Stadtleben

Bürgerinitiative

Das Schönste an der Kunststadt Berlin ist, dass sie unglaubliche Überraschungen zu bieten hat. Die selbst ernannten Kunstpäpste der Galerien- und Kuratorenszene, deren Horizont nur knapp über Mitte hinausgeht, können sich ja kaum vorstellen, dass Kunst auch in anderen Bezirken eine Chance hat.

Da muss erst der Unternehmer Roman Maria Koidl durch Charlottenburg spazieren und am gleichnamigen S-Bahnhof ein halb verfallenes Umspannwerk entdecken, das von Richard Brademann 1928 in der Gervinusstraße im Bauhausstil errichtet wurde.
Er hat sich aber im Gegensatz zu manch anderen nicht hingestellt und auf die Stadt geschimpft, sondern das Gebäude in eigener Regie wachgeküsst. Er hat daraus eine helle, lichte, kleine und feine Halle gemacht, um darin Kunst zu präsentieren, speziell möchte er Privatsammlungen zeigen, die man sonst nicht zu sehen bekommt.

Für den Anfang hat er sich allerdings Stücke aus der Sammlung der Dresdner Bank ausgesucht. Unter dem Titel Moves werden Kunststücke gezeigt, die das ganze Spektrum der Sammlung umfassen, etablierte, unangreifbare, schöne Kunst von Alberto Giacometti, Max Ernst oder auch The Pendulum above the Water von Katsura Funakoshi von 1991, das einen in sich ruhenden Mann unbestimmten Alters zeigt, der ein imaginäres Pendel hält. Geprägt von unterschiedlichen kulturellen Einflüssen vermittelt Funakoshis Halbfigur ein Bild vom Menschen, das Anmut und Würde, Stille und Zeitlosigkeit vereint. Aber die Sammlung enthält auch Werke von Stipendiaten wie Eberhard Havekost oder Regina Weiss.


Das ist eine wahre Freude, wenn man miterleben kann, wie aus dem Nichts in Eigeninitiative ein neuer Kunstschatz entdeckt wird, der wieder zeigt, dass man nicht unbedingt nur in Mitte hip sein kann.

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