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Die drei innovativsten Berliner Labels für Produktdesign

HAW: Der Intellektuelle
Auch bei seinen eleganten Einzelstücken verfolgt Hermann August Weizenegger einen konzeptuellen Ansatz. Foto:
Tina Dietz  

Hermann August Weizenegger (50) ist in der Berliner Designszene eine Institution. Nicht nur, weil er zu den Gründungsmitgliedern des Design-Mai (heute DMY) gehört und zudem Professor für Gestaltung an der Fachhochschule Potsdam ist. Bekannt wurde er vor allem durch sein Label Vogt+Weizenegger, das er 1992 zusammen mit seinem damaligen Studienkollegen Oliver Vogt gründete. Kennengelernt hatten sich die beiden an der HdK Berlin. Dort wurde Ende der 80er-Jahre eine neue Gestaltungsphilosophie gelehrt, die des Konzeptdesigns, das mit der bürgerlichen Ästhetik eines Dieter Rams brach.

„Wir wollten das Design aus seinem starren Korsett befreien und für alle zugänglich machen“, erzählt der gebürtige Kemptener Weizenegger. Dieses Prinzip wendeten die beiden nach dem Studium bei „Blaupause“ an, dem ersten Auftritt von Vogt+Weizenegger: Statt eines fertigen Produkts vertrieben sie Baupläne für einen Tisch, ein Stehpult oder ein Regal. Eine Revolution, die international Beachtung fand. Einen ähnlich demokratischen Ansatz verfolgten sie 1998 bei ihrer Kooperation mit der 120 Jahre alten Blindenanstalt in Kreuzberg. Nach ihren Entwürfen stellten Blinde und sehbehinderte Menschen in den Werkstätten Körbe und Bürsten als Designobjekte her, was damals ein absolutes Novum war.

Seit 2009 ist Hermann August Weizenegger mit seinem Label HAW, die Initialen seines Namens, solo unterwegs. Seine eleganten, teils futuristischen Entwürfe sind meist Einzelstücke und werden in Galerien in Mailand, Tokio und New York ausgestellt. Jedes Thema, das fünf bis 30 Produkte umfasst, ist ein eigener Kosmos.

Wie sein fiktives „Hotel Dresden“, dessen Einrichtung er 2010 in der Berliner Haubrok Foundation zeigte. Seine vom Jugendstil inspirierten Stühle, Tische und Leuchten basieren alle auf der Gestalt eines Libellenflügels. Eines von vielen weiteren Projekten ist „Merkwürdigkeiten des Sehens“, das er letzten Sommer im Quartier 206 präsentierte. Das Blatt der Hasel war seine Grundidee dafür. Dessen Form fand sich in Stühlen, Brillen und sogar in Modeentwürfen wieder. Sein jüngstes Werk sind Objekte aus Glas, die er für die bayerische Glasmanufaktur Theresienthal entworfen hat. Dafür wurde er kürzlich mit dem Deutschen Designpreis ausgezeichnet.

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