Stadtleben

Der „Urbanian Run“ im Olympia Park

Halbmarathon- und Marathon haben ausgedient. Das glaubt zumindest Reebok-Markenchef Matt O’Toole. In einem Interview mit dem Handelsblatt prognostizierte er kürzlich: In Zukunft laufen die Leute Hindernisläufe. Die Statistiken geben ihm Recht: Während es 2010 bei Hindernisläufen weltweit gerade mal 50?000 Teilnehmer gab, ist ihre Zahl nun auf 3,4 Millionen angestiegen. Der StrongmanRun am Nürburgring war im vergangenen Jahr innerhalb von nur drei Tagen ausverkauft. „Und der Peak ist ganz sicher noch nicht erreicht“, sagt Florian Riepe von UFA Sports. Er ist Organisator des Urbanian Run, einem neuen Lauf-Event, das Großstadtabenteuer verspricht. Die Kulisse hierfür wird der Olympiapark sein, der am 12. April zum Hindernisparcours umfunktioniert wird. Container, parkende Autos, Baugerüste, Quarter Pipes, Dächer – den Teilnehmern werden ausschließlich solche Objekte in den Weg gestellt, die ihnen auch in der Stadt begegnen. Mit dem Unterschied: Diesmal sollen sie nicht umgangen, sondern erklommen werden.
Die Idee dazu stammt aus England. 2008 hatte Riepe dort selbst an einem Rennen teilgenommen, dem Tough Guy Race. Er wurde 1986 von einem englischen General entwickelt, der früher Spezialeinheiten ausgebildet hatte. Dementsprechend militärisch und schmutzig geht es zu. Da Matschkuhlen zu durchrobben oder in eiskalte Tümpel zu springen nicht jedermanns Sache ist, legen Riepe und sein Team mit dem Urbanian Run nun eine gezähmtere Version vor. „Jeder, der eine gewisse Grundfitness besitzt, kann den Lauf schaffen“, sagt Riepe. Den Reiz von solchen Rennen schreibt er vor allen Dingen ihrer Ganzheitlichkeit zu: „Der Urbanian Run fordert Geschicklichkeit, Kraft, Mut und Strategie. Außerdem setzt man dabei den ganzen Körper ein.“
Zusätzlich zum sturen Geradeauslaufen noch eine weitere Herausforderung zu haben, ist auch für Carlsson Howe einer der wesentlichen Gründe, beim Urbanian Run mitzumachen. „Ich bin seit etwa 15 Jahren aktiver Läufer. Zur Vorbereitung baue ich jetzt Hindernisse in meine Strecken ein, nehme Treppen mit oder springe über Bänke. Das macht die Sache definitiv abwechslungsreicher.“ Der Teilnehmerin Jasmina Berger geht es beim Urbanian Run bisweilen noch um eine ganz andere Sache: das Miteinander. Denn im Gegensatz zu Marathons zählt bei Hindernisläufen weniger der Sieg als das gemeinsame Erleben. Jeden Samstag trifft sich Jasmina mit einem Dutzend anderer Frauen vom Nike-Lauftreff Club der Töchter im Volkspark Friedrichshain, um gezielt für den Urbanian Run zu trainieren. „Der Spaßfaktor ist uns am allerwichtigsten. Wir gehen da nicht so verbissen ran. Es ist einfach schön, sich als Gruppe gemeinsam so einer Herausforderung zu stellen.“
Mit seinem pragmatischen Ansatz, der Idee, einfach als Trainings-Tool zu nutzen, was sowieso schon da ist, trifft der Urbanian Run den Nerv der aktuellen Fitnesstrends. Ob Crossfit, Tabata oder Bodyweight Training – sie alle kommen ohne viel Equipment aus und setzen zu großen Teilen auf die Arbeit mit dem eigenen Körpergewicht. Damit erinnern sie ein Stück weit an den Sportunterricht der 50er- oder die Trimm-Dich-Pfade der 70er-Jahre. Ihre zugrunde liegenden Fitnesskonzepte sind also eher ursprünglich und aufs Wesentliche reduziert. Trainieren wird so jederzeit und überall möglich. Das macht diese Sportarten vor allem für all jene attraktiv, die viel unterwegs sind und wenig Zeit haben. Also für alle.

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Urbanian Run
Olympiapark Berlin, Charlottenburg, 12. April;
Start: 15 Uhr, Infos und -Anmeldung unter
www.urbanianrun.com;
der tip verlost zehn Startplätze. Einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Urbanian Run“ an [email protected] schicken. Einsendeschluss:
21. März

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