Stadtleben

Die 100 peinlichsten Berliner 2012

Ponader_JohannesJohannes Ponader: Sandalnudel
Falls es eines real existierenden Beweises bedurfte, dass ein hoher Intelligenzquotient (Einserabitur!) nicht davor schützt, eine Knalltüte zu geben: Ponader stünde bereit – der Mann, dem man zutraut, die Piraten nur kraft seiner öffentlichkeits- verstörenden Außenwirkung unter jede Fünfprozenthürde zu drücken. Als twitternder Talkshowgast in Sandalen und mit zahlreichen anderen skurrilen Auftritten war er sogar seiner eigenen Partei derart unangenehm, dass sie ihm vorübergehend ein Medienverbot erteilte. Der politische Geschäftsführer der Bundespiraten informiert nämlich vor laufenden Kameras gern über seine polyamouröse Lebenseinstellung oder verheißt jedem ein bedingungsloses Grundeinkommen. Nicht zuletzt sich selbst. Komisch nur, dass seine Parteifreunde die für ihn unter Piraten gestartete (und später gestoppte) Crowdfunding-Spendenaktion nicht kapierten, mit der Ponader seinen lauten Abschied von der Jobcenter-Kohle querfinanzieren wollte. Wahrscheinlich waren die schlicht zu doof dafür.

Foto: imagostockpeople/Mueller-Stauffenberg

Micaela_SchaeferMicaela Schäfer: Sichtbetonbusen
Vor Micaela Schäfers selbstverständlich stets total spontanen Entkleidungsanfällen ist nichts und niemand sicher. In der Dschungelprüfung suchten selbst Kriechtiere angesichts ihres nackten, mit Silikon ruhiggestellten Betonbusens das Weite. Und beim Promiboxen rekonfigurierte zur Abwechslung mal nicht ein Chirurg ihr Antlitz, sondern eine gewisse Indira Weis. Befreit von den Fesseln der Rechtschreibung, schreibt Schäfer nun auf ihrer Homepage, wie sie zu „richtit“ konstruktiven Talkshows eingeladen wird, um über Absturz zu reden. Und was sie machen „werden“, falls „der Hype“ um „micht“ nachlässt: „Angst vor der Zukunft habe ich nicht.“ Wir aber, Frau Schäfer. Und wie!

Foto: RTL/StefanMenne

Kool_Savas_Xavier_NaidooKool Savas und Xavier Naidoo (Xavas): Hetzer
In einem ohnehin unfassbar geschmacklosen, von üblen Gewaltfantasien durchsetzten Song setzen Xavier Naidoo und Kool Savas („Xavas“) auch noch Kindesmissbrauch mit Homosexualität gleich: „Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?“ Der Heidelberger Exil-Berliner Savas versuchte das hinterher sogar zu begründen: „Was künstlerisch versucht wurde, war es (sic!), die Verzweiflung und die Wut zum Ausdruck zu bringen, die ein Mensch genau in der Sekunde empfindet, in der er erfährt, dass ein Kind missbraucht wurde.“ Schwulenhass – der ganz normale „Wut“-Impuls? Klar doch. Aber was meint der Mann bloß mit „künstlerisch“?

Foto: Katja Kuhl

Rainer_Schwarz_BERRainer Schwarz: Startblocker
Probleme? Was für Probleme? Beim Brandschutz, bei den Kosten, mit irgendwelchen Eröffnungsterminen? Ach Quatsch.
Augen zu und durch. Dann kann man hinterher auch prima sagen, man hätte von nichts gewusst. Echt großes Kino, wie der Flughafenchef den BER-Bau in den märkischen Sand setzt. Da können künftige Manager noch viel lernen. Zum Beispiel die Jobsicherung Marke Schwarz: einfach ein derart komplexes Chaos anrichten, dass man schlicht schon deshalb nicht geschasst werden kann, weil kein Nachfolger dort noch durchblicken
würde.

Foto: Thomas Uhlemann

Kristina_SchroederKristina Schröder: Frauenversteherin
Kämpft seit ihrer Jugend gegen Alice Schwarzers Diktatur. Ihr Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber“ versteht sich darum als Widerstandsakt. Kristina Schröder lebt in ihrer eigenen Welt. Schön, dass sie einen festen Betreuungsplatz im Kabinett von Doktor Merkel hat.

Foto: imago stock&people/Reiner Zensen

 

 


TrailerparkTrailerpark: Partyservice
Auf ihrer Record-Releaseparty im Kreuzberger Club Bi Nuu ließen die
Rapper ihr Publikum von korpulenten Huren live on stage bedienen –
volles Programm für lau, aber mit Kameras. Wer so drauf ist hat genau
die Fans, die er verdient: die mit Klage drohen, weil hinterher ihre
Sex-Bilder veröffenlicht wurden.

 

 

Otto_RehagelOtto Rehagel: Pleitegrieche
Die schwadronierende Trainer-Legende (Griechenland! Europameister!! Mit Libero!!!), die Herthas vorerst letzte Tage in Liga eins begleitete, erzählte den jungen Kerlen auf dem Platz viel von Goethe, seiner Ehefrau Beate und der Vergangenheit, was sportlich keinen und entertainmentmäßig kaum Nutzen brachte.

Foto: imago sportfotodienst/Eisele

 

 

Sybille von Obernitz: Lady Kracher
Die parteilose Kurzzeit-Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung sollte für die CDU ihr Amt mit IHK/DIHK-Expertise führen, trat allzu forsch an, noch forscher auf und wollte als gebürtige Bayerin Berlin eine stärkere Leistungsmentalität beibringen. Aber sie stolperte schnell über eine Ausschreibung des Messechefpostens. Immerhin trat sie nicht zurück, sondern ließ sich entlassen. Dafür gab‘s 70?000 Euro Übergangsgeld. Auch eine Art, Wirtschaftskompetenz zu zeigen.

Foto: Thomas Platow

 

Benjamin_stuckrad_barreBenjamin von Stuckrad-Barre: Springerknecht
Guter Reporter, der Mann. Eigentlich. Blöd nur, dass er unbedingt an der flachpfeifigen Axel-Springer-Jubelrevue „100 Jahre in 100 Minuten“ oder an Dietls Dumpfbacken-Film „Zettl“ (siehe Platz 44) mitschreiben musste. Dazu plustert er sich regelmäßig auf dem Gnadenbrotsender Tele 5 in einer eigenen Talkshow auf. Lass gut sein, Stuckrad-Barre, und schreib einfach nur prima Reportagen. Eben das, was du wirklich kannst.

Foto: Gert Krautbauer


Martin_LindnerMartin Lindner: Matschbirne
Vom stellvertretenden FDP-Bundesfraktionsvorsitzenden lassen wir uns normalerweise keine Tipps geben, „wie man sich den Kopf mal so richtig matschig machen kann“. So paraphrasierte ihn Stuckrad-Barre (siehe auch Platz 46), in dessen Sendung wir befremdet ertrugen, wie Lindner angestrengt ultralocker einen Joint qualmte. Nein, normal ist das nicht.

Foto: Ulmen TV/Tele 5

 

 


Alexandra_NeldelAlexandra Neldel: Liebestöterin
„Es gab Szenen“, sagte Alexandra Neldel über den dritten Teil des „Wanderhuren“-Schmonzes auf Sat.1, „bei denen ich froh war, dass wir sie irgendwann hinter uns hatten.“ Das, liebe Frau Neldel, gilt auch für uns. Und es gilt für alle Szenen aller drei unsäglichen Teile. Wirklich, wir können kaum in Worte fassen, wie sehr wir uns mit Ihnen freuen.

Foto: JiriHanzl/Sat 1

 

Wer sonst noch unter den 100 peinlichsten Berlinern ist und auf welchem Listenplatz und wer Spitzenreiter wurde steht in tip 1/2013 ab Seite 22

 

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