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Black Intervention und Gedenkmarsch gegen rassistische Gewalt

Mekonnen-MesghenaAnfang Januar dieses Jahres ging ein Aufschrei durch die deutschen Feuilletons: Der Stuttgarter Thienemann Verlag hatte bekannt gegeben, dass er in Neuauflagen von Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker „Die kleine Hexe“ künftig auf das diskriminierende Wort „Negerlein“ und das in seiner Bedeutung über die Jahre gewandelte Wort „wichsen“ verzichten wolle. Doch während niemand dem Wort „wichsen“ (früher: blank polieren, heute: masturbieren) eine Träne nachweinte, empörten sich ergraute Kultur-Platzhirsche wie Ulrich Greiner („Die Zeit“) oder Harald Martenstein („Der Tagesspiegel“) sowie der unbelehrbare Besserwissi Jan Fleischhauer („Spiegel-Online“) über die vermeintliche „Zensur“, dem das Wort „Neger“ zum Opfer gefallen sei. Offenbar ohne jede Kenntnis der Entstehung des N-Wortes im Zusammenhang mit der Kolonialgeschichte und der sogenannten „Rassenkunde“ setzten sie sich für den Erhalt des Wortes ein, als sei dies der Schlüssel zum Verständnis von Preußlers oder aucvh Astrid Lindgrens Werk.

Doch die Deutungshoheit der angejahrten weißen Alphamännchen hat starke Risse bekommen: Von allen Seiten schlug ihnen klug begründeter Widerspruch entgegen, unter denen die willkürlich zusammengeklaubten „Argumente“ der Platzhirsch-Feuilletonisten zu Feinstaub zerbröselten. Deutschland ist eben nicht mehr das Land, das es noch vor ein paar Jahren war: Statt Randgruppen wie schwarzen Menschen unwidersprochen über den Mund fahren zu können, haben viele von ihnen zu ihrer eigenen Stimme gefunden und lassen sich vom „großen Bruder“ nicht mehr vorschreiben, welches „Sprech“ sie zu akzeptieren haben.

Auch am 20.Februar geht diese Auseinandersetzung weiter. Unter dem Motto „Black Intervention. Mehr als Worte“, präsentieren die Regisseurin Simone Dede Ayivi, der Journalist und Publizist Mekonnen Mesghena (Foto), der die aktuelle N-Wort-Debatte durch einen Beschwerdebrief in Gang setzte, oder die Autorin, Aktivistin und Künstlerin Noahso ihre Gründe, warum nicht nur die Machtverhältnisse, sondern auch die Kinderbücher sich ändern sollten.

Dass „Neger“ kein harmloses Wort für schwarze Menschen war und ist, sondern ein Begriff, mit dem man die vermeintliche Minderwertigkeit vor allem afrikanischer Menschen festschrieb, wird auch im Rahmen des 7. Gedenkmarsches zur Erinnerung an die afrikanischen Opfer von Sklavenhandel, Sklaverei, Kolonialismus und rassistischer Gewalt klar. In Erinnerung an die Folgen der Berliner Konferenz (15.11.1884 bis 26.2.1885), bei der der afrikanische Kontinent wie ein Kuchen unter den Kolonialmächten aufgeteilt wurde, treffen sich am 23. Februar Menschenrechtler, Aktivisten und Sympathisanten um 11.30 Uhr an der Wilhelmstraße 92 in Mitte, um gemeinsam zur Neuen Wache Unter den Linden zu gehen.

Text: Eva Apraku
Foto: Stephan Roel/Heinrich Boell Stiftung

Black Intervention. Mehr als Worte. Aus Anlass der aktuellen Kinderbuchdiskussion,
am 20.2., 19 Uhr
im Ballhaus Naunynstraße, Naunynstraße 27, Kreuzberg, www.ballhausnaunynstrasse.de

7. Gedenkmarsches zur Erinnerung an die afrikanischen Opfer von Sklavenhandel, Sklaverei, Kolonialismus und rassistischer Gewalt,
am 23.2., 11.30 Uhr
Treffpunkt: Wilhelmstr.92, Mitte,

 

 

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