Stadtleben

Das andere Weihnachtsfest

baumFür Abenteurer und Vergnügungssüchtige

Heiligabend
Mittags
Nackt steht das Bäumchen in der Ecke, mit nichts bedeckt außer grünen Nadeln. So ist es gut. Das Tannenkleid ist dieses Jahr nämlich eine Überraschung. Geschmückt wird mit allem, was in der Wohnung herumfliegt: Socken (bitte frisch gewaschen), Alufolie oder bunte Plastikbecher (Foto oben). Kleiner Tipp: Tampons sind keine schlechte Schneeimitation.

Abends
Von wegen „Ich weiß doch eh, was ich geschenkt bekomme“. Warum nicht an Heiligabend mit Freunden wichteln – um die verschiedenen Präsente wird gewürfelt. Mit etwas Glück hält man das riesige Päckchen in den Händen, mit etwas Pech das obligatorische Paar Socken von Mutti. Danach geht es durch Berlins Seitenstraßen. Alte Kaschemmen und Eckkneipen sind das Ziel, Bierlokale wie das Ohne Ende im Graefekiez. Ähnliche Orte finden sich in jedem Bezirk. Mit den Stammgästen teilt man sich als heiliges Mahl ein paar Berliner Buletten und Schnäpse.

Nachts
Der ultimative Kreischer! Um es an Heiligabend auf die Spitze zu treiben, besucht die Berlinerin die Ladies Night im Adagio. Die Tür öffnet um 22 Uhr.

Ohne Ende Dieffenbachstraße 36, Kreuzberg, Tel. 80 61 98 15

Adagio Marlene-Dietrich-Platz 1, Mitte, Tel. 25 89 89 0, www.adagio.de

rummelsnuff1. Weihnachtstag
Morgens
Was miaut da? Klar, ist nur ein Hirngespinst, aber tut weh. Rollmops, kleines Alster oder ein halber klarer Schnaps helfen, den
lästigen Kater zu vertreiben.

Mittags
Nichts wie raus an die frische Luft und auf dem Flughafen Tempelhof die letzten nebligen Schwaden aus dem Gehirn pusten. Das geht am besten, indem ein paar Runden auf der Rollbahn gedreht werden – mit Inline-Skates, Fahrrad oder beim Streetsurfen. Der Magen wird später im Brachvogel gefüllt – für Hyperaktive ist nebenher noch eine Runde Minigolf drin.

Nachmittags
In Russland ist es eine Art Volkssport und im Süden von Neuseeland macht man es im Juni und nennt es Polar Plunge: der Sprung ins eiskalte, winterliche Wasser (Foto unten). Also warum nicht auch in Berlin? Einfach ein paar Freunde zur Mutprobe am Schlachtensee zusammentrommeln – wenn er nicht zugefroren ist. Oder vielleicht doch lieber im Spreewaldbad gemächlich ein paar Wellen reiten?

Abends
Was hat ein Chinese mit Risiko zu tun? Wenn es das Restaurant gegenüber der chinesischen Botschaft ist, dann eine ganze Menge. Dort gibt es all die schrecklich-schönen Köstlichkeiten, die Europäern den Schweiß auf die Stirn treiben. Abenteuerlustige Gäste lesen nur die chinesische Speisekarte und wählen auf gut Glück – so entsteht ein ganz persönliches Weihnachtsmenü, mit Spezialitäten wie Tausendjährigen Eiern oder Hühnerkrallen.

Nachts
Bevor es gegen 23 Uhr in die Tiefen der Nacht geht und im High Fidelity Club im Soda bis in die Puppen getanzt wird, gibt es einen Aperitif der besonderen Art im Lanninger. Dort säbelt der Kellner die Champagnerflasche mit einem Schwert auf.

Brachvogel Carl-Hertz-Ufer 34, Kreuzberg, Tel. 693 04 32, www.brachvogel-berlin.de

Spreewaldbad Wiener Straße 59, Kreuzberg, Tel. 69 53 52 10, www.berlinerbaederbetriebe.de

Ming Dynastie Brückenstraße 6, Mitte, Tel. 30 87 56 81, www.ming-dynastie.de

Lanninger Abion Hotel, Alt-Moabit 99, Moabit, Tel. 39 92 07 98, www.lanninger.de

Soda Club Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Tel. 44 31 51 55, www.soda-berlin.de

bar_nachts2. Weihnachtstag
Morgens
Vor dem Power-Frühstück im Regent steht erst mal eine Sightjogging-Tour mit dem Head Concierge des Regent Hotels an. Gerne auch an diversen Sehenswürdigkeiten vorbei.

Mittags
Noch mehr Action! Auf dem Weihnachtsmarkt zwischen Jannowitzbrücke und Alexanderplatz steht ein Kettenkarussell, das 50 Meter in die Höhe steigt. Wer sich lieber wie ein Passagier in einem abstürzenden Flugzeug fühlen möchte, dem sei zum Pendelarm geraten. Der saust nach ein paar Kapriolen in luftiger Höhe 50 Meter hinab – im freien Fall.

Nachmittags
Unter Insidern wird diese Rodelbahn als Knochenpiste angepriesen: Im Grunewald am Teufelsberg saust der Schlitten einen steilen Hang hinab in die Tiefe. Wenn aber der Klimawandel für weihnachtlich-grüne Wiesen sorgen sollte, dann geht es auf den Potsdamer Platz – auf die künstliche Rodelbahn.

Abends
Rien ne va plus. Im Tauro herrscht das Glücksspielfieber. Die Roulette-Kugel entscheidet über den Preis des Essens. Vielleicht klappt es ja mal mit der grünen Null – das heißt: Das Essen war auf Kosten des Hauses.

Nachts
Stolpernd geht es in die derzeit angesagteste Western-Bar der Stadt. Im Stagger Lee stürzt man gegen 24 Uhr mit Bier, Whiskey und hochdosierten Cocktails aus Weihnachten raus. Und noch ein paar Stunden rein in die Nachweihnachtszeit.

Regent Hotel Charlottenstraße 49, Mitte, Tel. 20 33 61 10, www.theregentberlin.com

Tauro Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg, Tel. 40 05 60 48, www.tauro-berlin.de

Stagger Lee Nollendorfstraße 27, Schöneberg, Tel. 29 03 61 58, www.staggerlee.de

Text: Wiebke Heiss

Fotos: Judith Triebel/HIPI, The Regent, Rummelsnuff 

Weihnachten für Großstadtflüchtlinge und Naturfreunde

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