Stadtleben

Jan Bredack – Der Bessermacher

Jan_Bredack_DvB“Ich war wie fast alle Berufsanfänger – karrieregeil.“ Wenn Jan Bredack diesen Satz sagt, klingt er abgeklärt. Ungeschönt bringt er auf den Punkt, um was es ihm ging: „Macht und Geld.“ Jan Bredack war Manager bei Daimler. Als „Macher“ beschreibt er sich selbst. “Ich habe Dinge bis zum Ende durchgezogen – auch, wenn dafür mal Blut spritzen musste.“

Am Ende seiner schier unaufhörlichen Verbissenheit stand die Diagnose der Gutverdiener: Burnout. Gezwungenermaßen ging Bredack in Therapie und nahm sich eine Auszeit. Durch eine neue Frau in seinem Leben wurde der Manager schließlich Vegetarier. Doch Bredack ist kein Mann für halbe Sachen. Vegetarisch reichte nicht. Nur eine vegane Lebensweise war für ihn konsequent: keine tierischen Produkte zu konsumieren.

Mit neuer Energie probierte er einen Daimler-Zweitstart in Russland, wo unter seiner Leitung ein neues Werk entstand. Doch sein Herz hing bereits an einem anderen Projekt: Bredack plante die erste vegane Supermarktkette in Europa. 2011 eröffnete der erste “Veganz“-Supermarkt in Prenzlauer Berg. 6?000 Artikel umfasst das Sortiment – bei Veganz soll eine vegane Lebensweise nicht mit Verzicht assoziiert werden. Mittlerweile existieren deutschlandweit vier Filialen, es werden ?stetig mehr.

Dass Bredack es geschafft hat, das Daimler- und das Veganz-Projekt gleichzeitig zu stemmen, verdankt er in seinen Augen den grünen Rohkost-Smoothies, von denen er sich zwei Jahre lang ausschließlich ernährte. Auch heute isst er nur Rohkost: “Ich sehe jünger aus, werde nicht mehr krank und brauche weniger Schlaf.“ Dank der Smoothies schlief er zeitweise nur drei Stunden und fühlte sich trotzdem erholt.
Inzwischen lebt er nur noch für Veganz.

Seine Verbissenheit ist dieselbe wie zu Daimler-Zeiten. Doch der Ansporn ist ein anderer. Obwohl die Veganz-Kette schwarze Zahlen schreibt, zahlt er sich selber wenig Gehalt aus, während seine Mitarbeiter fair bezahlt werden. “Geld soll für mich keine Motivation sein“, erklärt er. Lieber will er die Welt verbessern. Jan Bredack trägt heute keine Anzüge mehr, sondern Jeans und Kapuzenpulli. An seinem Ruf als Macher hat sich trotzdem nicht viel geändert. Nur Blut muss nicht mehr spritzen.

Text: Rebekka Wiese

Foto: David von Becker

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