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Corona-Krise: Was für Patchwork-Familien Ostern wichtig ist

Die Maßnahmen sind klar geregelt. Wegen Corona soll man auch an Ostern auf soziale Kontakte weitestgehend verzichten. Der Besuch bei den Großeltern soll ausfallen, doch was tun Patchwork-Familien in dieser Situation? Unsere Autorin Hanna Liesenfeld ist Ärztin in der Psychosomatik, sie gibt fünf Tipps, wie man in der Krise mit der Problematik sinnvoll umgehen kann

Corona und Familie. Zu Ostern werden Patchwork-Familien auf die Probe gestellt
Corona stellt Familien auf die Probe. Gerade zu Ostern werden vor allem Patchwork-Familien viel organisieren müssen. Foto: imago images / ZUMA Wire

Patchwork-Familien können sich trotzdem sehen

Je mehr Variablen eine Gleichung hat, desto schwieriger ist sie. Darum ist auch das Leben in einer Patchwork-Familie nicht immer einfach. Verschiedene Vorstellungen, Meinungen und Bedürfnisse, die es alle zu bedenken gilt. Wenn nun zusätzlich noch ein Virus zur Variablen wird, kann es schnell superkompliziert werden. Dann braucht es Sicherheiten. Zum Beispiel die Kernfamilie als Konstante. Und zu der gehören natürlich die eigenen Kinder. Egal, ob sie im gleichen Haushalt leben oder nicht.

Der Umgang mit beiden Elternteilen ist für Kinder wichtig und sollte auch in dieser Zeit beibehalten werden. Umgangsregelungen, die bestehen, gelten weiterhin, das hat auch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz erklärt. Wenn aber ein Teil der Patchwork-Familie in einer von der Pandemie besonders betroffenen Gegend wohnt, kann es sein, dass ein Besuch zeitweise nicht möglich ist. Dann kann man, zum Beispiel durch Telefonate, die Distanz digital vermindern. Videokonferenzen lassen sich – mit etwas Geduld – auch Älteren erklären. So sieht man sich wenigstens.

Situation regelmäßig re-evaluieren

Euphemistisch gesagt, fühlt sich die Realität aktuell ein wenig wie ein Corona-Kreuzworträtsel an. Man weiß kreuz und quer nicht weiter, man kniffelt und knobelt und sucht Antworten. Was unten rauskommt, weiß noch niemand. Was wir wissen ist, dass wir möglich wenig soziale Kontakte haben sollten. Da dies gerade in Patchwork-Familien besonders schwierig ist, gilt es die Lebenssituation regelmäßig zu hinterfragen. Beispielsweise wenn ein Kind Kontakt zu einem Corona-positiv getesteten Mitmenschen hatte oder wenn in einem Patchwork-Haushalt eine Risikoperson wohnt, für die eine Ansteckung besonders gefährlich wäre. Gerade bei Risikogruppen wie älteren Menschen, Immunsupprimierten und Vorerkrankten muss man den weiteren Umgang im Einzelfall entscheiden. Zur Entscheidungshilfe sollte man seinen Arzt oder das Gesundheitsamt befragen.

Gut kommunizieren (mit dem Kind und untereinander) 

Corona beschert uns aktuell eine Vielzahl an Fallzahlen und Fragezeichen, während gefühlt Fakten fehlen. Dass wir unser virales Gegenüber nicht gut einschätzen können, verunsichert uns. Und das, obwohl wir erwachsen sind, meist Zugang zu verschiedensten Informationsquellen besitzen und wahrscheinlich schon die ein oder andere Lebenskrise hinter uns haben. Wie mag es da Kindern gehen. Sie wissen nicht, was ein Virus ist und warum sie ein Elternteil nun vielleicht an anderen Tagen sehen als vorher. Deswegen ist es wichtig mit ihnen zu kommunizieren und zu erklären wieso. Gleiches gilt natürlich auch für die Eltern. Warum habe ich Angst, dass mein Kind Zeit beim Ex-Partner verbringt oder dass das Kind des neuen Partners zu mir nach Hause kommt? Bedenken gemeinsam besprechen, dann kann man leichter erkennen, welche irrational und welche real sind. Und bestenfalls Lösungen finden. 

Wege minimieren

Das Zusammenleben in Patchwork-Familien bedeutet häufig auch, zwischen Wohnorten zu pendeln. Um die Ansteckungsgefahr mit Corona möglichst klein zu halten, ist es hilfreich, Wege zu minimieren. Wenn zum Beispiel die Umgangsregelung für ein Kind, einen Tag unter der Woche und ein Wochenende in einem Haushalt vorsieht, wäre es besser das Wochenende um einen Tag zu verlängern. Das heißt, wann möglich längere Aufenthalte am Stück beim jeweiligen Elternteil und weniger herumreisen. Besonders wenn man das Kind mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B bringt. Denn da reist C vielleicht auch mit. 

Unterstützung annehmen

Zurzeit hat die Welt einen gemeinsamen Gegner. Eigentlich klein, aber groß in seinen Auswirkungen. So groß, dass er andere Konflikte in den Schatten stellen kann. Zum Beispiel den des Umgangs- und Sorgerechts, verständlicherweise ein emotionales und daher streitbares Thema für viele. Trotzdem tut man in dieser Zeit gut daran, wenn möglich, an einem Strang zu ziehen. Auch um sich gegenseitig zu entlasten und die Verantwortung der Kinderbetreuung auf mehreren Schultern zu verteilen. Denn in Krisenzeiten kann die Angst um Job und Gesundheit und das gleichzeitige Kümmern um Kinder zur Überforderung werden. Wenn dabei die Belastung größer wird als die Belastbarkeit, ist das gefährlich. Experten warnen vor einem Anstieg häuslicher Gewalt, der sich in vermehrt eingehenden Anrufen bei Hilfstelefonen schon abzeichnet. Beispielsweise unter der Nummer gegen Kummer bekommen Kinder wie Eltern telefonische Beratung. Um Überforderung zu minimieren, sollte man Unterstützung unbedingt annehmen.   


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