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Reise-blog

Corona-Rückreise: Deutsche Heimkehrer berichten

Die halbe Welt macht wegen Corona die Grenzen dicht. Deutsche im Ausland plagt die Ungewissheit: Komme ich noch nachhause? Geschichten über die Corona-Rückreise im Ausnahmezustand.

Deutsche, die sich im Ausland aufhalten, haben seit der Zuspitzung der Corona-Krise ein Problem...
Deutsche, die sich im Ausland aufhalten, haben seit der Zuspitzung der Corona-Krise ein Problem…
Foto: imago images / AAP

Sarah, von Indonesien nach Berlin-Tegel

Am 4. März trat ich meinen vierwöchigen Urlaub in Indonesien an. Geplant war, dass ich bis zum 31. März bleibe. Vor der Abreise äußerten schon einige meiner Freunde Bedenken hinsichtlich Corona. In Indonesien gab es zu diesem Zeitpunkt aber nur sehr wenige gemeldete Corona-Fälle.

Ich flog also über Amsterdam nach Singapur und dann weiter nach Denpasar. In der ersten Woche meines Aufenthalts war Corona in Indonesien noch kein Thema. Ich bin jedoch viel auf Twitter unterwegs und bekam dort mit, dass die Ausbreitung des Virus weltweit immer größere Wellen schlug. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit drei Freunden auf der abgelegenen, indonesischen Insel Sumba am Surfen.

Eine meiner Freundinnen erzählte mir, dass ihr Flug nach Australien storniert worden war. Sie wollte dort ihre Familie besuchen. Wir flogen alle kurzer Hand zurück nach Bali, da wir etwas beunruhigt waren und uns dachten, es wäre gut an einem Ort mit besserer Infrastruktur und einer besseren medizinischen Versorgung zu sein. In Bali hatten Mitte März noch viele Yogastudios und Restaurants offen. Die Meinung zum Corona-Virus teilte sich irgendwie in zwei Lager. Die einen nahmen die Lage sehr ernst, die anderen gar nicht. Das war irgendwie seltsam. Dann hörten wir, dass einige Flughäfen in Asien aufgrund des Virus schon geschlossen wurden. 

Ich buchte meinen Rückflug vom 31. März auf den 27. März um. Und wir trugen uns vorsichtshalber für die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes ein. Am 25. März wurde dann auf Bali der Feiertag Nyepi, Tag der Stille, begangen. An diesem Tag dürfen die Häuser traditionell nicht verlassen werden. Wir lasen auf Social Media, dass der Tag bzw. die Feierlichkeiten um einen Tag verlängert würden.

Anstehen vor einem Bio-Lebensmittelladen auf Bali.
Anstehen vor einem Bio-Lebensmittelladen auf Bali.
Foto: Sarah Weinknecht

Nach Nyepi wollten wir wieder zum Strand fahren – doch auf ganz Bali war eine Ausgangssperre verhängt worden. Die Strände waren abgesperrt und wurden bewacht. Einen Tag später ging schon mein Flug nachhause. Auch für meine Freunde war es der Tag der Abreise. Wir waren alle aufgeregt und updateten uns gegenseitig über den Status unseres Fluges. Zum Glück gab es bei meinem Flug dann keine Komplikationen. Ich flog also von Bali nach Jakarta nach Kuala Lumpur nach Amsterdam und schließlich nach Berlin.

Desinfektionsschleusen am Flughafen in Jakarta.
Foto: Sarah Weinknecht

Interessant war, wie verschieden die Situation an den einzelnen Flughäfen war. Der Flughafen in Jakarta war am besten „vorbereitet“. Dort war es sehr leer und man musste zur Desinfektion durch Schleusen laufen. Außerdem wurde allen Gästen, sowohl in Bali als auch in Jakarta, Fieber gemessen. In Kuala Lumpur dann wurde alles wieder zunichte gemacht und man wurde am Flughafen in einen kleinen, überfüllten Warteraum gepfercht.

Fluganzeige am Flughafen auf Bali: cancelled, cancelled, cancelled…
Foto: Sarah Weinknecht

Auch der Flughafen in Amsterdam war sehr leer. Ich glaube, ich saß in dem einzigen Flugzeug, das an diesem Tag startete. Das Flugzeugpersonal desinfizierte sogar die Luft mit Kartuschen. Ich landete dann in Tegel und dort war alles wie gehabt. Keine Vorsichtsmaßnahmen. Die Leute standen dicht gedrängt am Gepäckband.

Ich kann es nicht nachvollziehen, dass es keinerlei Kontrollen gab. Man müsste doch alle Daten haben, um zu überprüfen, woher die Reisenden kommen, und zumindest Sicherheitsvorkehrungen treffen. Man schränkt sich selbst ein aber so ein wichtiger Knotenpunkt wie ein Flughafen ist null vorbereitet. 


Update – Britta, saß seit Mitte März in Peru fest

Ich bin inzwischen wieder in Berlin angekommen. Meine Tochter hat beschlossen, noch in Peru zu bleiben. Die Rückreise war ein Abenteuer für sich.

Ich hatte uns beim Auswärtigen Amt für das Rückholprogramm eingetragen, da ich mir nicht sicher war, ob unser KLM-Flug gehen würde oder nicht. Eine Woche vor dem Rückflug kam dann eine E-Mail von KLM, in der stand, dass unser Rückflug storniert wurde. Das war zu erwarten, schließlich war der Flughafen geschlossen. Jetzt lagen alle meine Hoffnungen auf der deutschen Botschaft.

Die Informationspolitik der deutschen Botschaft in Lima war / ist vorbildlich. Es gab jeden Tag Updates per Mail und auf Facebook, wie der aktuelle Status der Rückholaktion ist. Am Donnerstag kam dann der erlösende Anruf zur Frühstückszeit in Lima. Wir könnten mit dem Rückholflug am Freitag mitfliegen. Ich hatte nicht gedacht, dass wir als Individualtouristen so schnell dran wären.

Meine Tochter entschied sich gegen den Rückflug. Sie wollte ihren Urlaub mit der Familie nicht verkürzen und außerdem ist der Semesterstart in Berlin eh verschoben. Dann lieber mit Ausgangssperre im peruanischen Spätsommer sein, als mit Kontaktsperre im kalten Berlin.

Ich nahm das Angebot der Botschaft an. Ich bekam noch am Nachmittag meinen Passierschein. Mein Schwippschwager, der ein Auto hat, besorgte sich eine Erlaubnis bei der Polizei, mich nach Lima fahren zu dürfen. Am Freitag früh ging es los. Während der Autofahrt nach Lima war ich sehr nervös. An jeder Straßensperre hatte ich Angst, dass sie uns nicht durchlassen würden. Aber es ging gut und kurz vor dem Sammelpunkt warf der Soldat nur ein Blick auf mich und sagte: „Ah, eine Deutsche für den Heimflug. Da vorne links.“ Und winkte uns durch.

Am Sammelpunkt wurden nochmal unsere Daten abgeglichen und dann wurden wir mit Bussen zum Militärflughafen gebracht. Dort bekamen wir handgeschriebene Bordkarten, den Ausreisestempel und dann wurden wir zum Flugzeug gebracht – einer Boeing 747 – 400 von der Lufthansa.

Das Flugzeug wurde von hinten nach vorne gefüllt und so landete ich in der Premium Economy Class, vorderste Reihe, mit extrem viel Beinfreiheit und einem bequemen Sitz. So bequem bin ich noch nie über den Atlantik geflogen.

Der Flughafen in Frankfurt wirkte gespenstisch. Es hatte etwas von einer Postapokalypse, dunkle Gänge, kaum Leute, nur ein laufendes Gepäckband, wo unsere Koffer drauf waren. Die ICE-Fahrt nach Berlin war auch im Rückholpaket enthalten. Der ICE war gähnend leer, nur ein paar weitere Rückkehrer waren an Bord. Die Schaffnerin machte sich nicht die Mühe uns zu kontrollieren.

Eine Sache bleibt: Der ICE hatte Verspätung. Wenigstens etwas Konstantes in dieser Zeit. Ich war noch nie so froh, in einem verspäteten ICE zu sitzen.
Ich hoffe nun, dass meine Tochter sich entscheidet, auch mit einem der nächsten Rückholflüge aus Peru auszureisen. KLM fliegt laut Webseite erst wieder im Mai.


Luisa, Von La Palma nach Berlin-Schönefeld

Anfang März flog ich mit einer Freundin nach La Palma.

Es erschien uns zu diesem Zeitpunkt noch als unwahrscheinlich, dass Corona in Deutschland zum Problem werden könnte. Mein Vater äußerte schon erste Bedenken aber ich wollte mir nicht meinen Urlaub nehmen lassen.

Die ersten Tage bekamen wir auf La Palma nichts von der Situation in Deutschland oder Spanien selbst mit. Wir konnten ganz normal Urlaub machen.

Mitte März hörten wir dann aus Deutschland von Freunden und Verwandten, dass dort erste Konsequenzen für die Öffentlichkeit gezogen wurden. Die Situation in Deutschland schien sich zu verschärfen, also schalteten wir auch hier mal die Nachrichten ein. Mein Vater empfahl uns, unseren Rückflug über Madrid in einen Direktflug umzubuchen. Ich dachte erst, das sei übertrieben. Am Abend las ich dann jedoch online, dass Madrid zum Hochrisikogebiet erklärt worden war und mir wurde bewusst, dass unsere Rückreise gefährdet sein könnte.

Kurzerhand buchten wir also doch einen Direktflug mit easyJet. Zwei Tage vor unsere Rückreise, am 15. März, wurde dann auf La Palma eine Ausgangssperre verhängt. Erst bekamen wir das gar nicht mit, wunderten uns nur, dass die Straßen so leer waren. Wir entdeckten dann, dass auch der Strand abgesperrt war und verbrachten unsere letzten beiden Urlaubstage zuhause. Einen Tag vor Abflug sah ich online, dass unser Flug gecancelt worden war. Wir mussten uns dann selbst auf einen sogenannten Rescue Flight umbuchen. Von der Airline erhielten wir jedoch keine Benachrichtigung – bzw. erst viel zu spät.

Ich bin mir sicher, viele Menschen werden die notwendige Information zur Umbuchung auf den Rescue Flight nicht mitbekommen haben. Da die Airline selbst gar nicht bzw. erst viel zu spät informiert hat.

Die Schlange am Flughafen war sehr lang. Alle hielten großen Abstand zueinander. Ich bekam mit, dass für manche Passagiere, darunter auch ältere Leute und Familien mit Kindern, kein Platz mehr im Flugzeug war. Wer die Umbuchung auf den Rescue Flight auf eigene Faust versäumt hatte, hatte also hier einen riesigen Nachteil.

Ich weiß nicht, ob seitdem noch Rescue Flights La Palma verlassen haben. Das Flugzeug war bei unserer Rückreise sehr voll.


Matthias, sitzt wegen des Lockdowns in Südafrika fest

Ich bin Kameramann und reiste am 13. März in Johannesburg, Südafrika, ein. In der ersten Woche bis zum 21. März begleitete ich eine internationale Reisegruppe in der Region Limpopo. Wir arbeiteten dort für ein Projekt, das die einheimischen Gemeinden unterstützt. Die Gemeinde lebt von den Gästen, die aus anderen Ländern kommen. Aufgrund des Shutdowns werden nun vorerst keine Gäste mehr kommen…

Mein zweiter Auftrag führte dann nach St. Francis Bay. Zu sechst hängen wir hier jetzt hier fest. Vor ein paar Tagen hieß es, dass wir aufgrund einer verordneten Quarantäne für die nächsten zwei Wochen das Haus nicht mehr verlassen dürfen.

Mein Rückflug war für den 18. April geplant, mit dem Einreisestopp für Deutsche nach Namibia wurde klar, dass mein drittes Projekt ins Wasser fallen würde. Ich legte also bei der Airline meinen Flug auf den frühestmöglichen Termin zur Rückreise, den 29. März, um. Am Lufthansa-Schalter in Johannesburg teilte mir die Airline-Mitarbeiterin mit, dass meine Inlandsflüge nach Port Elizabeth und wieder zurück nach Johannesburg wie geplant stattfinden würden. Damit ich am 29. März den Rückflug nach Deutschland würde wahrnehmen können. So weit, so gut.

Am Morgen des 22. März machte ich mich früher zum Flughafen nach Johannesburg auf, um einzuchecken. Mit Erschrecken stellte ich vor Ort fest, dass die Lufthansa die Flüge nach Port Elizabeth und zurück ohne mein Wissen anulliert hatte! Ich kaufte daraufhin die selben Flüge noch einmal und flog nach Port Elizabeth. Am Montag dieser Woche verhängte der südafrikanische Präsident dann den Shutdown für Südafrika. Die Airline cancelte den Rückflug nach Johannesburg. Ich versuchte meinen Rückflug am 29. März nochmals umzubuchen, doch nach 30 Minuten in der Leitung brach die Verbindung ab.

Hamstern für die dreiwöchige Quarantäne.
Hamstern für die dreiwöchige Quarantäne.

Gestern, Mittwoch, verschärfte sich die Situation zudem noch: Per Facebook-Aufruf verbreitete der deutsche Botschafter ein Update: Für die nächsten drei Woche soll der kommerzielle Flugverkehr von und nach Südafrika komplett eingestellt werden. Für alle Südafrikaner hat der Präsident ab Freitag für diese Zeit eine Ausgangssperre verhängt. Laut dem deutschen Botschafter werden zurzeit mit der südafrikanischen Regierung Rückführungsmaßnahmen geprüft.

Heute Morgen, am Donnerstag, checkte ich dann meinen Rückflug. Die Lufthansa hatte auch diesen annulliert, ohne mich zu informieren.

Wir haben uns nun schon ein paar Gedanken dazu gemacht, wie wir unsere Zeit hier überbrücken können. Unter uns ist ein Fitness-Coach, der uns in den nächsten Wochen fit machen will…

Vorerst der letzte Tag draußen: Auch in Südafrika herrscht der Ausnahmezustand.

Ich bin ziemlich perplex, da auf der Seite der Lufthansa „von höherer Gewalt“ die Rede ist. Ich habe keine Ahnung, ob ich mein Geld zurückerstattet bekomme. Ein Gast, der mit mir hier ist, sollte mit der Airline KLM zurückfliegen. Diese hat auf die Neuigkeiten des Shutdowns sofort reagiert und ihn benachrichtigt, dass sein Flug nicht verfällt und er ihn innerhalb der nächsten sechs Monate einlösen kann. Von der Lufthansa kommt nichts. Die Tochter eines Ehepaares, das mit mir hier ist, sagte uns, in Deutschland würden halbleere Maschinen von der Lufthansa landen.

Das Problem hier ist meines Erachtens auch die Situation in den Townships. Wenn der Virus dorthin gelangt, wird es heftig zur Sache gehen. Man muss wissen: Viele festangestellte Einheimische bekommen ihren Lohn jeden Freitag. Die meisten bekommen ihn jedoch sogar pro Abend. Sie leben von der Hand in den Mund. Diese Menschen sind in keinster Weise auf diesen Shutdown vorbereitet! Für viele wird während der nächsten Wochen der Lebensunterhalt fehlen, weil weniger gearbeitet wird. Unruhen und Plünderungen können die Folge sein…..


Clari, sitzt in Bogotá, Kolumbien, am Flughafen fest

*protokolliert von Rosanna Steppat

Wir befanden uns gerade in einem kleine Hostel auf einer kleinen Insel in der Nähe der kolumbianischen Stadt Cartagena, als uns eine Hostel-Mitarbeiterin mitteilte, dass Cartagena abgeriegelt würde. Jeder müsse sich in Quarantäne begeben und man müsste uns sofort evakuieren. Am nächsten Morgen um 6 Uhr mussten wir direkt ein Boot nach Cartagena nehmen. Dort hörten wir dann von der Ausgangssperre. Zwischen 18 Uhr abends und 7 Uhr morgens durfte niemand mehr das Haus verlassen. Zwei Tage später spitzte sich die Situation für uns weiter zu. 

Für Ausländer eine 14-tägige Ausgangssperre verhängt. Diese hätte auch auf unbegrenzte Zeit verlängert werden dürfen, hiess es. Daher brachen wir kurzfristig zum Flughafen nach Bogotá auf. Zuvor hatten wir schon versucht, Flüge nach Deutschland zu buchen. Wir wohnen in Berlin aber irgendeine deutsche Stadt als Destination hätte uns vorerst gereicht. Leider jedoch waren alle „bezahlbaren“ Flüge, bis maximal 1.500 Euro, schon während des Bezahlprozesses wieder vergriffen. Es gab Alternativflüge für Preise bis zu 12.000 Euro.

Bogotá ist wie ausgestorben. Alle Läden sind zu. Die Straßen sind leer.
Bogotá ist wie ausgestorben. Alle Läden sind zu. Die Straßen sind leer.
Foto: imago images / Xinhua

Dann haben wir einen einigermaßen bezahlbaren Flug von Bogotá buchen können. Am Flughafen stelle sich jedoch heraus, dass die Lufthansa alle Flüge bis Mitte April gestrichen hatte. Wir haben dann eine Nacht am Flughafen geschlafen. Das Problem: Nur Gäste, die einen bereits gebuchten Flug umgebucht hatten, wurden ins Flugzeug gelassen. Daher buchten wir dann einen Flug für Ende Mai, um diesen umzubuchen. Ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft ließ uns kurz darauf jedoch wissen, dass die Umbuchung nur möglich sei, wenn wir noch 4.000 Euro draufzahlen und erste Klasse fliegen würden… Es war einfach ein totales Chaos.

In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde der Flughafen komplett geschlossen. Wir versuchen an diesem Montag mit der Fluggesellschaft KLM noch irgendwie nach Frankreich oder Holland zu kommen. Da diese Länder wohl noch angeflogen werden. Wasserdicht ist diese Info jedoch auch nicht. Wenn es richtig schlecht läuft, müssen wir bis Mitte April hier bleiben.

Es gibt zum Glück ein paar Hostels, die zu einem Sonderpreis eine Unterkunft und drei warme Mahlzeiten am Tag anbieten. Bogotá ist wie ausgestorben. Alle Läden sind zu. Die Straßen sind leer. Man braucht Passierscheine, um sich auf der Straße aufzuhalten. Die deutsche Botschaft und das auswärtige Amt hier geben uns verschiedene, zum Teil widersprüchliche Auskünfte.

Hoffentlich schaffen wir es heute, Montag, irgendwie nach Deutschland.


Anna, seit Ende Februar in Porto-Alegre in Süd-Brasilien

*protokolliert von Rosanna Steppat

Ich bin mit meinem Mann, meiner einjährigen Tochter und meinen Schwiegereltern am 27. Februar nach Brasilien geflogen. Infos zu dem Corona-Virus gab es schon aber diese wurden von niemandem wirklich ernst genommen. Mein Mann ist Deutsch-Brasilianer, wir sind hier, um Verwandte zu besuchen, in Süd-Brasilien, Porto Alegre. Am 7. März waren wir hier außerdem zu einer Hochzeit von Freunden eingeladen.

Auf der Hochzeit war das Virus hier noch kein Thema. Was eigentlich ein bisschen ironisch ist: Als ich Ende Februar nach meiner Ankunft in Brasilien im Taxi saß, erzählte mit der Fahrer, dass es in dem lokalen Krankenhaus ein Gebäude gebe, das ausschließlich für Corona-Patienten zur Verfügung stehen sollte. Ich habe gedacht, das ist absurd und irgendwie übertrieben. Jetzt bin ich froh, dass es diesen Teil des Krankenhauses gibt…

Als wir den Ernst der Lage langsam mitbekamen, dachten wir erst, cool, wir bleiben zwei Wochen länger im Urlaub. Hier lief alles noch gut. Wir waren froh noch an den Strand zu können und das super Wetter zu genießen. Dann verschlimmerte sich die Situation auch hier. Ich habe den Eindruck, die Menschen in Brasilien haben den Ernst der Lage erst verstanden, als die chaotischen Zustände in Europa zunehmend durchsickerten. Jetzt sind hier alle Schulen geschlossen. Viele Menschen bleiben in ihrer Wohnung. So auch wir. Wir können unseren Aufenthalt hier nicht mehr genießen.

Vorgestern sollte dann mein Schwiegervater nach Deutschland fliegen. Er entdeckte durch Zufall, dass sein Flug auf der App der Airline nicht mehr verfügbar war. Er hatte keine Mail erhalten. Der Versuch, die Airline zu erreichen, gestaltete sich als sehr schwierig. Wir sind dann zum Flughafen gefahren, um es vor Ort zu klären. Sein Flug war tatsächlich storniert worden. Er hat dann am nächsten Tag einen Flug bekommen. Musste über einen Umweg über São Paulo reisen. Der Flug hatte aber Stunden Verspätung und er erzählte uns, dass er ohne triftigen Grund im Flugzeug nicht herumlaufen durfte. Zudem riet er uns Essen ins Flugzeug mitzunehmen, da es an Bord keine Verpflegung gab.

Auch unser Direktflug über Lissabon wurde storniert. Eigentlich hätten wir heute, Donnerstag, zurückfliegen sollen. Unser Ersatzflug sollte morgen, Freitag, auch über São Paulo gehen. Heute haben wir beim Online-Check-in erfahren, dass der Flug von hier, von Porto Legre, nach São Paulo, auch storniert wurde. Wir wissen jetzt nicht mehr, wie wir nach São Paulo kommen sollen.

Würden wir nur zu zweit reisen, wäre es nicht so schlimm. Mit einem kleinen Baby macht mir der Gedanke wirklich Stress, eventuell viele Stunden am Flughafen mit meiner kleinen Tochter verbringen zu müssen.

Wieso wir hoffen, dass wir zurück nach Europa kommen?
Auch wenn Europa zurzeit am stärksten von der Ausbreitung des Corona-Virus betroffen ist, ist nicht klar, ob das so bleibt. Wir kriegen mit, dass die Panik hier anfängt um sich zu greifen. In Europa gibt es Sozialsysteme, hier nicht. Viele Leute hier haben kaum Geld. Sie leben von der Hand in den Mund. Und wenn nichts mehr in die Hand kommt, ist schwer abzusehen, was passiert…


Bruna, Portugiesin, lebt in Berlin – Flucht aus Kolumbien

Freunde informierten mich Montag, es war der 16. März, dass Kolumbien die Grenzen schließt. Zuerst dachte ich, es wird schon nicht so schlimm. Es wurde ein Alptraum.

Montag, 19.30 Uhr: Schon in der Vorwoche hatte Kolumbien die Grenze zu Venezuela dicht gemacht. Ich hatte mich entschieden, einen Rückflug für Donnerstag von Kolumbien aus zu buchen.

21 Uhr: Die Nachricht mit der Grenzschließung bewahrheitete sich – alles zu bis Ende Mai, ab Dienstag. Ich hatte also noch drei Stunden. Die meisten Airlines sagten umgehend Flüge ab. Es ging nur noch darum, Einwohner vor dem Lockdown nach Kolumbien zu bringen.

„Wir werden sehen, wann ich es nach Berlin schaffe.“

22 Uhr: Es begann ein Rennen gegen die Zeit. Ich fuhr zum Flughafen in Medellín. Die meisten internationalen Flüge wurden bereits abgesagt, es wurde fast nur noch Domestic geflogen. Ich versuchte alle Airlines durch, in der Hoffnung, irgendetwas buchen zu können. Freunde halfen mir, aber online ging nichts. Kaum hatte ich einen Flug, wurde er abgesagt.

Es gab Flüge in die USA, nach Kanada, Mexiko – doch es gelang mir nicht, sie zu buchen. Als nächstes kam die Nachricht, dass Kanada dicht macht. Immer weniger Flüge tauchten auf, die Preise schnellten auf mehr als 2000 Euro. Ich rief die portugiesische und die deutsche Botschaft an. Ich hörte immer nur: Verlass schnell das Land! Portugal schlug mir Flüge mit Iberia vor, die es schon nicht mehr gab. Deutschland nahm meine Personalien für eine nicht näher bestimmte mögliche Rettungsaktion auf.

Gleichzeitig erfuhr ich, dass Kolumbien alle Menschen aufforderte, 14 Tage dort zu bleiben, wo sie sind.

Dienstag, 5 Uhr morgens: Ich konnte nach Bogotá fliegen, etwa eineinhalb Stunden später kam ich an.

7 Uhr: Der Flughafen war weniger chaotisch als befürchtet. Vielleicht würde mir die Flucht vor dem Lockdown gelingen. Allerdings waren an den Countern lange Schlangen – vor allem Europäer und Kanadier, die nur schnell weg wollten. Latam und Avianca waren die einzigen Airlines, die noch nach Europa flogen, Latam über Brasilien.

Ich hatte Glück. Ich erstand ein Ticket von Avianca, nach Madrid. Für mehr als 2.000 Euro, was nicht unbedingt erfreulich, angesichts der Umstände aber nun mal notwendig war.

12.57 Uhr: Flug nach Madrid, Berlin war von Kolumbien nicht möglich. Das ging glatt, der Flieger war ziemlich voll. Mit anderen Portugiesen teilte ich mir einen Mietwagen nach Portugal – denn der Flugverkehr zwischen Spanien und Portugal war ja bereits eingestellt. Wie ich gehört hatte, waren einzelne Flüge ab Madrid nach Deutschland nicht abgesagt. Immerhin. Aber ich hatte es nicht mehr vor, es darauf anzulegen.

Mittwoch, 18 Uhr: Endlich. Zuhause. In Portugal. Die Quarantäne kann beginnen. Wir werden sehen, wann ich es nach Berlin schaffe.


Lisa, seit Januar in Peru

*protokolliert von Rosanna Steppat

Um den Prozess des Kakao-Anbaus kennenzulernen, bin ich Anfang Januar nach Peru geflogen. Nach einer sechswöchigen Rundreise bin ich hier auf der Kakaofarm angekommen, wo ich seitdem arbeite. Während meiner ganzen Reisezeit, hat niemand über Corona gesprochen.

Erst letzte Woche wurden in Peru erste Fälle bekannt. Die Regierung reagierte ziemlich schnell. Als erstes wurden die Schulen geschlossen. Das sind sie auch noch bis auf Weiteres. Kurz darauf wurde ein Einreisestopp für Peru verhängt. Der mich ja erstmal nicht betraf.

Meine Rückreise wäre am 6. April gewesen. Jetzt bleibe ich erstmal hier.

Erst hatte ich keine Bedenken, dass es auch zu einem Ausreisestopp kommen würde. Da es mir hier sehr gut gefällt. Als dieser dann aber verhängt wurde, musste ich schon schlucken. Meine Rückreise wäre am 6. April gewesen. Jetzt bleibe ich erstmal hier.

Mittlerweile hat sich meine Nervosität gelegt. Ich bin der Meinung, dass mir nichts Besseres hätte passieren können, als hier „festzustecken“. Ich bin froh, dass ich den Wahnsinn in Deutschland nicht mitbekomme. Die leeren Supermärkte nicht nach Grundnahrungsmitteln durchsuchen muss.

Das kleine Dorf, in dem ich mich befinde, liegt über zwei Stunden von der nächstgrößeren Stadt Piura entfernt. Ich kaufe hier in einem kleinen Tante-Emma-Laden ein, der alles hat, was ich brauche. Mir fehlt es an nichts. Und die Menschen, bei denen ich hier lebe, sind sehr herzlich, sodass ich mich wohlfühlen kann.

Das kleine Dorf, in dem ich mich befinde, liegt über zwei Stunden von der nächstgrößeren Stadt Piura entfernt.

tip-Redakteurin Aida, von New York nach Berlin-Tegel

Letzte Woche Donnerstag, ein bekannter Indie-Buchladen in Manhattan. Die Auswahl ist gut kuratiert, es läuft Jazz, im Hintergrund klappert die Espressomaschine. Ich stehe an der Kasse, kaufe einen Kurzgeschichtenband. Mehr New York geht kaum. “Wo kommen Sie her?” fragt mich die Verkäuferin. “Deutschland”, antworte ich. Sie stutzt. “Oh, können Sie noch nach Hause kommen?” Ja, gute Frage. Und wollen wir das überhaupt?

Trump hatte am Abend zuvor mal wieder kryptische Ansagen gemacht. Einen Reisebann solle es geben, für Europäer, in die USA. Mein amerikanischer Onkel ruft mich an: “Flieg sofort zurück, unserem Gesundheitssystem kann man nicht vertrauen!” Meine Eltern widersprechen am Telefon: “Der Bann ist doch nur einseitig. Mach dir doch noch ein paar nette Tage und wasch deine Hände regelmäßig.”

Mein Freund und ich entscheiden uns zu bleiben. Zurück kommt man ja sowieso. Ich komme zwar bei der Hotline von Lufthansa nicht durch, aber beim Online-Check ist mein Rückflug offenbar nicht vom Corona-Chaos betroffen. Und ob ich jetzt hier rumhänge oder in Berlin, ist ja auch irgendwie gleich – oder?

Aber innerhalb von wenigen Stunden eskaliert die Situation zusehends: während wir im Museum sind, werden wir herausgebeten – der Laden wird vorzeitig dicht gemacht. Dann meldet sich die Fluggesellschaft und deutet kommende Annullierungen an. Und zuletzt kommen wir nicht mal im Supermarkt durch, weil die Schlange bis raus auf die Straße geht – zwei Stunden Wartezeit bis zur Kasse. Die Panik greift wie eine Welle um sich, auch bei den sonst so coolen und durch nichts zu erschütternden New Yorkern. Definitiv Zeit zu Gehen.

Zuhause suchen wir nach Flügen, doch kaum klicken wir einen bezahlbaren an und geben unsere Daten ein, springt der Preis plötzlich auf das Zehnfache. Aus 300 Dollar werden plötzlich 3.500. Telefonisch ist Lufthansa natürlich immer noch nicht zu erreichen, auch nach über zwanzig Versuchen nicht. Auf Twitter wird mir vom Kundendienst geraten, es weiter zu versuchen. Ja, danke für gar nichts.

Irgendwann finden wir eine Verbindung für den nächsten Abend: mit Polish Airlines, über Warschau nach Berlin. Wir verlieren eine Stange Geld, aber das ist jetzt auch egal. Und vor allem: wir sind weg, bevor der immer noch unklare Reisebann installiert ist.

Corona-Rückreise: Die U-Bahn-Stationen in New York City sind recht leer.
Unwirkliche Stimmung – auch in der New Yorker U-Bahn.
Foto: imago images / ZUMA Wire

Am nächsten Tag herrscht eine unwirkliche Stimmung auf den Straßen: die U-Bahnen sind nicht leer, aber bedeutend weniger voll als sonst, alle reiben sich die Hände sekündlich mit Desinfektionsgel ein und an Mitbringsel kaufen ist nicht mehr zu denken. Klamottenläden machen ihre Umkleiden aus Corona-Vorsorge dicht, andere Geschäfte machen gar nicht mehr auf. Es fühlt sich alles ein bisschen nach John Carpenters Film “Flucht aus New York” an, nur ohne die Anarchie, die Morde und ohne Kurt Russell. Zum Glück. Zwei Frauen laufen an uns vorbei: “Ich sag dir, wenn Mutter Erde uns alle vernichten will, sollten wir sie lassen!”

Am Flughafen läuft der Nachrichtensender CNN von fast jedem Bildschirm, Donald Trump ruft gerade den bundesweiten Notstand aus. Puh, gerade noch rechtzeitig weggekommen, denke ich mir. Freund*innen posten Fotos von langen Schlangen vor Waffenläden in Kalifornien. Amerika halt. Im Flugzeug gibt es kein vegetarisches Essen, die Filmauswahl ist auch mies, aber alles egal. Hauptsache nach Hause. In Polen angekommen dürfen wir nicht aussteigen – erst müssen wir alle ein Formular mit unseren Kontaktdaten ausfüllen, dann kommen Soldaten, die die Temperatur jedes einzelnen Passagiers messen.

Was passieren würde, wenn man Fieber hätte? Man will es sich gar nicht ausdenken. Fünf Minuten später schickt das polnische Gesundheitsministerium eine SMS aufs Handy: “CORONA-ALARM!” Schreck, war jemand auf unserem Flug infiziert? Nein, es ist nur ein Link zu der Corona-Infoseite des Ministeriums. So kann man Leute auch beruhigen. Nicht.


tip-Redakteurin Rosanna, von Zürich nach Berlin-Tegel

Am Montag-Nachmittag war der Flughafen Zürich nicht wiederzuerkennen. Ich war auf der Corona-Rückreise von einer viertägigen Skireise – die dann doch keine wurde, da alle Schweizer Skigebiete kurz nach meiner Ankunft den Betrieb einstellten.

Auf dem Bahnhofsgleis des Flughafens zuckte ich beim Aussteigen zusammen: Hatte ich den Ausstieg verpennt? Wieso war niemand zu sehen? Ich konnte doch nicht richtig sein?! War ich aber.

Corona-Rückreise: Der Flughafen Zürich war wegen der europäischen Grenzschließungen fast leer.
Der leergefegte Flughafen Zürich.

Auf dem Weg zu den Gates begegnete mir vielleicht eine Hand voll Menschen. Der sonst stark frequentierte Flughafen Zürich lag wie ausgestorben da. Jede*r, der oder die mir entgegenkam, suchte Blickkontakt. Verunsicherte, aber freundliche Blicke wurden ausgetauscht.

Einige lange Treppen führten mich dann zu meinem Gate. Kein Stimmengewirr, keine Durchsagen. Am Gate selbst, eine halbe Stunde vor dem Boarding nach Berlin-Tegel, saß außer einer älteren Frau niemand. In der großen Halle hörte ich das leise Surren des Getränke-Automats.

Bis zum Einstieg kamen noch gut zehn Personen am Gate zusammen. Anders als sonst, wurde die Identität durch eine Namensliste abgeglichen. Das Gefühl in einem schlechten Apokalypse-Thriller mitzuspielen wandelte sich im Flugzeug dann zum Guten: ohne Ende Platz und kein Drängeln und Warten beim Ein- und Ausstieg. Darauf erstmal ein kaltes Corona.


tip-Redakteurin Ina, von New York nach Berlin-Tegel

Zwei Tage bevor ich aus New York wieder nach Berlin fliegen sollte, verkündete der amerikanische Präsident Donald Trump ein Einreiseverbot für Europäer in die USA. Man hatte den Ernst der Lage also auch dort realisiert. Und für mich begann die Corona-Rückreise.

Ab dann waren nicht nur gefühlt sämtliche New Yorker Supermärkte im Ausnahmezustand, auch am Tag des Inkrafttretens schien ein Großteil der Bewohner die Stadt verlassen zu wollen. Auf dem Weg zum Flughafen Newark kam das Taxi nicht voran. Der Fahrer sprach über das Cororna-Virus, die Lage in seinem Heimatland Türkei und den erfrischenden Limettenduft seines Desinfektionsmittels, dass er großzügig mit mir teilte.

Foto: imago images / UPI Photo

Ich war eher damit beschäftigt, traurig über den Abschied zu sein. Was mich am Flughafen erwarten könnte, war mir egal. Tatsächlich erwartete mich auch nichts Außergewöhnliches. Nur einige Aufklärungsschilder zu Covid-19, einige Menschen mit Gesichtsmasken – kein Chaos, keine Panik. Und weil es so warm war an diesem Tag in New York, packte ich meinen dicken Pulli und meinen Schal noch schnell in den Koffer, würde ich ja sicher nicht brauchen, dachte ich. Ich sollte es bereuen.

Kurz vor Abflug teilte die Stewardess mit, dass die Innentemperatur des Flugzeugs niedrig gehalten wird. Das würde die Ausbreitung von potenziellen Viren besser unterbinden. Man dürfe jederzeit um eine zweite Decke bitten, was bei dem pergamentdünnen, handtuchgroßen Teil auch bitter nötig war. Kein Corona – aber dafür eine Erkältung? Vielleicht hatte die stundenlange Frostkur tatsächlich ihr gutes, denn bisher wurde ich von beidem verschont.


Britta, auf Familienbesuch in Peru

Ich sitze zur Zeit in Peru fest. Wir (meine Tochter und ich) sind Anfang März hier angekommen und wollen planmäßig Anfang April zurück nach Berlin. Eigentlich wären wir gerade in Chile, aber dort hätten wir in Quarantäne gemusst, außerdem hat die peruanische Regierung gestern die Grenzen dicht gemacht.

Seit gestern dürfen wir das Haus nur für notwendige Besorgungen (einkaufen, Apotheke, Arzt) verlassen. Die Maßnahme gilt jetzt für die nächsten 15 Tage. Wir haben insofern Glück, dass wir hier Familie haben und in einem Haus in Chaclacayo, einem Vorort von Lima, sitzen und nicht in einem Hotel. Wir wissen derzeit nicht, ob und wann wir hier raus kommen.

In Peru sprießen die Falschinformationen und Verschwörungstheorien zum Corona-Virus.
In Peru sprießen die Falschinformationen und Verschwörungstheorien zum Corona-Virus.
Foto: imago images / ZUMA Wire

Bevor der Notstand ausgerufen wurde, hat die peruanische Regierung bereits angekündigt, dass für 30 Tage keine Flüge aus Europa oder Asien ins Land dürfen. Die deutsche Botschaft kann uns bisher keine Informationen zu Rückführungsflügen geben. Von unserer Airline KLM haben wir bisher auch keine Auskunft darüber bekommen, ob unser Rückflug stattfindet oder nicht.

Hier in Peru sprießen die Falschinformationen und Verschwörungstheorien. Auf den Märkten nutzen die Händler die Situation  aus und haben die Preise deutlich erhöht. In den Supermärkten sind Toilettenpapier, Öl, Zucker und Reis ausverkauft. Das verschärft die Situation vieler Peruaner, die jetzt nicht arbeiten dürfen und damit kein Einkommen haben.

Eine soziale Absicherung wie in Deutschland gibt es hier nicht. Heute ist hier ziemlich viel Aufregung in der Straße, weil im Nachbarhaus ein Infizierter gelebt hat. Jetzt wird das ganze Haus desinfiziert und die Straße ist voller Polizei. Selbst der Bürgermeister von Chaclacayo läuft hier herum. Hier im Haus selbst sitzen wir mit der ganzen Familie vor dem Fernseher oder surfen auf unseren Handys im Internet.


Der Berliner Fotograf Willem Thomson, seit Anfang Februar auf Teneriffa

*protokolliert von Rosanna Steppat

Für ein Foto-Projekt bin ich Anfang Februar nach Teneriffa geflogen. Corona war auch da schon ein Thema aber die Auswirkungen waren noch nicht großartig spürbar. Anfang März wäre eigentlich mein Rückflug gebucht gewesen, ich verlängerte meine Reise jedoch um zwei weitere Wochen.

Dann kam der Shutdown in Spanien. Zwei Tage zuvor hatten sich die Nachrichten zu Corona schon gehäuft und ich habe meinen Flug kurzerhand storniert. Warum? Für mich war schon vorher absehbar, dass eine ähnliche Quarantäne-Situation auch in Deutschland ansteht.

Und wahrscheinlich behalte ich Recht. Berlin ist auf dem besten Weg dorthin. Während dieser Zeit möchte ich nicht in der Großstadt sein. In Berlin ist die Ansteckungsgefahr auch höher. Zwar darf ich mein Apartment nicht mehr verlassen – außer zum Einkaufen – aber in dem kleinen Ort – Puerto Cruz ist eine Hafenstadt mit rund 35.000 Einwohnern, ich befinde mich in einem hügeligem Vorort – habe ich mehr Ruhe und eine Sonnenterrasse.

Ich hatte gehofft, noch joggen gehen zu können. Leider nicht mehr erlaubt. Der Pool ist ebenfalls seit heute geschlossen und ich sehe nur noch wenige Menschen draußen herumlaufen. Die, die draußen sind, tragen eine Einkaufstüte oder haben einen Hund an der Leine.

Der Fotograf Willem Thomson in seinem Apartment auf Teneriffa.

Die Spanier hamstern aber nicht. Hier gibt es noch alles. Vor dem Supermarkt ist Einlasskontrolle, wie in einem Berliner Club. Am Eingang steht ein Supermarktmitarbeiter, der darauf achtet, dass ein Mindestabstand von 1 Meter eingehalten wird. Es dürfen nur wenige Menschen zugleich hinein.

Tagsüber fahren kleine Mobile durch das Dorf. Grüngekleidete Menschen (Polizei Personal) und Jeeps (Militär) mit Schutzmasken verkünden per Lautsprecher in verschiedenen Sprachen, dass man zuhause bleiben soll.

Jeden Abend um 18 Uhr stehen die Spanier dann auf ihren Balkonen, klatschen und pfeifen. Ihr Applaus gilt dem medizinischen Personal und allen Helfern. Ihr Applaus schallt dann durch das Tal zwischen den Hügeln.

Ich behalte trotzdem die Organisation meiner Rückreise im Hinterkopf. Es ist sehr schwierig, hier eine öffentliche Stelle zu erreichen, die einem Informationen liefert. Mal schauen, wie ich das geregelt bekomme. Ich habe zwar ein super Apartment mit Bergblick und Sonnenterrasse und zahle nur 33 Euro pro Nacht. Aber irgendwann summiert sich auch das. Ich verdiene hier ja gerade kein Geld, das würde ich in Berlin allerdings momentan genauso wenig.


tip-Werkstudentin Hannah, seit Mitte März auf Bali

*protokolliert von Rosanna Steppat

Mit einer Freundin und meinem Freund bin ich Anfang März nach Singapur gereist. Die Situation war da noch entspannt. Wir konnten jedoch nicht in eine Shopping-Mall oder ein Museum gehen, ohne dass uns Fieber gemessen wurde.

Keine Einreise mehr nach Singapur für deutsche Staatsbürger*innen.
Foto: imago images / ZUMA Press

Mitte März wurde dann bekanntgegeben, dass keine deutschen Staatsbürger mehr in Singapur einreisen dürfen. Für uns ging es dann weiter nach Bali. Wenige Tage nach unserer Ankunft änderten sich auch dort die Umstände.

Touristen wurden angehalten, die umliegenden Inseln zu verlassen. Der Bus-Verkehr wurde eingeschränkt und die Yoga-Studios geschlossen. Zurzeit sind wir in einem Resort, außer einer Familie sind kaum mehr Touristen hier.

tip-Werkstudentin Hannah wurde vom Ernst der Lage auf Bali überrascht.

Wir haben uns jetzt einen sehr teuren Flug nachhause gebucht. Über Singapur dürfen wir nicht mehr reisen, da wir uns in den letzten 14 Tagen in Deutschland aufgehalten haben. Auch über Istanbul gibt es keine Möglichkeit. Die Turkish Airlines fliegen Deutschland nicht mehr an. Über Doha, die Hauptstadt von Katar, soll der Transit noch möglich sein. Wir hoffen, dass dem auch so ist. Und dass wir dort nicht festsitzen…

Berlin plant, eine Notfall-Klinik zu eröffnen – alle Corona-News im Berlin-Blog. Die schönsten und bemerkenswertesten Bilder aus Corona-Berlin haben wir hier zusammengestellt. Wer trotzdem auf ein Sozialleben hofft: So kommen Sie auf Distanz zusammen.

Beitragsbild: imago images / STPP

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