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Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma wird eingeweiht

DenkmalfuerSintiRomaEin Brunnen mit einer versenkbaren Stele, die sich täglich mit einer frischen Feldblume hebt und senkt. Das ist das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Aus von Bäumen verdeckten Lautsprechern erklingt ein Geigenklang, ein gebrochener Ton. Texttafeln informieren über den Genozid.
20 Jahre nach Beschluss des Bundestags und vier Jahre nach Baubeginn wird nun am 24. Oktober das Denkmal des israelischen Künstlers Dani Karavan eingeweiht – mit einer Veranstaltungsreihe.
Dieser Erinnerungsort in der Scheidemannstraße in Mitte, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Reichstagsgebäude, ist für Romani Rose, den Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, ein besonderes Zeichen der Ehrung der Opfer – und ein Signal, dass Sinti und Roma Teil dieses Landes und seiner Geschichte sind. Dass es 20 Jahre bis zu seiner Realisation dauerte, hat dabei mehrere Ursachen: Streitigkeiten um die Inschrift, die streckenweise schwierige Kommunikation zwischen Behörden und Künstler sowie die Insolvenz einer Baufirma. Nun aber ist es soweit.

Die Veranstaltungsreihe zur Eröffnung spiegelt die Vielfalt der Kultur der Sinti und Roma wider, die integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft ist. „Idealerweise stoßen wir damit gesellschaftliche Meinungsbildungsprozesse an“, sagt Armin Ulm, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. So liest zum Beispiel Petra Rosenberg, die Schwester der Sängerin Marianne Rosenberg, am 21. Oktober, 18 Uhr, in der Galerie Kai Dikhas im Aufbau-Haus aus den Erinnerungen ihres Vaters Otto Rosenberg, der den Holocaust überlebte. Zuvor, um 11 Uhr, stellt in der Galerie eine Podiumsdiskussion Medienprojekte vor, die sich mit Vergangenheit und dem Antiziganismus von heute beschäftigen.

Ebenfalls am 21. Oktober um 18 Uhr geht ein Kindertheaterstück unter der Regie von Nada Kokotovic über die Bühne des Grips Theaters im Podewil. Und in der nach Johann „Rukeli“ Trollmann, einem deutschen Sinto, benannten Boxhalle am Kreuzberger Marheinekeplatz liest am 22. Oktober Roger Repplinger aus seiner Doppelbiografie über den „arischen“ Fußballstar Otto „Tull“ Harder und eben den Boxers Trollman.
Johann Trollmann gewann 1933 den Deutschen Meistertitel im Halbschwergewicht. Sein ungewöhnlicher Boxstil wurde jedoch als „undeutsch“ gebrandmarkt. Die Nationalsozialisten verhinderten Titel und Karriere, deportierten ihn ins Konzentrationslager. Dort begegneten sich die beiden Sportidole – Trollmann als Häftling, Harder als SS-Kommandant des Lagers. Johann Trollmann wurde 1944 im Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme ermordet.
Vor der Lesung bieten Boxer des Boxclubs Minden unter der Leitung von Oswald Marschall einen Schaukampf. Marschall ist ehemaliger Nationalstaffelboxer. Ihm kommt es bei seiner Arbeit auf die Vermittlung von Respekt und Verantwortung an.
Eine Haltung, die ihn mit allen Protagonisten der Veranstaltungsreihe eint. Im Gespräch mit ihnen, erzählt Armin Ulm, sei immer eines zentral: „Es darf nicht vergessen werden, was geschah, damit es niemals wieder geschieht.“ 

Text: Katrin Falbe

Denkmal weiter: Kulturveranstaltungen zur Einweihung des Holocaust-Denkmals in Berlin
diverse Orte, Fr 19.10. – Fr 25.10.,
www.sintiundroma.de/zentrum/denkmal-weiter.html

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