Stadtleben

Die Malzfabrik in Tempelhof

MalzfabrikViel weiter als bis zu Ikea Tempelhof sind bisher wohl die wenigsten gekommen. Wer das Gewerbegebiet in der Nähe vom S-Bahnhof Südkreuz gleich an der A 100 aufsucht, ist dort, um Möbel, Lampen und Matratzen zu kaufen und sich im Baumarkt für die nächste Wohnungsrenovierung auszurüsten. Hinter dem Areal, links an dem blauen Kasten mit dem gelben Schriftzug vorbei, gibt es nichts, was einen Besuch wert ist, keine Cafйs oder Restaurants, keine Galerien und auch keine versteckten Underground-Clubs, nur graue Häuserreihen, Auto-Werkstätten und ein Großküchenfachgeschäft. Und die alte, stillgelegte Schultheiss-Brauerei ist auch dort.

Dass sich kaum jemand in diese Gegend verirrt, geschweige denn an Ikea und Co. vorbei zielsicher dorthin steuert, könnte sich bald ändern. Das zumindest hofft Frank Sippel. Er hat das Schultheiss-Gelände 2005 gekauft. Seit dem Frühjahr 2009 baut er es um. „Die Malzfabrik soll ein Kreativzentrum werden“, sagt der gebürtige Schweizer. Ende September hat er mit seinem achtköpfigen Malz-Team, das für Entwicklung, Bauleitung, Vermietung und Marketing des Fabrikgeländes zuständig ist, das ehemalige Verwaltungsgebäude neben dem Pförtnerhaus bezogen. Die Wände sind strahlend weiß, es riecht nach neuen Möbeln, das Treppenhaus wird gerade verputzt, an den Türen hängen Schilder mit dem Hinweis „Frisch gestrichen“.

MalzfabrikVon seinem Büro im vierten Stock aus kann Sippel über das ganze Gelände gucken. Blickt er nach rechts aus dem Fenster, sieht er die Schornsteine auf dem Dach der Alten Fabrik und das Schultheiss-Logo, den Mönch mit Bierkrug. Daneben hängt eine Schweizer Flagge. „Die Schornsteine heißen Darren. Darunter wurde das Malz getrocknet“, erklärt Sippel. Die Malzfabrik ist zu seiner Herzensangelegenheit geworden, nur deswegen ist er nach Berlin gekommen. „2008 war ich zum ersten Mal länger als eine Stunde hier, um mir alles anzuschauen. Da gehörte mir die Fabrik ja schon seit drei Jahren, aber ich hatte mich nie so richtig dafür interessiert. Eigentlich wollte ich hier einfach das fortsetzen, was mit Ikea und den Baumärkten begonnen wurde“, sagt der 38-Jährige, der seit zehn Jahren in der Immobilienbranche tätig ist. „Dann habe ich das Areal gesehen und das Konzept geändert. Ich wollte das plötzlich alles selbst machen. Ich wollte diese Ruine, dieses Industriedenkmal wiederbeleben.“

Noch ist nichts so richtig fertig, die erste Umbauphase des etwa 27 000 Quadratmeter großen Geländes, wird voraussichtlich Anfang 2011 abschlossen sein. Die ersten Vernissagen wurden aber längst gefeiert, Roman Fischer und Rihanna haben hier ihre Musikvideos gedreht. Auch die ersten Mieter sind bereits in die Backsteingebäude eingezogen. Im Kachelhaus ist die Eventagentur Mesami untergebracht. Im Erdgeschoss der Kellerei nebenan hat die District Art & Projects GmbH, die auch zu Sippels Herzensangelegenheiten gehört, ihre Ausstellungsräume. Im ersten Stock sind Ateliers. Im alten Waggonschuppen lackiert und schminkt das Atelier Mohr Schaufensterpuppen. Auch ein Tischler und ein Kulissenbauer haben sich hier niedergelassen.

Den gesamten Artikel von Katharina Wagner lesen sie in der aktuellen tip-Ausgabe 24/2010.

Malzfabrik Bessemerstraße 2-14, Tempelhof, www.malzfabrik.de

Malzabend jeden ersten Dienstag Monat ab 19 Uhr, nächster Termin: Di 23.11., eröffnet wird der Abend von Frank Sippel, der seine Gäste durch die Gebäude führt (Dauer der Führung: etwa 1,5 Stunden)

Fotos: David von Becker

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