Stadtleben

Broadway muss schließen

Broadway_c_tipDoch mit dem Independent- und Arthouse-Kino, das den Ausgleich zur legendären Blockbuster-Stätte Zoo-Palast garantierte, ist es bald vorbei an der Tauentzienstraße. Das kleine und liebevoll gestaltete Filmhaus (Yorck-Gruppe) in der Mini City macht am 22. Juni dicht. Der Eigentümer, die Immobiliengruppe Braun, will sanieren – und setzt auf Einzelhandel. Das sei lukrativer, immerhin zahlen Geschäfte am Tauentzien und Ku-Damm die höchsten Mieten Berlins. Das Kino mit seinen 440 Plätzen und vier Sälen kann da nicht mithalten.

1973 wurde es als Cinema Princess als kleinstes 70-Millimeter-Breitwandkino der Welt mit nur einem Saal eröffnet. Sechs Jahre später übernahm die Yorck Kinogruppe das Haus. 1980 wurde es nach einem Konkurs einer angrenzenden Diskothek ausgebaut und ab 1983 mit drei weiteren Sälen betrieben.

Von montags bis freitags ist hier seit 1985 das wohl umfangreichste morgendliche Kinder- und Schulprogramm der Stadt (KinofürSchulen.de) zu sehen. Durch seinen zielgruppengerechten Zuschnitt entwickelte sich dieses Angebot schnell zum Hit und führte Kinder und Jugendliche an die Magie des Kinos heran, abseits der teuren Multiplexe. Nicht selten schauten auch die Regisseure und Drehbuchautoren vorbei und traten mit den Kindern in Dialog. Während das Angebot der Umgebung durch das Verschwinden von Marmorhaus, Filmbühne Wien und das Royal immer weiter ausdünnte, war das Broadway seit 32 Jahren eine Konstante für Filmliebhaber. Schade, dass nun auch hier endgültig der Abspann läuft.

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