Stadtleben

Die ander Stadt: Peking

Stadt„Wo sind denn nun die Menschenmassen?“ Freunde können auf Reisen anstrengend sein. Aber im Winter ist Beijing – ja, so heißt Peking richtig – weniger überlaufen. Millionen von Wanderarbeitern sind wieder daheim auf dem Land und müssen dort nach dem kurzen Olympia-Hype wohl auch bleiben. Es sind die ewigen Probleme Chinas: Arbeitslosigkeit und gravierende Unterschiede im Lebensstandard zwischen Stadt und Land. Angeblich soll darin aber potenzial liegen, wie hiesige Experten behaupten. 600 Millionen Landbewohner haben Nachholbedarf an ungezügelter chinesischer Konsumfreude.
Die kann jeder Tourist in einer der widersprüchlichsten Metropolen der Welt erleben. Uralte Historie neben im Zeitraffer entstandener Moderne: die Verbotene Stadt, aber die hypermoderne Einkaufsmeile Wangfujing direkt um die Ecke. Ein sagenhaft idiotensicheres U-Bahn-Netz, doch in den Hutongs, den alten Stadtteilen mit ihren einstöckigen Häuseranlagen, cruisen klapprige Fahr­rad-Rikschas.
Deshalb auch: Jeder findet seine Vorstellung, seine Illusion von China in der Hauptstadt wieder. Nur sollte keiner glauben, das wäre die ganze Wahrheit. Allein der Begriff des Kommunismus hat seit Mao Zedong eine sehr eigene, für Europäer schwer zu durchschauende Wandlung erfahren.
Allem Vorurteil zum Trotz ist aber wenigstens die Sprache, also Mandarin, gar nicht so schwierig. Einige Floskeln hat der Europäer schnell drauf: „Ni hao“ (Guten Tag), „Zaijian“ (Tschüss), „Xie xie“ (Danke). Das Schreiben und Lesen ist hingegen unerbittlich schwierig. Deshalb sind die hierzulande so beliebten Visitenkarten ganz wichtig. Damit können einem zum Beispiel Taxifahrer bei Desorientierung billig weiterhelfen. Dieses Kärtchen sollte mit beiden Händen überreicht werden – China ist voller Rituale, Glück oder Pech bringender Sitten und Gebräuche. Doch als Europäer bleibt man eh der Exot. Oder, uncharmant ausgedrückt: der Umgangsformendepp. Also stets den Humor behalten, ausdauernd freund­lich bleiben und sich immer wieder wundern über eine so ganz andere Kultur. Dann klappt das auch mit den Chinesen.
Denn selbst nach Olympia kommt es noch vor, dass die ländliche Bevölkerung Touristen mit offenem Mund beim Einkaufen von Jadeschmuck beobachtet. An­dererseits jedoch führt einen Henry, so nennt sich der chinesische Service-Mensch vom Hyatt, in seiner Freizeit durch das alte Diplomatenviertel – nur weil man nach dem Weg zum Court­yard, einem Treffpunkt des Beijinger Jetsets, gefragt hat. Was dagegen wohl allgemein bekannt ist: Essen spielt in China eine wichtige Rolle. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine so gute, frische Vielfalt an Speisen. Sogar die Restaurants in den Einkaufs­passagen schlagen alles an Qualität, was man bei uns als asiatische Küche kennt. Nur Vorsicht bei Garküchen und kleinen, improvisiert anmutenden Restaurants: Noch ist die letzte Vogelgrippe nicht sehr lange her.
Und die Menschenmassen, es gibt sie doch: in den gigantischen Supermärkten Carrefour und an Feiertagen in den Tempeln. Denn dann zünden Chinesen Räucher­stäbchen in allen Dimensionen an, für bessere Zeiten. Und das Ritual kann ja auch Europäern nicht schaden.

Text: Eva-Maria Hilker

wichtig zu wissen:

Anreise
Hainan Airlines fliegt viermal die Woche direkt von Berlin nach Peking. Kosten: rund 600 Euro (http://global.hnair.com).
www.sileigh.de organisiert alles für die Reise, auch das nötige Visum.

Unterkunft
Alle großen Luxus-Hotels sind vertreten und bieten auch günstige Tarife, z.B. das Apartment-Hotel Lee Garden für Gruppen, No. 18 Jinyu Hutong, Tel. +8610-65 25 88 55
www.lgapartment.com. Für den Luxus-Aufenthalt – oder kurzes Ausspannen in der Lobby: Raffles Beijing Hotel, No. 33 East Chang An Avenue, Tel. +8610-65 26 33 88, www.raffles.com. Tipp: Empfangs­chef John Spooner gibt bei einer Hausführung einen überraschend differenzierten Überblick über Chinas aktuelle politische Lage.

Essen & Trinken
Peking-Ente: Beijing Wangfujing Quanjude; No. 9 Shuaifuyuan Lane, Tel. +8610-65 25 33 10; innovative chinesische Küche: Courtyard, No. 95 Donghuamen Dajie, Tel. +8610-65 26 88 83; chinesische Haute Cui­sine bei Tiandi, No. 140 Nanchizi Dajie, Tel. +8610-85 11 55 56.

Clubs
D 22, Live-Auftritte von Bands (Punk und Britpop), No. 242 Chengfu Lu, Tel. +8610-62 65 31 77, www.d-22.cn; 13 Club, Live-Auf­tritte, eher Underground, No. 161 Chengfu Lu, Tel. 8610-82 61 92 13.

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