Stadtleben

Die Jagd nach den Haufen

kot_fahrzeugEs ist zehn Uhr morgens in Friedrichshain. Hans-Joachim Kauffhold ist bereits seit mehr als fünf Stunden auf den Beinen, beziehungsweise mit seinem Reinigungsfahrzeug unterwegs. Mit dem roten Gefährt zuckelt er auf einem Bürgersteig entlang. An der Fahrerseite ist ein langer Schlauch befestigt, der zu einem Tank am Heck des Wagens führt und ein wenig an einen überdimensionalen Staubsauger erinnert. Alle paar Meter hält Hans-Joachim Kauffhold an und dirigiert den Saugrüssel mit seiner Hand zu einem ekligen, braunen Haufen. Mit einem lauten „Swusch“ verschwindet die stinkende Pampe in den Tiefen des Tanks.

Das Gefährt, in dem der Spandauer sitzt, ist ein sogenanntes Hundekotmobil. Mit 13 dieser Spezialfahrzeuge sind Mitarbeiter der GbR Großbauten Reinigung im Auftrag der Berliner Stadtreinigung (BSR) in ganz Berlin unterwegs. Tag für Tag fahren sie auf wechselnden Routen durch die Stadt und sammeln den Kot von Berlins Kläffern ein. 800 bis 1000 im Tank verflüssigte Hundehaufen kommen pro Fahrzeug an einem Arbeitstag zusammen. Gemessen an den 50 Tonnen Kot, die täglich auf Berlins Bürgersteigen, Straßen, Wegen und in Parks hinterlassen werden, ist das allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Die allermeisten Hundehaufen machen immer noch die rund 1?600 BSR-Mitarbeiter, die täglich in der Stadt unterwegs sind, mit ihren Besen und Kehrmaschinen weg“, sagt BSR-Sprecher Bernd Müller. Mit dem Resultat, dass die Besen manchmal aufs Unangenehmste verklebt sind.

Doch die Anzahl der teuren Kotbeseitigungsmaschinen würden bei Weitem nicht reichen. „Die BSR muss sparsam mit öffentlichen Geldern umgehen“, sagt Müller. Und da die Beseitigung des Hundekots von gesetzlicher Seite klar Sache der Halter sei, wäre den meisten Bürgern kaum vermittelbar, warum alle für die Faulheit der Hundebesitzer zahlen sollten. Denn um der stinkenden Pampe Herr werden zu können, bräuchte man mindestens 20 Kotmobile – pro Bezirk. Zwar haben sowohl die BSR als auch das Ordnungsamt mit Aufklärungskampagnen versucht, die Hundebesitzer für das Problem zu sensibilisieren, aber Kotmobilfahrer Kauffhold kann auf den Straßen und Plätzen Berlins keine Verbesserung feststellen. Dabei macht er den Job bereits seit fünf Jahren. In Friedrichshain-Kreuzberg sei es besonders schlimm, findet er, weil dort viele Hunde lebten. Insbesondere das Gebiet um den Boxhagener Platz kommt dem Reinigungsmitarbeiter manchmal vor, wie „die Hundetoilette Berlins“.

kot_fahrzeugViele Hunde würden sich sogar direkt vor seinem Fahrzeug erleichtern – während die Halter desinteressiert dabei stehen. Dass die Kothaufen nicht nur eklig, sondern auch gesundheitsschädlich sind – sie können Salmonellen, verschiedene Wurmparasiten sowie Augen-, Leber- und Lungenerkrankungen auf Hund und Mensch übertragen – interessiert die Hundehalter nicht. Trotzdem hat sich Hans-Joachim Kauffhold abgewöhnt, sich über ein derartiges Verhalten zu ärgern. Nur, wenn er verstärkt mit einem besonders schizophrenen Verhalten mancher Herrchen und Frauchen konfrontiert wird, kommt ihm die Galle hoch: Die Hundehalter packen den Kot zwar in Plastiktüten, schmeißen diese dann aber ins Gebüsch oder auf den Gehweg. Statt in den Mülleimer.

Dass er bei Wind und Wetter buchstäblich die Scheiße der anderen wegmacht, damit kann Hans-Joachim Kauffhold leben. „Babyarsch riecht schlimmer“, sagt der Vater von drei Kindern trocken. Unangenehm sei allerdings die Reinigung des Tanks. Dabei „muss man aufpassen, dass man keine Spritzer abkriegt“. Mag er Hunde eigentlich noch? „Ja“, sagt Hans-Joachim Kauffhold. „Denn die können ja nichts für ihre Herrchen.“

Text: Julia Rieder

Foto: Ullsteinbild / Lambert

Kein Scheiß: Was es anderswo kostet, Hunde­haufen einfach liegen zu lassen

  • 1000 Singapurdollar (rund 573?Ђ)  kostet es, wenn man in Singapur erstmals als Verantwortlicher von Hundekot erwischt wird. Beim nächsten Mal sind schon 2000 Singapur­dollar (rund 1?146 Ђ) fällig, außerdem muss man in auffälliger Kleidung öffentliche Orte reinigen.
  • 956 australische Dollar (ca. 704?Ђ) Strafe verhängen Ordnungshüter maximal in Sydney.
  • 100?$ (etwa 74?Ђ) müssen Hundekot-Sünder in Washington zahlen. Bei mehrfachen Verstößen werden bis zu 1?000?$ (rund 740?Ђ) und gemeinnützige Arbeit fällig.
  • 183?Ђ kostet das Liegenlassen von Hundekot in Paris.
  • Mindestens 50, maximal 1?000 Britische Pfund (ca. 43 bzw. 1?180?Ђ)zahlt man in London für das Nichtbeseitigen von Hundekot.
  • 200 bis 500 Dirham (40 bis 100?Ђ) kostet das Verletzen der gesetzlichen Kot-Aufsammelpflicht in Dubai.
  • 35?Ђ muss man in Berlin zahlen, wenn das Ordnungsamt nachweisen kann, dass man den Kot seines Hundes nicht entfernt hat.

 

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