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Zweite Welle

Corona-Schnelltests: Berliner Ärztehaus setzt auf Ferndiagnostik für Zuhause

Corona-Schnelltests sollen künftig in Altersheimen und Pflegeeinrichtungen zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Für den Privatgebrauch sind die Antigen-Tests bisher nicht zugelassen.

Ein Berliner Ärztehaus setzt jetzt auf Ferndiagnostik, damit auch Privatpersonen auf legalem Weg einen Selbsttest machen können – und schnell Gewissheit haben. Das Prinzip ist einleuchtend, es gibt aber auch kritische Stimmen.

Corona Schnelltest kein Risiko, wenn Patient*innen den Abstrich zuhause selber durchführen
Corona-Antigen-Schnelltest: „kein Risiko, wenn Patient*innen den Abstrich zuhause selber durchführen“ Foto: Imago Images/xcitepress

Immer noch nicht genug Corona-Tests – können Schnelltests die Antwort sein?

Zwischenzeitlich hatten wir in Berlin wieder die Vorzüge eines fast normalen Lebens zu spüren bekommen, dann ging es wieder mit großen Schritten rückwärts, ein kleiner Lockdown traf Stadt und Land. Die Situation der Pandemie ist ernster denn je, die Corona-Testkapazitäten sind zunehmend erschöpft. Wer den Verdacht hat, sich infiziert zu haben, muss immer noch häufig auf einen Test warten.

Das Thema Corona-Schnelltests wird für die Pandemie-Bekämpfung entsprechend immer relevanter. Der Drogeriemarkt dm verkauft neuerdings Corona-Antikörper-Tests für daheim. Eine akute Infektion wird durch einen Antikörper-Test jedoch nicht nachgewiesen. Der Antikörper-Test sucht lediglich nach bereits gebildeten Corona-Antikörpern und gibt demnach an, ob man schon mit dem Virus infiziert war.

Corona Schnelltest Corona-Antikörper-Test von cerascreen im Online-Shop der Drogeriemarkt-Kette dm: Auch durch ein negatives Testergebnis sind die Zweifel nicht ausgeräumt.
Corona-Antikörper-Test von cerascreen im Online-Shop der Drogeriemarkt-Kette dm: Auch durch ein negatives Testergebnis sind die Zweifel nicht ausgeräumt. Foto: dm online

Wer sich mit akuten Symptomen auf Corona testen lassen möchte, darf noch keinen Selbsttest an sich durchführen – und wartet bekanntermaßen manchmal Tage auf seinen Test-Termin und das Ergebnis.

Dass die existierenden Corona-Schnelltests, die bestehende Infektionen nachweisen, nicht für den Privatgebrauch zugelassen sind, liegt am Infektionsschutzgesetz. Das verbietet „In-vitro-Diagnostika an Laien abzugeben, die dem direkten oder indirekten Nachweis einer meldepflichtigen Erkrankung dienen.“ Derzeit gibt es den PCR-Test und den viel diskutierten Antigen-Test.

PCR-Test ist der „genauere“ Schnelltest

Der „genauere“ der beiden Corona-Schnelltest, der PCR-Test, weist das genetische Material des Virus‘ zu 99,5 Prozent nach, benötigt hierfür jedoch große, hochmoderne Analyseautomaten und eignet sich daher ohnehin nicht als Selbsttest für daheim. Einige wenige Labore in Deutschland bieten PCR-Tests trotzdem schon auf Basis der Ferndiagnostik an. Der/die Patient*in entnimmt aus dem zugesandten Test-Kit ein Wattestäbchen, führt den Rachenabstrich zuhause selber durch und sendet das Stäbchen in einer konservierenden Lösung dann ins Labor.  

Der sogenannte Antigen-Schnelltest ist weniger komplex auszuwerten, liefert ein Ergebnis bereits in Minuten, wird aufgrund seiner „geringeren“ Aussagekraft von rund 95 % jedoch kontrovers diskutiert.

Um schnellere Testungen zu ermöglichen und das medizinische Personal zu entlasten, bietet das Berliner Ärztehaus CityPraxen Berlin die Antigen-Schnelltests jetzt jedoch auch für Privatverbraucher*innen an.

Abstrich zuhause kein Risiko: „Wir können sehen, ob ein Test regulär durchgeführt wurde“

Antigen-Schnelltests für zuhause könnten für die Pandemie-Eindämmung immer relevanter werden. Grafik: City Praxen Berlin

Auf der Website heißt es; „Was tun, wenn die Kinder verschnupft von der Schule nach Hause kommen (…) und man nun selbst ein Kräuseln in der Nase verspürt? Die Lösung kann der Coronavirus Antigen-Schnelltest für zuhause sein. Mit einem Wattestäbchen wird ein Rachenabstrich durchgeführt und das Ergebnis liegt sofort vor.“

Die CityPraxen Berlin verkaufen Corona-Antigen-Tests seit Kurzem für rund 45 Euro für den Privatgebrauch. Das Test-Kit wird innerhalb weniger Stunden nachhause geliefert. Den Nasen-Rachen-Abstrich nehmen die Patient*innen zuhause selbst vor, die Auswertung des Testergebnisses erfolgt durch eine*n Arzt*in mittels Ferndiagnostik.

Ein positives Testergebnis hat auf diese Weise eine tatsächliche Aussagekraft von 95 %, obwohl der Test nicht von geschultem Personal durchgeführt wurde – denn im Rahmen der Ferndiagnose agiert der/die Patient*in sozusagen „als verlängerter Arm des Arztes“, betont der leitende Arzt der City Praxen Berlin, Dr. Heinz R. Zurbrügg.

Test für daheim: Arzt vergleicht Vorgehen mit Diabetes-Test

Zurbrügg ist überzeugt von der Methodik und plädiert dafür, dass Antigen-Schnelltests vermehrt als Selbsttests für Privatleute eingesetzt werden sollten: „Genauso wie Diabetiker ihren Blutzucker selber bestimmen oder Frauen den Schwangerschaftstest zuhause durchführen, können auch die Coronavirus-Schnelltests von den Patienten als Selbsttest zuhause durchgeführt werden.“

Das Risiko einer falschen Testdurchführung und eines somit falschen Ergebnisses sieht der Arzt nicht. Auf den Handyfotos, die der/die Patient*in an die Praxis verschicke, sei genau ersichtlich, ob ein Test „regulär“ durchgeführt wurde, sagt er. Liegt ein positives Testergebnis vor, wird der/die Patient*in von den Ärzten angewiesen sich in Quarantäne zu begeben und der Fall wird dem Gesundheitsamt gemeldet.

Das Angebot der CityPraxen Berlin, Antigen-Tests für Privatverbraucher*innen auf Basis der Ferndiagnostik anzubieten, ist bisher europaweit einzigartig. Bestellungen erhält das Team der CityPraxen Berlin laut Zurbrügg mittlerweile schon aus Österreich, der Schweiz und Belgien.

„Die Corona-Schnelltests haben eine hohe Sensitivität“

Zurbrügg betont, dass die anhaltende Skepsis gegenüber der Antigen-Schnelltests unangebracht sei. Er vergleicht die Debatte mit jener über die Mundschutze. Letztendlich hätten sich Mundschutze im Kampf gegen die Pandemie jetzt als unabdingbar etabliert.

Über die existierenden Corona-Schnelltests herrsche ein falsches Bild vor: „Der Antigen-Test hat eine hohe Sensitivität. Patient*innen können einem positiven Ergebnis zu 95 Prozent vertrauen. Wenn ein Test positiv ausfällt, ist dies doch besser, als hätte sich der/die Patient*in gar nicht testen lassen und möglicherweise weitere Menschen infiziert.“

Ob es nun um Corona-Tests beim Arzt oder einen Schnelltest wie den Antigen-Test geht: Ein negatives Testergebnis muss im Falle einer Corona-Testung immer mit Vorsicht behandelt werden. Denn der Zeitpunkt der tatsächlichen Infektion spielt eine große Rolle und es ist möglich, dass im Moment der Durchführung die Virenlast noch nicht groß genug ist.

Infektiöses Material: „Point-of-Care-Tests sind nichts für zuhause“

Das Robert-Koch-Institut äußert sich auf Anfrage nicht zu den Antigen-Schnelltests und verweist lediglich auf die öffentlichen „Hinweise zur Testung“ auf der Webseite des RKI.

Cornelia Wanke, Geschäftsführerin des Interessenverbandes der akkreditierten medizinischen Labore in Deutschland, möchte zu dem konkreten Angebot der CityPraxen Berlin keine Stellung beziehen, betont aber: „Corona-Schnelltests sind nichts für den Gebrauch zuhause. Abstriche müssen von Ärzten oder speziell geschultem Fachpersonal genommen werden. Da es sich um infektiöses Material handelt, müssen hier entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.“

Ein COVID-19 Antikörper-Testkit zum Eigentest im Privat-Einsatz. Foto: Imago Images/MiS

Diese Argumentation überzeugt Dr. Heinz R. Zurbrügg von den CityPraxen Berlin nicht: „Wir fordern die möglicherweise infizierten Patient*innen ja nur zu einem Eigenabstrich auf.“ Dass der- oder diejenige in dem Moment mit eigenem infizierten Material in Berührung komme, ändere ja nichts mehr an der Situation.

Nach Zurbrüggs Meinung gibt es keinen direkten Grund Corona-Antigen-Schnelltests der breiten Öffentlichkeit vorzuenthalten. Der Selbsttest zuhause sei auch für Laien schnell und einfach durchzuführen. Er verweist auf die Webseite der großen deutschen Laborkette Synlab, wo detaillierte Informationen zum Selbstabstrich des Rachens gegeben werden.

Diese seien zwar nicht für den Coronavirus-Antigen-Schnelltest, sondern für den PCR-Test vorgesehen. Vom Prinzip her mache das aber keinen Unterschied, so Zurbrügg. Den Unterschied mache die Auswertung des Tests.


Corona in Berlin: Diese Regeln gelten im Rahmen des zweiten Lockdowns ab dem 2. November 2020 in Berlin. Möglicherweise infiziert? Wo und wie kann man in Berlin einen Covid-19-Test machen? Wir haben die Übersicht. Wer sich in Quarantäne befindet oder Tipps für die Zeit des Lockdowns sucht, sollte unsere Tipps für die Zeit allein zuhause lesen.

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