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„Die Karrierewege sollten sich ändern“

ErzieherHerr Höyng, Sie haben gerade eine Studie über männliche Fachkräfte in Kitas mitherausgegeben. Und zwar mit dem Ziel, Männer als Erzieher zu gewinnen. Warum?
Nur 2,4 Prozent der Erzieher sind männlich – das ist ein eklatantes Ungleichgewicht. Viele junge Männer werden eher Mechatroniker als Erzieher. Das ist dann aber weder für sie noch für die Kinder befriedigend.


Wie soll der Beruf attraktiver für Männer gemacht werden?
Unser Ansatz ist es, die Hindernisse abzubauen, die den Beruf für Männer unattraktiv machen. Das kann eine Broschüre des Arbeitsamtes sein, in der nur Frauen abgebildet sind – ein Mann fühlt sich da schon optisch nicht dazugehörig. Auch die Karrierewege sollten sich ändern. Im Erzieherberuf gibt es nur wenig Aufstiegschancen. Es wäre möglich, weitere Karrierestufen neben der Kitaleitung zu etablieren.


Die wenigen Erzieher finden sich bereits heute überproportional in den Kitaleitungen wieder. Führen noch mehr Erzieher nicht zu einer Vertreibung der Frauen aus den Führungspositionen?
Das muss nicht passieren. Es würde keinen Sinn ergeben, den einzigen Mann, der in einer Kita arbeitet, in die Leitung zu stecken. Das würde den Kindern ein altes Klischee bieten. Aber auch Frauen müssen an solchen Reflexionen von Geschlecht arbeiten: Welche unbewussten Bilder von Weiblichkeit produzieren sie, wenn sie keine Lust auf Fußball haben, aber gerne mit den Kindern basteln? Wenn Männer in größerer Zahl in die Kitas kommen, erhoffen wir uns einen Diskussionsprozess über die Angebote und auch die Zuschreibungen.


Es gibt den Girls Day, um Mädchen für Technikberufe zu interessieren, braucht es nun den Boys Day, um Jungs für soziale Berufe zu begeistern?
Den hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ja bereits im April ausgerufen. Und ich unterstütze schon seit einigen Jahren das Projekt „Neue Wege für Jungs“, das erreichen soll, dass sich Jungs mehr für soziale Berufe interessieren und an ihren sozialen Kompetenzen arbeiten – die sind schließlich in allen Berufen gefragt.  

 

Nachgefragt: Britta Geithe

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