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Christiane Rösinger über „Liebe wird oft überbewertet“

Christiane_RoesingerFrau Rösinger, was kann man noch über Liebe schreiben, das nicht schon gesagt ist?
Über die Liebe an sich ist alles gesagt worden. Außer ein paar Soziologen hat aber niemand den Aspekt bearbeitet, dass sie total überbewertet wird, dass Liebe nur ein Konstrukt ist.

Eine steile These.
Man muss bei „Liebe“ unterscheiden: die Liebe zum Kind, Tier und Kunstwerk oder ihre groteske Überhöhung in der „romantischen Zweierbeziehung“ –  RZB. Weil Letztere fast nie funktioniert, aber als Ideologie so verzweifelt hochgehalten wird, muss man noch viel drüber schreiben, singen und reden.

Der Titel „Liebe wird oft überbewertet“ bezieht sich auf den gleichnamigen Song Ihrer Band Lassie Singers. Hat das Songschreiben Sie zu dem Buch bewegt?
Die bizarr-trostlose Welt der Pärchen hat mich schon früher beschäftigt. Im Song ist nicht genug Platz für Analysen, die etwas längere Form der Streitschrift bietet sich da an. Außerdem war ja in den letzten Jahren eine Rückkehr der sogenannten „Familienwerte“ zu beobachten.

Sie behandeln Vampirbeziehungen, Doku-Soaps, die romantische Liebe im 19. Jahrhundert und das Paarverhalten von Bergwühlmäusen. Ihr Versuch einer Bilanz?
Ursprünglich wollte ich ein Plädoyer für das Singledasein schreiben, eine Persiflage auf Beziehungsratgeber. Die sind aber sprachlich sehr langweilig und lassen sich nicht persiflieren. So habe ich in Tagebuchform zwischen den Exkursen von meinem Alltag berichtet und gezeigt, wie man trotz saisonaler Rückschläge gut alleine leben kann.

Hand aufs Herz, glauben Sie noch an die Liebe?
Vielleicht glaube ich noch an die Liebe, aber bestimmt nicht an die RZB! Lassen Sie mich einen meiner Songs zitieren: „Doch lieber als ein neuer Freund wär mir dann doch ein Hund“.    

Das Gespräch führte Jacek Slaski
Foto: aufgenommen von Christina Zück

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