenz zu verhelfen. In Italien gibt es einen ganz bestimmten Löffel, der nur dazu da ist, Polenta anzurühren. Ohne diesen Löffel keine Polenta!             

Interview: Maximilian Hasse

Foto: Mascha Lohe

Öffentliches Schaudepot Akademie Schmöckwitz, Werbellinstraße 50, Neukölln, bis 3.7. tgl. 10-17 Uhr, www.museum-esskultur.de

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