Stadtleben

Der Gebet-Automat

Im Himmel ist wahrscheinlich das bessere Klima, in der Hölle hat man mit Sicherheit die bessere Gesellschaft, sagt man so.
Wen diese Alternative abschreckt, sie geradezu plaphemisch findet, derm hilft vielleicht der Gebetomat, den Oliver Sturm zusammen mit dem bildenden Künstler Till Exit hergestellt hat. Er will diesen Automaten tatsächlich völlig unironisch als Prototypen verstanden wissen, den er später einmal auf öffentlichen Plätzen, U-Bahnhöfen und Kaufhäusern, Flughäfen und Universitäten aufstellen will. Man geht also hinein, wirft Geld in den Automaten und kann sich auf einer Benutzeroberfläche (Touchscreen) Gebete aus aller Welt und fast allen Religionen heunterladen. Dann kann man mitbeten, sich was vorbeten lassen, und hoffen, daß die Gebete erhört worden sind, wenn ein Warnton ertönt, der davon kündet, daß für das eingeworfene Geld nicht mehr religiöse Äußerungen zu erwarten sind.


Es ist schon erstaunlich, daß Oliver Sturm in seiner Mitteilung sein eigenes Werk gleich als Schrott bezeichnet, das er mit einer ordentlichen Portion Kunstanspruch versieht: „Der Automat stellt eine eine Art spirituelles Fast Food dar, soll aber im Gestus ernsthaft und ganz unironisch daherkommen. Ich halte die – dem Denken Andy Warhols verwandte – Idee einer automatenhaft herstellbaren Erzeugung religiösen Gefühls für einen sehr zeitgenössischen Gedanken.“


Großartig ist allerdings die Überzeugungskraft auf öffentliche Geldgeber für das schwachsinnigste Machwerk des Jahres. Er hat Geld dafür bekommen von den ARD Hörspieltagen und dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie. Gefördert wurde es darüber hinaus aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.


Und nun wird die perverse Gebetsmühle auf dem Weihnachtsmarkt der Sophiensaele 29.11. – 22.12.2008 aufgestellt als Teil des Festivals „Dein Wort in Gottes Ohr“. Halleluja
Wo das Geld bleibt, das in den Automaten eingeworfen wird, wird sich zeigen. Wahrscheinlich wird es für einen guten Zweck ausgegeben getreu dem wahrlich unchristlichen Motto: Brot für die Welt – die Wurst bleibt hier.

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