Stadtleben

Die andere Stadt: Innsbruck

Innsbruck bei NachtAn Selbstvertrauen mangelt es den Innsbruckern nicht. Sie mögen ihre Stadt und
schwärmen in den höchsten Tönen von ihr. „Die vielen Snowboarder verwandeln die Stadt alljährlich in eine international bekannte Wintersport-Metropole. Und dann kann sich das Nachtleben durchaus mit dem von Berlin messen, sagt mein Sitznachbar im Flugzeug, ein einheimischer, langhaariger Dreitagebartträger, der ganz offensichtlich in den vorherigen Nächten die Vorzüge der Berliner Clubs zu schätzen wusste.Ein Statement, das Berlinern nur ein müdes Lächeln abringt. Aber wir suchen in Innsbruck sicher nicht die Nacht der Nächte.

Vielmehr lässt die unfassbare Naturgewalt der unwirklich mächtigen Berge, die die Stadt im Inntal umgeben, den Atem stocken. Kein Wunder, dass es Freunde aller Wintersportdisziplinen in die Tiroler Hauptstadt zieht, deren ungemein beeindruckendes Alpenpanorama sogar schon zweimal (1964 und 1976) die olympischen Winterspiele beheimatete. Diesen verdankt die Stadt ihre „Olympia SkiWorld“ mit neun verschiedenen Skigebieten, die sich in unmittelbarer Umgebung auf 300 Kilometer Piste
verteilen und alle mit einem einzigen Skipass zu bewedeln sind. Teil der nahezu
perfekten Skisport-Infrastruktur ist der kostenlose Skibus, der die Snowboarder
und Skifahrer zweimal täglich in kurzer Zeit aus der Stadt zum favorisierten
Hang bringt. Wobei es Snowboarder tendenziell eher zur Nordkette zieht, während
Skifahrer den Patscherkofel, also den Olympiaberg südlich der Stadt, bevorzugen.
Dass Sport hier mehr als reines Vergnügen ist, wird deutlich, wenn alljährlich im
Januar die legendäre Vier­schan­­­zen­­tournee an der von der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid gestalteten futuristischen Bergisel-Schanze gastiert. Dieser je zur Hälfte in Deutschland und Österreich ausgetragene traditionsreichste Skisprung-Wett­bewerb der Welt erhitzt insbesondere die Gemüter der Fans der sich ewig (ungleich) duellierenden Gastgeberländer. Mit befremdlichem einheimischem Liedgut, Brezeln und von reichlich Glühwein gelöster Zunge unterstützen die verfeindeten Nachbarn bunt bemalt ihre – wie sie sinnigerweise die Springer aus beiden Lagern nennen. Stürzen sich die todesmutigen Federgewichte mit um die 90 Stundenkilometern vom Schanzentisch dem am Hang gelegenen Friedhof und den über 20.000 begeisterten Menschen ent­gegen, werden sie für ihren tollkühnen Wagemut mit wildem Kuhglo­cken­geläute oder einem lang gezogenen gefeiert wie einst die Gladiatoren im alten Rom.

Außer diesen hat die fünftgrößte Stadt Österreichs alle erdenklichen alpinen
Vergnüglichkeiten wie Eislaufen, Bob, (Mondschein-)Rodeln, Eisstockschießen oder Nordic Walking zu bieten. Ein ambitioniertes Eishockeyteam, die vom HC Innsbruck und der im schmucken EM-Stadion Tivoli spielende FC Wacker Innsbruck, ein skandalumwitterter Fußballverein, der sich 2004 nach zwischenzeitlichem Bankrott wie­­der in der höchsten Spielklasse, der Bundesliga, einfand, runden das Sportportfolio ab.
Der größte Vorteil von Innsbruck ist sicher, dass die Stadt auch abseits der Pisten
jede Menge jenseits der üblichen Aprиs-Ski-Partys zu bieten hat. Das ist kein Dorf, das ist die Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Tirol. Rund um die Maria-Theresien-Straße, die als zentrale Achse mit der Triumphpforte und dem Goldenen Dachl zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt miteinander verbindet, reihen sich Straßen mit einer Unmenge schicker Geschäfte weltweit operierender Label und Res­taurants in schmucken Altbauten und vielen gepflegten Fachwerk­häusern nebeneinander. Wem nach all den Aktivitäten der Sinn nach Ruhe und Entspannung steht, dem sei die grüne Lunge der Stadt, der Hofgarten nahe dem Congress Zentrum, ans Herz gelegt: Dort findet sich der „Energiestein“, ein Überbleibsel der großen Feng-Shui-Konferenz im Jahr 2000. Er soll für ein harmonisches Verhältnis zwischen dem Menschen und seiner Umgebung sorgen.

 

Text: Denis Demmerle

 

Hinkommen

Seit Ende 2008 fliegt die niederländische Low-Cost-Fluglinie Transavia
(www.transavia.com) dreimal die Woche von Tegel nach Innsbruck und zurück. Der Flughafen liegt im Westen der Stadt, nur zehn Bus-/Taxi-Minuten vom Zentrum entfernt.

Übernachten

Als tolle, wenn auch nicht ganz günstige (ab 140 ¤) Übernachtungsmöglichkeit mitten
in Innsbruck ist das modern designte The Penz (www.the-penz.com) zu empfehlen,
das zusätzlich mit einer hervorragenden Hotelbar im fünften Stock und einem
herausragenden Frühstücksbuffet lockt. Güns­tiger (ab 59Eur) schläft man im Hotel Binders (www.binders.at).

Essen

Das Brauhaus Stiftskeller (www.stiftskeller.eu) ist unter anderem wegen des
zünftigen Tiroler Jausenbretts als typischer Brotzeit zu empfehlen. Unter den
hohen Stuckdecken des alten Cafй Central (www.central.co.at). treffen seit Generationen Studenten, Boheme und jedermann aufeinander. Exotischere Vorlieben bedient der Ko­rea­ner Nara am Adolf-Pichler-Platz, wo im Kimono Sushi gerollt und vorzügliches Kimchi serviert wird.

Es empfiehlt sich, die zahlreichen Wintersportevents wie Snow­board-Contests im
Blick zu behalten, die häufig mit netten Partys einhergehen. Ansonsten ist vor
allem die etwas versteckte Design-Bar Jimmys (www.jimmys.at), wo häufig DJs durch den Abend führen, erwähnenswert. Clubber sollten das Programm vom Stadtcafй (www.das-stadtcafe.at) und Week­ender (www.weekenderclub.net) im Auge
behalten.

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