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Orte des Wartens: 12 Bushaltestellen in Berlin

Berlin und die Bushaltestellen. Offiziell handelt es sich um die Knotenpunkte zwischen dem ÖPNV und dem Fußverkehr. Es sind Orte des Wartens, Transiträume innerhalb der Stadtgrenzen, so wie Bahnhöfe, nur diffuser, im Raum verteilt und meist ohne feste Abgrenzungen. Hier kommt man für kurze oder auch mal lange oder gar zu lange Zeit zum Stillstand. Man wartet. Bushaltestellen sind Orte des Wartens.

Architektonisch geben unsere Haltestellen leider nicht viel her. Wer im Berliner Umland unterwegs ist, trifft noch hier und da auf kuriose Gebilde aus DDR-Zeiten, damals als jedes Dorf eine andere Haltestellen-Bauweise hatte. Aus Beton, Holz oder Blech errichtet, zuweilen bemalt oder mit Mosaiken geschmückt, sorgten sie für Aufsehen. In Berlin der Gegenwart sind Bushaltestellen einförmig. Lichtsäulen, schnöde Masten oder hier und da funktionale Glashäuschen. Wir haben uns trotzdem umgeschaut und erzählen entlang von 12 Fotos von diesen speziellen Orten, den Bushaltestellen in Berlin.


Betriebshof Köpenick

Bushaltestellen in Berlin: Wartende an einer Bushaltestelle in Köpenick, 1998. Foto: Imago/Serienlicht
Wartende an einer Bushaltestelle in Köpenick, 1998. Foto: Imago/Serienlicht

Wer heute länger als zwei Minuten auf irgendetwas warten muss, greift instinktiv zum Smartphone. Soziale Medien, Chat-Dienste und Onlinespiele füllen jede noch so kleine Lücke im Alltag auf. Steht man an einer Bushaltestelle, geht die Hand instinktiv zum Telefon. Das war Ende der 1990er-Jahre noch anders, wie dieses Foto zeigt. Hier am Betriebshof Köpenick standen die Leute einfach rum, glotzten Löcher in die Luft und stiegen irgendwann ein, ohne mit der Welt im ständigen Austausch zu sein.


Einsam in Hohenschönhausen

Bushaltestelle in Hohenschönhausen, 2000. Foto: Imago/Enters
Bushaltestelle in Hohenschönhausen, 2000. Foto: Imago/Enters

Bushaltestellen können, ähnlich wie Bahnhöfe oder Flughäfen, auch melancholische Orte sein. Hier trennt man sich und fährt davon, hier kommt man wieder an, hier finden die kleinen Routinen und die kleinen Dramen des Alltags statt. Wer mal allein am Stadtrand bei Dämmerung und unfreundlichem Wetter 20 Minuten auf den nächsten Bus warten musste, kennt dieses leicht trostlose Gefühl.


Vor historischer Kulisse

Bushaltestellen in Berlin: Die alten Omnibus-Haltestellen in Ost-Berlin, dahinter wird der Fernsehturm gebaut, frühe 1960er-Jahre. Foto: Imago/Werner Schulze
Die alten Omnibus-Haltestellen in Ost-Berlin, dahinter wird der Fernsehturm gebaut, frühe 1960er-Jahre. Foto: Imago/Werner Schulze

An dieser Haltestelle in Mitte, hatten die Leute in Ost-Berlin der frühen 1960er-Jahre ganz schön was zu gucken. Der SED-Staat ließ am Bahnhof Alexanderplatz das vermutlich berühmteste Bauwerk der DDR errichten, den Fernsehturm. In dieser frühen Phase steht gerade mal der Betonsockel. Wer hier regelmäßig mit dem Bus unterwegs war, konnte tagesaktuell das Fortschreiten der Arbeiten beobachten.


Die Haltestelle als Säule

Bushaltestelle vor dem U-Bahnhof Fehrbelliner Platz. Foto: Imago/Schöning
Bushaltestelle vor dem U-Bahnhof Fehrbelliner Platz. Foto: Imago/Schöning

Der Name Rainer G. Rümmler ist nicht unbedingt geläufig, doch der Architekt gestaltete viel in Berlin. Wenngleich sein Werk bei weitem nicht alle Menschen in Berlin lieben. Nah ist er uns vor allem im Nahverkehr: Der Architekt entwarf in West-Berlin ab den 1950er-Jahren einen U-Bahnhof nach dem anderen, ein paar öffentliche Gebäude obendrein. Der oberirdische Teil des U-Bahnhofs Fehrbelliner Platz entstand nach Rümmlers Plan um 1964. Die moderne Bushaltestelle, eine hohe Lichtsäule, steht einfach davor und will sich nicht recht in die Umgebung einpassen. 


Nachtfalken in Treptow

Bushaltestellen in Berlin: Eine in einer Bushaltestelle in Treptow. Foto: Imago/Thomas Trutschel/Photothek
Eine in einer Bushaltestelle in Treptow. Foto: Imago/Thomas Trutschel/Photothek

Dieses Foto könnte als Vorlage für ein Gemälde von Edward Hopper dienen. Der US-amerikanische Maler fing wie kein anderer die Einsamkeit in der modernen Großstadt ein. Fast leere Straßen und stumme Hausfassaden im Zwielicht, dazwischen Menschen, die verloren wirken. Hoppers berühmtestes Gemälde „Nachtschwärmer“ („Nighthawks“) aus dem Jahr 1942, zeigt drei Gäste und einen Barkeeper in einem klassischen Diner. Es sind einsame Seelen. Diese Berliner Lady mit dem großen Hut, die in Treptow ganz allein auf einen Bus wartet, hätte Hopper vermutlich gefallen.


Haltestelle als Shop

Ein Händler nutzt die Bushaltestelle am Lustgarten als Kleiderständer für seine Ausstellungsstücke. Foto: Imago/Steinach
Ein Händler nutzt die Bushaltestelle am Lustgarten als Kleiderständer für seine Ausstellungsstücke. Foto: Imago/Steinach

So wie Litfaßsäulen, Mülleimer, Brunnen, öffentliche Toliletten und Bänke, gehören auch Bushaltestellen zum Oberbegriff der Stadtmöbel. Die modernen Glashäuschen verfügen meist über eine beleuchtete Werbefläche und kommen aus dem Hause Wall. Es sind einheitliche und funktionale Konstruktionen, die zwar ihren Zweck erfüllen aber keinen ästhetische Mehrwert haben, wie etwa die Jugendstil-Eingänge zu der Pariser Metro oder sowjetische Bushaltestellen der 1970er-Jahre. Hier am Lustgarten in Mitte hat ein Straßenhändler eine Haltestelle „verschönert“ und sie kurzerhand zur Auslage für seine Waren umfunktioniert.


Kreuzberg in den Siebzigern

Bushaltestellen in Berlin: Bushaltestelle in Kreuzberg am Kottbuser Tor, 1974. Foto: Imago/Serienlicht
Bushaltestelle in Kreuzberg am Kottbusser Tor, 1974. Foto: Imago/Serienlicht

In den 1970er-Jahren hing an kleinen gelben Masten ein Schild mit dem Buchstaben „H“ und dem Hinweis auf den „Autobus“, wie hier am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Die Liniennummern, hier die 28 und die 41, wurden an diesen Schildern montiert. Ähnlich auch, wie damals die Monatskarten der BVG funktionierten: Man bekam für die Buslinie, die man nutzen wollte, einen speziellen Aufkleber mit der jeweiligen Nummer und konnte dann etwa mit der U-Bahn und nur dieser bestimmten Buslinie fahren.


Großer Andrang in Schönefeld

Menschenmenge wartet an den überfüllten Haltestellen des Flughafens Schönefeld, 2006. Foto: Imago/Enters
Menschenmenge wartet an den überfüllten Haltestellen des Flughafens Schönefeld, 2006. Foto: Imago/Enters

So voll ist es zum Glück nur selten an den Bushaltestellen in Berlin. Das Foto entstand 2006 am Flughafen Schönefeld, an jenem Tag reichte vermutlich nicht nur ein einziger Bus, auch kein Doppeldecker, um alle Wartenden wegzubringen. Da lautet das Motto: Nur die Ruhe bewahren, irgendwann kommt der nächste Bus!


Warten an der Mauer

Bushaltestellen in Berlin: Haltestelle vor der Gedenkstätte des Dokumentationszentrums Berliner Mauer in der Bernauer Strasse, 2004. Foto: Imago/Seeliger
Haltestelle vor der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße, 2004. Foto: Imago/Seeliger

Dieses gelbe Wartehäuschen stand 2004 noch in der Bernauer Straße, in unmittelbarer Nähe zur Gedenkstätte Berliner Mauer. Während der Teilung der Stadt gehörte das Warten in Mauernähe durchaus zum Alltag dazu. Nach dem Mauerfall sind allerdings sehr schnell alle Bushaltestellen aus der DDR-Zeit verschwunden und wurden durch neue West-Modelle, wie jenes auf dem Bild, ersetzt.


Nicht ohne Maske!

Menschen an Bushaltestelle am Hermannplatz in Neukölln, 2021. Foto: Imago/Jürgen Held
Menschen an Bushaltestelle am Hermannplatz in Neukölln, 2021. Foto: Imago/Jürgen Held

Corona hat alles verändert, auch das Warten auf den Bus. Man hält Abstand, trägt Maske und ist etwas vorsichtiger geworden – auch an den Bushaltestellen. Auch wenn sich die strengen Maßnahmen der Lockdowns etwas gelockert haben, ist noch lange nicht alles so wie es mal war. Auch nicht am Hermannplatz in Neukölln.


Die Bushaltestelle im Film

Eine Bushaltestelle wird für die Dreharbeiten zu dem Film "The International" vor dem Hauptbahnhof umgesetzt, 2007. Foto: Imago/Pemax
Eine Bushaltestelle wird für die Dreharbeiten zu dem Film „The International“ vor dem Hauptbahnhof umgesetzt. Foto: Imago/Pemax

Regisseur Tom Tykwer drehte 2007 den Hollywoodfilm „The International“ mit den Weltstars Clive Owen und Naomi Watts in den Hauptrollen in seiner Heimatstadt Berlin. Es war ein düsterer Krimi um den Interpol-Agenten Louis Salinger (Clive Owen). Kaum traf er einen Informanten am Berliner Hauptbahnhof, war dieser auch schon tot. Für den obsessiven Fahnder ein Beweis für die illegalen Machenschaften einer Großbank. Während der Dreharbeiten am Hauptbahnhof musste eine Bushaltestellen umgesetzt werden.


Ein Design-Klassiker in Tegel

Bushaltestellen in Berlin: Bushaltestelle aus den 1970er-Jahren am Flughafen Tegel, 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Bushaltestelle aus den 1970er-Jahren am Flughafen Tegel, 2020. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Eine der architektonisch interessantesten Bushaltestellen in Berlin findet man am ehemaligen Flughafen Tegel. Die Entwürfe dafür stammten damals vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp). Der 1974 eingeweihte Flughafen überzeugte mit moderner Funktionalität, kurzen Laufwegen vom Check-In zum Flugzeug und insgesamt einer gelungenen Infrastruktur. Mit seinen stromlinienförmigen Formen, einem farbenfrohen Leitsystem und dem bulligen Tower reihte sich der Flughafen Tegel in die lustig-futuristische West-Berliner Architektur der 1970er-Jahre ein, wofür etwa das ICC, der Bierpinsel in Steglitz oder die pop-knalligen U-Bahnhöfe der U7 gute Beispiele sind. Und eben auch diese Bushaltestelle.


Mehr Berlin-Geschichte und -Geschichten

Mehr Texte über Berlins Geschichte lest ihr hier. Zum Beispiel die Spreepark-Geschichte: Wie eine Fahrt auf der Achterbahn, wo die Dinos und Schwäne im aus Plastik waren und hier laden wir in den Tierpark Friedrichsfelde wo es echte Tiere zu sehen gibt – alle Infos zu Besuch und Geschichte für euch. Der Spreepark war ein Ost-Kulturgut. Wir haben 12 Tipps für euch, wo man dem Osten mitten in der Stadt nachspüren kann.

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