Stadtleben

Carsharing Modelle

NachbarschaftsautoEin Glasdach, durch das die Sonne scheint und Platz satt für Kinder und viel Gepäck: Der drei Jahre alte Skoda Roomster von Benito Felkel, 41, aus Karlshorst ist eine hübsche Familienkutsche. Viele Besitzer würden so ein Auto wie ihren Augapfel hüten: gucken, ja, verleihen, nein danke!
Doch Benito Felkel, ein Web-Designer, tickt anders, fand es unwirtschaftlich, dass der Wagen während der Woche oft ungenutzt herumstand und nur am Wochenende bei Familienausflügen zum Einsatz kam. Als er im Frühjahr 2011 von der privaten Berliner Carsharing-Plattform nachbarschaftsauto.de erfuhr, war für ihn schnell klar, dass er sein Auto dort zum gelegentlichen Gebrauch für Fremdfahrer anbieten wollte.

„Ich habe den Skoda jetzt rund 20-mal verliehen“, sagt Felkel, der dafür pro Stunde fünf, pro Tag 30 und pro Woche 150 Euro als Leihgebühr festgesetzt hat. „Schlechte Erfahrung habe ich noch keine gemacht. Das Auto wurde immer sauber und unbeschädigt zurückgegeben.“ Doch selbst wenn es mal zu einem Unfall käme, sorgt eine Zusatzversicherung einerseits dafür, dass Nutzer nur bis zu einer Eigenbeteiligungsgrenze, Autoanbieter andererseits aber auch keine erhöhten Versicherungsprämien zahlen müssen.
„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ – der Sparkassen-Slogan, mit dem einst ein Status definiert werden sollte, verliert bei Großstadtmenschen an Gültigkeit. „Studien haben belegt, dass junge Menschen weniger an eigenen Autos, dafür aber mehr an Kommunikationsgeräten interessiert sind“, sagt Christian Boris Schmidt, 30, einer der beiden Betreiber von www.carsharing-berlin.de, einer Carsharing-News-Plattform.

Tatsächlich haben Internet und Smartphones das Carsharing in der heutigen Form erst möglich gemacht. Verwalteten beim deutschlandweiten Carsharing-Pionier, der 1988 gegründeten Berliner Firma StattAuto, telefonisch erreichbare Mitarbeiter der Zentrale die Belegung der Autos, für die an reservierten Parkplätzen die Schlüssel in einem Tresor bereitgehalten wurden, so können Carsharing-Nutzer inzwischen per Smartphone unterwegs checken, wo in ihrer Nähe ein Auto bereitsteht. Anbieter wie DriveNow oder Car2Go gehen sogar noch einen Schritt weiter: Wer sich dort registriert hat, erhält eine Identitätskennung, mit der er freie, im Stadtgebiet geparkte Autos öffnen, starten und nach Benutzung irgendwo in der Stadt abstellen kann.
„Nach der Immobilie ist das Auto die teuerste Anschaffung, die Menschen normalerweise tätigen“, sagt Christian Kapteyn, 41, einer der vier Gründer von nachbarschaftsauto.de. Sogar der Allgemeine Deutsche Automobil Club (ADAC) hat kürzlich vorgerechnet, was Halter für einen Neuwagen, der im Jahr 15?000 Kilometer gefahren wird, unter Einbeziehung aller Kosten monatlich berappen müssen: Beim kleinen KIA Picanto sind es rund 328, beim großen Range Rover Sport 3.0 TD etwa 1?147 Euro.

Gerade in Großstädten mit ihren Dauerstaus und den knappen Parkplätzen empfinden vor allem junge Leute den Besitz eines Autos als Last. Nur für den Trip ins Umland oder zum Transport sperriger Gegenstände ist bei ihnen ein Auto vonnöten. „Der Vorteil beim Carsharing: Man kann auf einen breiten Fuhrpark zurückgreifen, vom Smart bis zum LKW“, sagt Christian Boris Schmidt, der im Rahmen von Carsharing-Modellen auch Elektroautos deutlich größere Chancen einräumt, die wegen ihrer höheren Anschaffungskosten und geringeren Reichweite für Individuen sonst nicht rentabel sind.
Schon skizziert der IT-Tüftler Zukunftsvisionen: etwa Mobilitätsmonatskarten, die die Nutzung von öffentlichem Nahverkehr, Carsharing oder Leihfahrrädern über eine gemeinsame Abrechnung beziehungsweise per Flatrate ermöglichen. „Meine Mehrgenerationenhauswohnung, meine Mobilitätsmonatsmarke, meine Solaranlage“, damit könnten Mitmenschen künftig prahlen.

nachbarschaftsauto.de
Private Autos überall in Deutschland leihen und verleihen das ist hier das Prinzip. Jeder Verleiher legt selbst seine Mietpreise fest, dazu kommt aber noch eine Zusatzversicherung von 9 EUR pro Tag, um eventuelle Schäden abzudecken ohne das die Schadensfreiheitsklasse des Verleihers steigt, die Selbstbeteiligung des Leihers liegt dennoch bei 500 EUR.

Greenwheels
Der Stattauto-Nachfolger Greenwheels setzt weiter auf Stationen, von denen es jedoch sehr viele im Stadtgebiet gibt. Auch die Gebührenstruktur hat sich vereinfacht: es gibt nur noch ein Jahres-Abo oder den Probe-Tarif. Bei 5 EUR Monatsbeitrag kostet die Ausleihe pro Stunde 2-3 EUR, der Tagespreis 22-29 EUR plus Kilometergeld. Das Probe-Abo kann noch bis 31.3. mit Gültigkeit bis Ende Juni 2012 abgeschlossen werden.

DriveNow
Bei DriveNow ist zunächst eine Anmeldegebühr von 29 EUR fällig. Dann heißt es: überall einsteigen – überall abgeben innerhalb und außerhalb des Geschäftsgebiets (S-Bahn-Bereich) in Berlin.Verliehen werden BMW und Mini, die Verleihgebühr rechnet sich nach Minuten: 29 Cent/min inklusive Benzin, Parken und Kasko mit 750 EUR Selbstbeteiligung.

Car2Go
Immer überall einfach einsteigen und losfahren lautet das Credo von Car2go, das ab Aprilauch in Berlin umgesetzt wird. Dann stehen 1000 Smarts stadtweit bereit. Kosten entstehen nur bei tatsächlicher Ausleihe: das können Minuten, aber auch Stunden oder Tage sein: Preise: Minute 29 Cent, Stunde 12,90 EUR, Tag 39 EUR; allerdings werden für die Anmeldung noch einmal 19 EUR fällig.

Cambio
Vom kleinen Stadtflitzer bis zum Kombi sind viele Auto-Modelle ausleihbar per 24-h-Telefonbuchung oder im Internet. Dann können die Fahrzeuge mit der Cambio-Card auf reservierten Parkplätzen abgeholt und auch wieder abgestellt werden. Auch  hier wird eine einmalige Anmeldegebühr fällit: 30 EUR. Die monatliche Grundgebühr beträgt 3 EUR, Ausleihe;  1,90 – 2,90EUR/Stunde; 23 – 37 EUR/Tag plus Kilometergeld. Man kann sich aber auch für eine höhere Grundgebühr bei günstigeren Leihtarifen entscheiden. Bis 30. Juni 2012 gibt es extra für Studenten einen günstigeren Einstiegstarif.

www.carsharing-berlin.de

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