Stadtleben

Der Zurückhaltende

C.Bach

 

Dieser Blick lässt einen nicht los. Er hat etwas Durchdringendes, Kämpferisches, deutet aber gleichzeitig auch Verlorenheit und ein verletztes Inneres an.

Es ist genau dieser Blick, der einem in allen Filmen mit Christoph Bach auffällt. Ohne große Gesten offenbart der Schauspieler so diese Ambivalenz seiner Figuren und bleibt damit nachhaltig in Erinnerung. Dennoch agierte der 32-Jährige bislang noch immer in der zweiten Schauspielerreihe. Trotz Dutzender Fernseh- und Kinofilme – darunter mehrere „Tatort“-Folgen und Franka Potentes Regiedebüt „Der die Tollkirsche ausgräbt“ – ist Bach noch keinem größeren Publikum bekannt. Das könnte sich aber schon bald ändern, wird er doch demnächst als Studentenführer Rudi Dutschke zu sehen sein.

C.Bach Erfahrung mit Kämpfernaturen hat Bach bereits. Egal, ob als DDR-Flüchtling Stefan im Fernsehfilm „Prager Botschaft“ über die Ereignisse kurz vor dem Mauerfall oder als Herumtreiber Karl, der sich in dem mehrfach prämierten Film „Katze im Sack“ durch das Leipziger Nachtleben schlug. Dabei drängt sich Bach allerdings nie auf den ersten Blick auf, sondern entwickelt seine Stärke aus dem zurückhaltenden Spiel und verleiht seinen Figuren auf diese Weise Glaubwürdigkeit und Kraft. „Ich will nicht so viel vorführen und zeigen“, erklärte Bach einst in einem Interview seine Herangehensweise. Er wolle den Zuschauern Raum für eigene Interpretationen und Imaginationen geben. „Deshalb versuche ich als Schauspieler, nicht alles zu kommentieren. Ich nehme mich im Spiel so weit wie möglich zurück.“

Für Bach selber war die eigene Vorstellungskraft der Zugang zur Schauspielerei: Er wuchs in Gomaringen, einem kleinen Nest nahe Tübingen auf, wo es nur Kuhwiesen und Wald gab, wie er mal erzählte. So pittoresk es dort auch war, Bach flüchtete sich in seine Fantasie. Bereits im Schultheater entdeckte er sein Talent, sich in andere Welten und Figuren hineinzufühlen, trat nach dem Abi am Theater in Heidelberg auf und begann dann Ende der 90er nach einigen Semestern Germanistik sein Schauspielstudium an der Berliner Hochschule der Künste. Seitdem stand er regelmäßig auf der Bühne und vor der Kamera und gewann 2003 den Förderpreis Deutscher Film als bester männlicher Hauptdarsteller für sein Spiel in dem Roadmovie „Detroit“.


Nun folgt also die Rolle des Rudi Dutschke. 40 Jahre nach dem Attentat auf die Symbolfigur der deutschen Studentenbewegung produziert das ZDF unter der Regie von Stefan Krohmer („Sommer ’04“, „Sie haben Knut“) einen aufwendigen Spielfilm über das Leben Dutschkes und lässt in dem Dokudrama auch Zeitzeugen wie dessen Witwe Gretchen und Berlins ehemaligen Bürgermeister Eberhard Diepgen zu Wort kommen.

C. Bach
Bei einem ersten Pressetermin in einem alten FU-Hörsaal in Dahlem sieht Bach mit seiner Lederjacke und dem Seitenscheitel Dutschke tatsächlich ähnlich. Auch die Bewegungen und die Sprechweise stimmen überein. Doch was bedeuten ihm, dem Nach-68er, diese Rolle und der Studentenführer? Dazu äußert sich Bach so, wie er spielt: eher zurückhaltend: „Für mich war es in der Intensität natürlich ein Kennenlernen mit der historischen Figur Dutschke“, erklärt er kurz. Außerdem sei es für ihn als Darsteller „der Versuch, sich vom Menschen Rudi Dutschke ein möglichst plastisches Bild zu machen“.


Mehr war nicht zu erfahren. Große Worte liegen dem Schauspieler Bach offenbar ebenso wenig wie große Gesten. Erste Ausschnitte aus dem Film, der voraussichtlich Ende dieses Jahres ausgestrahlt wird, ließen dennoch Bachs Stärke hervorschimmern. „Herr Brandt wird sich nicht vor uns verstecken können“, ruft der Film-Dutschke 1964 bei einer Demo energisch. Und da ist es auch schon wieder: das Kämpferische und zugleich In-sich-Gekehrte in Bachs Blick.

Text: Aliki Nassoufis

 

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