• Stadtleben
  • Corona: Anspucken, anhusten – So asozial geht es auf Berlins Straßen zu

Kriminalität

Corona: Anspucken, anhusten – So asozial geht es auf Berlins Straßen zu

Eigentlich war es nur ein kleiner Weg um den Block, ein bisschen frische Luft. Nadine Schweiger* hatte sich im Wrangelkiez dann noch kurz mit einem Nachbarn unterhalten – „mit zwei Meter Abstand, natürlich!“ Auf dem Weg nach Hause dann der Schock: „Mir rotzte einer direkt vor die Füße. Absichtlich.“ Wird in Zeiten von Corona Anspucken der neue Machtbeweis von verhaltensauffälligen Vollidioten?

Corona: Anspucken und Anhusten? Eine Frau will sich schützen. Solche Fälle gibt es immer wieder.    Foto: Imago/panthermedia
Corona: Anspucken und Anhusten? Solche Fälle gibt es immer wieder. Foto: Imago/panthermedia

Tatsächlich gibt es bereits seit einigen Wochen immer wieder Berichte von Menschen, die absichtlich Menschen nahe kommen, sie sogar anhusten und anspucken. Bei Twitter finden sich User aus dem ganzen Bundesgebiet, die vergleichbare Geschichten teilen – wo oft auch ältere Menschen zu den Leidtragenden gehören.

Corona: Anspucken und anhusten neue Form der Straßengewalt?

Nadine Schweiger, selbst erst Ende 30, war „völlig geplättet“, als sie es selbst erlebte. Drei Teenager seien es gewesen, „noch keine Haar am Sack, aber spucken wie ein Lama“, schimpft sie. Breitbeinig seien sie auf sie zugekommen, kein Stück ausgewichen, hätten dann in ihre Richtung gespuckt. „Es war Glück, dass ich nichts abbekam.“ Sie sieht darin eine neue Form der Straßengewalt: „Anspucken statt Springmesser.“

Im Bekanntenkreis hörte sie ähnliche Geschichten, auch, dass die Polizei dies in den vergangen Wochen immer häufiger erlebt. „Das ist ohnehin schon eine herabwürdigende, eine missachtende Geste – jetzt mit Corona bekommt es eine neue Dimension“, sagt sie.

Zwei Freundinnen seien mit vergleichbaren Fällen konfrontiert worden – eine in Schöneberg, eine auf dem Fahrrad in Treptow. Zudem habe ein Mann an der Oppelner Straße laut über einen solchen Vorfall geschimpft. Offenbar hatte ihn just ein Passant angehustet oder -gespuckt.

Polizei wertet während Corona Anhusten als Straftat

Über die Frage, ob es sich dabei um eine Straftat handelt, kann gestritten werden. Tendenziell ist Anspucken im Bußgeldkatalog erfasst. Für eine Straftat müsste eine Körperverletzung nachgewiesen werden, oder zumindest eine beabsichtigte. Was wiederum entschieden werden könnte, sollte jemand jemanden infizieren wollen beziehungsweise bewusst das Risiko eingehen.

Die Polizei Mannheim informierte bei Twitter inzwischen sogar darüber, dass Leute anhusten eine Straftat ist – es seien dort bereits Fälle angezeigt worden. Eine Recherche des Deutschlandfunks ergab allerdings, dass bislang nicht viele gemeldete Fälle verzeichnet wären. Allerdings ist auch möglich, dass sich viele Menschen nicht die Mühe machen, solche Ereignisse überhaupt anzuzeigen.

Angespuckt und angehustet – viele asiatisch aussehende Menschen betroffen

Anfangs waren vor allem eine Gruppe Berliner von derartigen Übergriffen betroffen – asiatisch aussehende Menschen wurden wegen Corona Rassismus-Opfer, ein Opfer berichtete uns, wie es in der Bahn mehrfach angehustet wurde. Die Inderin vermeidet nun, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Auch Nadine Schweiger ist vorsichtig geworden. „Solche Vorfälle machen ja etwas mit dir im Kopf – da denkt man jetzt schon vor dem nächsten Weg nach draußen nach, ob das wieder passieren könnte.“

Die Polizei Berlin ist um eine Einschätzung der Situation gebeten worden, der Artikel wird später aktualisiert, sobald es eine Antwort gibt.


In unserem Themen-Spezial zu Corona beleuchten wir das Thema Pandemie aus allen Berliner Perspektiven. Die gegenwärtige Situation sorgt für einen Anstieg der Fälle häuslicher Gewalt. Die Soziale Isolation und #stayhome gut finden, ist ein Privileg.

Mehr über Cookies erfahren