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Die Journalistin Okka Rohd über das Dasein als Mutter

Okka Rohd

tip Manch einer mag jetzt denken: Noch so ein Mutterbuch aus Prenzlauer Berg, warum brauchen wir das?
Okka Rohd Gute Frage. Für mich war die Schwangerschaft und die erste Zeit als Mutter eine unglaublich emotionale Zeit – auch eine, in der ich oft unsicher war und wissen wollte, wie andere Frauen das so machen. Wie es ihnen geht, wie sie sich selbst wahrnehmen und wie sich ihr Leben verändert hat. Dafür habe ich Mutterbücher gebraucht. Ob man mein Buch brauchen kann, weiß ich nicht. Ich hoffe, es gibt seinen Lesern ein bisschen Fernwärme und Nähe.

tip Anders als die meisten Autorinnen haben Sie also kein Sendungsbedürfnis?
Okka Rohd Nein, darüber habe ich nie nachgedacht. Das hat damit zu tun, dass das Buch aus einem Weblog entstanden ist, den ich am Ende meiner Schwangerschaft begonnen habe. Ich wollte mir einen Erinnerungsspeicher schaffen. Nach einer Weile kam eine Lektorin auf mich zu und fragte, ob ich ein Buch über das Muttersein schreiben möchte.

tip Warum schreiben so viele Menschen Mütter- oder Eltern­bücher? Und warum gibt es so viele Blogs über etwas, was früher ganz natürlich war?
Okka Rohd Ich glaube, dass über diese Themen schon immer viel gesprochen worden ist. Man hat davon bloß nichts mitbekommen, weil das Gespräche auf Spielplätzen, in Kneipen oder bei Elternabenden waren, Mikro-Öffentlichkeiten, die man nur wahrgenommen hat, wenn man selbst zu ihnen gehörte. Durch Weblogs bekommen von diesen Gesprächen und Selbstgesprächen nun auch andere Menschen mit.

tip Hat die Flut an Mamabüchern auch damit zu tun, dass man sich als Mutter heute positionieren muss: Prenzlauer-Berg-Mutter mit Kind als Projekt – oder eben nicht?
Okka Rohd In dem Augenblick, in dem man Mutter wird, wird man von unzähligen Thesen und Standpunkten bombardiert: Welche Art von Mutter man sein soll, welche auf gar keinen Fall, was gar nicht geht, was unbedingt sein muss und so weiter. Dabei geht das meiste davon an dem vorbei, wie das Leben, das Muttersein und Kinderhaben wirklich ist. Und mit den Prenzlauer-Berg-Müttern ist das so eine Sache. Sicher gibt es Mütter, die ihr Kind ab dem dritten Lebensjahr drei Fremdsprachen lernen lassen. Doch die meisten kochen auch nur mit Wasser – und das Wasser für die Kinder nicht ab. Ich wünsche mir, dass das Muttersein wieder ein bisschen normaler und weniger durchdrungen von Positionen wird.

Interview: Johanna Rüdiger

Bild: Marlene So?rensen

Völlig fertig und ?irre glücklich. ?Meine ersten Jahre ?als Mutter von Okka Rohd, Rowohlt Verlag, ?256 S., 9,99 Euro

 

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