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Berliner Brennereien: Hier glühen die Kessel und fließen die Brände

In der Hauptstadt brennt’s. Die Berliner Brennereien legen zwar kein Feuer, dafür rühren sie in ihren Kesseln alles an, was sich in der Kehle wie eines anfühlt. Brände, Liköre, Gin, Wodka, Whisky, die erste Liga des Alkoholrauschs. Doch geht es den Destillerien nicht ausschließlich um Trunkenheit. Es geht ihnen um Geschmack, um Qualität. Das gilt für die alten Traditionsunternehmen wie für die jungen Neueinsteiger. Was die Berliner Brennereien auszeichnet, wie ihre Geschichte aussieht und was sie produzieren, lest ihr hie.


Schilkin

Schilkin besteht bereits seit den 30ern. Foto: Imago/Bernd Friedel

Angefangen hat diese Berliner Brennerei mit Wodka, heute ist sie bekannt für Pfefferminzlikör: die Berliner Luft. Schilkin ist ein Unternehmen mit einer mehr als 100 Jahre alten Geschichte, die in St. Petersburg beginnt. 1900 stellte dort das Ehepaar Apollon und Natalie Schilkin Spirituosen her, die sogar unter Zaren beliebt waren. Leider hatten es Freund:innen der Oberschicht zur russischen Revolution nicht leicht, also flohen die Schilkins in den 1920er-Jahren nach Berlin.

Es dauerte ein paar Jahre, bis sie wieder Schnaps brannten. 1932 nahmen sie ihre Produktion an einem Gutshof in Kaulsdorf auf und 1945 übernahm ihr Sohn Sergej den Betrieb. Es folgten Ausbau, Enteignung, Verstaatlichung, Reprivatisierung, neue Geschäftsführer, eine wachsende Produktpalette. Liköre, Weinbrand und Gin nehmen neben dem altgedienten Wodka Platz. Dass ein Partygetränk beziehungsweise berauschender Munderfrischer Signature Drink der Berliner Brennerei wird, hätte der alte Schilkin wohl kaum vermutet.

  • Schilkin Alt-Kaulsdorf 1, Kaulsdorf, weitere Infos findet ihr hier

Eschenbräu Wedding

Bei Martin Eschenbrenner steht der Brennkessel direkt im Lokal. Foto: Eschenbräu Wedding

Eine Phrase, die so abgegriffen ist wie die Erdnüsse an einer Bar, aber hier passt sie zu gut: Nomen est Omen. Eigentlich auf Bier spezialisiert, stellt der Braumeister Martin Eschbrenner in seiner kleinen Brauerei/Bar in Wedding seit ein paar Jahren auch Spirituosen her. Theke und Brennkessel sind quasi Nachbarn. In dem angrenzenden Biergarten bekommen Besucher:innen nicht mehr nur Eschenbräu vom Fass, sondern auch Apfelbrand und Whisky, derzeit Single Malt, bald auch Rye (Roggen-Whisky). Da hat sich offensichtlich seit der Eröffnung 2001 einiges getan.

  • Eschenbrennbräu Wedding Triftstraße 67, Wedding, Mo-So 15-22 Uhr, Tel: 0162/493 19 15, weitere Infos findet ihr hier

Berlin Distillery

Sie ist eine der jüngeren Berliner Brennereien: die Berlin Distillery. Seit 2019 stellt sie Gin her, mal klassisch, mal abgedreht wie der Bratapfel-Gin. Alles nach dem Motto: Gärt es, taugt es zum Schnaps. Die Rohstoffe dafür beziehen die Verantwortlichen aus der Region, was dem Namen gerecht werden dürfte. Interessenten dürfen den Brenner:innen sogar direkt über die Schulter schauen. Dafür müssen sie lediglich eine Führung gegen ein kleines Entgeld buchen. Tja, Transparenz hat ihren Preis. Dennoch ist die Distillery in Sachen Gin eine der vielseitigeren Berliner Brennereien. Experimentierfreude zahlt sich aus.

  • Berlin Distillery Goerzallee 299, Zehlendorf, Karten für Besichtigungen bekommt ihr hier

Deutsche Spirituosen Manufaktur

Wo gebrannt wird, fließen Schnäpschen – und in der Deutschen Spirituosen Manufaktur fließen so einige. Foto: Deutsche Spirituosen Manufaktur

Ebenfalls jung, aber mit größerer Palette:  die Deutsche Spirituosen Manufaktur. 2017 in Marzahn gegründet, ist sie heute deutschlandweit bekannt, zumindest unter Alkohol-Connaisseuren. Was der Brennerei an Geschichte fehlt, gleicht sie durch ihre vielseitige Produktpalette wieder aus. Obstbrände, Wodka, Liköre, Gin, fehlen nur Whisky und Korn und wir hätten das Who-is-who des Hochprozentigen. Was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Qualität der Produkte soll derart gut sein, dass das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sie 2020 mit dem Bundesehrenpreis auszeichnete. Den gibt es für Spirituosen, Bier oder auch Fruchtgetränke. Produkte werden dabei nicht für ihren Gesundheitsnutzen, dafür für ihre Hochwertigkeit ausgezeichnet. Immerhin. In der Hinsicht spricht er für die Deutsche Spirituosen Manufaktur und ihre Tropfen.

  • Deutsche Spirituosen Manufaktur Brunnenstraße 163, Mitte, Karten für Besichtigungen bekommt ihr hier

Preußische Spirituosen Manufaktur

Liköre liegen der Preußischen Spirituosen Manufaktur besonders gut. Foto: Imago/Bernd Friedel

1874 beschloss das Haus Hohezollern per Kabinettorder die Errichtung einer Versuchs- und Lehranstalt für die Spiritusfabrikation (Beamtendeutsch war damals besonders hoch im Kurs). Eine kommerzielle Brennerei mit zusätzlichem Schulungsgebäude. Die Preußische Spirituosenmanufaktur ist damit die älteste der Berliner Brennereien Berlins. Ihren Höhepunkt hatte sie 1900 mit ihren Adler Spirituosen. Die Depression grub jedoch eine Grube, zwei Weltkriege stießen sie hinein. Betrieb eingestellt.

Erst als Deutschlands erster Destillateurmeister Ernst Dobislaw den Betrieb in den 1950er-Jahren übernahm, blubberte es wieder in den Brennkesseln. An die alten Erfolge konnte die Spirituosen Manufaktur aber nicht anknüpfen. Es folgten Jahre des Auf und Abs. 2005 belebten der Ingenieur Paul Stahl und der Hotelier Gerald Schroff die Marke Adler wieder und übernahmen die Manufaktur. Heute umfasst die Produktpalette nicht nur Adler Gin und Wodka, sondern auch Korn, Liköre und Brände. Neben der Brennerei bietet die Manufaktur auch ein Museum, schließlich ist die Geschichte des Betriebs sehr spannend.

  • Preußische Spirituosen Manufaktur Seestraße 13, Wedding, Mo-Fr 9-19 Uhr, Tel: 030/80 57 03 07, weitere Infos findet ihr hier

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