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„Global Marijuana March“ im Volkspark Hasenheide

Im Sommer findet die Hanfparade in Berlin statt – wozu braucht die Stadt zusätzlich den Global Marijuana March (GMM)? ?
Steffen Geyer:?Das sind zwei unterschiedliche Konzepte. Die Hanfparade ist eine deutschlandweit organisierte Aktion, die sich explizit an die deutsche Politik wendet, während der GMM zeitgleich in der ganzen Welt stattfindet, also auch in den USA, Afrika und Russland. Er will zeigen, dass die aktuelle Drogenpolitik ein globales Problem ist, für das man globale Lösungen braucht.

Was sind die Forderungen des GMM? ?
Das Konzept des GMM lautet: „Global denken, lokal handeln“. Der Minimal-Konsens ist die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel. Lokal gibt es unterschiedliche Veranstaltungen und Anliegen.

Was ist das Anliegen für Berlin? ?
Wir haben uns für die Berliner Veranstaltung einen lokalen Bezug gesucht und marschieren von der Hasenheide, dem klassischen Beispiel für die ungelösten Drogenprobleme, zum Görlitzer Park. Die Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg Monika Herrmann hat ja letztes Jahr öffentlich darüber nachdenken lassen, ob man dort Coffee-Shops einführen könnte, um des illegalen Cannabis-Marktes im Park Herr zu werden. Im Moment geht der Trend eher wieder in die andere Richtung. Das gilt es zu kommunizieren – es kann nicht sein, dass jetzt wieder restriktive Flüchtlingspolitik im Vordergrund steht und nicht eine vernünftige Cannabis-Politik.

Was wären die Vorteile einer Legalisierung? ?
Jeder zweite 18-Jährige und jeder dritte 15-Jährige in Deutschland hat schon mal gekifft. Es ist demnach nicht so, dass das Verbot funktioniert. Die Legalisierung würde den Cannabiskonsum sehr schnell entmystifizieren und für Betroffene wäre es leichter, sich an Hilfsangebote zu wenden. Wir leben in einer Zeit, in der jeder, der wachen Auges durch die Welt geht, feststellen muss, dass das Hanfverbot mehr Schaden verursacht, als legales Cannabis je könnte. Es gibt Millionen Cannabiskonsumenten, obwohl jedes Jahr mehrere Hunderttausend Strafverfahren gegen Kiffer geführt werden. Meine Meinung ist, dass es gesamtgesellschaftlich sehr viele Kosten sparen würde, Cannabis zu legalisieren. Zusätzlich würde es eine Menge Steuereinnahmen bringen. Und es ist ja auch psychologisch für eine Gesellschaft nicht gut, wenn Millionen Menschen ständig damit leben müssen, dass sie Kriminelle sind, obschon sie niemandem schaden – das bringt kein gutes Verhältnis zum Staat.

Welchen Effekt erhoffen Sie sich vom GMM? ?
Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, möglichst viele Menschen, die sich bis jetzt mit der Frage „Cannabis legalisieren: ja oder nein?“ noch nicht beschäftigt haben, darauf aufmerksam zu machen, dass das Problem auch sie betrifft. Jeder Deutsche bezahlt pro Tag circa 20 Cent dafür, dass ich nicht kiffen darf. Und ich mache es trotzdem. Das ist ziemlich sinnlos und sollte schnellstmöglich geändert werden.

Interview: Lea-Maria Brinkschulte

Global Marijuana March Volkspark Hasenheide, 10.5., 14 Uhr

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