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Die Liste

Die peinlichen Berliner 2016: Plätze 50 – 100

50. Christian Goldau, Horror-Clown

Dämonische Kürbisse, Joker-Visagen oder Skelette waren ihm zu einfältig. Der Student Christian Goldau wollte Halloween als cineastisches Erleben, mit einem Horror-best-of in der Geisterbahn des Kinos International in Mitte. Dumm nur, wenn sich in die creepigen Collagen auf der Leinwand auch Aufnahmen von KZ-Leichen mischen. Die Bilder hätten „den naiven Anschein“ erweckt, sie seien gestellt, erklärte er seine Bildauswahl. Ach so.

Prognose 2017: freiwilliges Soziales Jahr in Israel


51. Paul Kalkbrenner, Sakrileg

Es gibt Dinge, die tut man einfach nicht. Etwa, den großen „Lord Byron des Rock’n’Roll“ in die Großraumdisko zu schubsen: Leonard Cohens Requiem „You Want It Darker“ zum Techno-Schunkler  zu verhunzen, ist ein wenig so, als würde man einen Schwall Wodka-Energy aufs Grab des Jahrhundertgenies kotzen.

Prognose 2017: „Knocking On Heaven’s Door – Remix“


52. Philipp Lengsfeld, Grenzdränger

Philipp Lengsfeld (* 21. März 1972 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Physiker. Er war einer der vier relegierten Schüler der Ossietzky-Affäre 1988 in Berlin-Pankow. Lengsfeld ist Bundestagsabgeordneter der Berliner CDU.<br:Foto: Foto-AG Gymnasium Melle / Wikimeia Commons / CC BY 3.0 / CC BY-SA 4.0
Philipp Lengsfeld (* 21. März 1972 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Physiker. Er war einer der vier relegierten Schüler der Ossietzky-Affäre 1988 in Berlin-Pankow. Lengsfeld ist Bundestagsabgeordneter der Berliner CDU.

2016 hatte noch gar nicht begonnen, da beruhigte der CDU-Mann seine Twitter-Fans schon mit dem Neujahrsvorsatz, keine arabische Version seiner Webseite zu erstellen. Aber auch auf Deutsch verstehen wir Vera Lengsfelds (Platz 4) wohlgeratenen Sohn nicht so richtig. Uns hat die #refugeeswelcome – Wir helfen-Kampagne ausgerechnet der „Bild“ auch verwundert. Noch mehr aber, was Lengsfeld daran verdross: dass Teile davon „nicht hilfreich“ für die Reduzierung der Flüchtlingszahlen wären. Na sowas.

Prognose 2017: Hat „Bild“ wieder lieb.


53. Nicolaus Fest, Butz Krachmann

„Ich bin ein Freund von einem fröhlichen, bürgerlichen Optimismus und auch von Manieren und Stil“, sagte Nicolaus Fest, ehemaliger Vizechef der „Bild“-Redaktion, in seiner Videobotschaft zum AfD-Beitritt. Hinter der verlogenen Etikette: die neueste Radikalisierung der Barbourjacken-Bourgeoisie. „Alle Moscheen schließen!“, bellte der Wolf im Schafspelz etwas später. Und rückte sich in die Nähe der Widerstandskämpfer gegen Hitler. Ergibt 10 von 10 Punkte auf der Lutz-Bachmann-Skala.

Prognose 2017: Tritt der Scharia-Polizei bei und patrouilliert im Umkreis der Al-Nur-Moschee.


54. Bundespressekonferenz, Scherzschmerz

Satire darf alles. Wissen wir ja aus Böhmermanns Erdogan-Poem. Deshalb darf die Bundespressekonferenz zum Bundespresseball in ihrem Satiremagazin „Allmanach“ auch über Schwimmkurse für Flüchtlinge  witzeln, inklusive „Vorschul-Flüchtlingsschwimmen“ – „mit Festhalten an Treibgut, Tauchen bei hohem Wellengang, Springen vom Schlauchbootrand und Atemtechniken bei Nacht und Kälte“. Aber  wir dürfen diese Satire auch strunzdämlich finden. So ein Quatsch wird gemeinhin mit Ai Weiwei nicht unter drei Installationen bestraft.

Prognose 2017: neue Ausgabe mit Polenwitzen


55. Corinna Engel & Christian Kaiser, Die volle Dröhnung

Ein adoleszentes Mädchen, sediert und unterernährt anmutend, in Unterwäsche auf einem Werbeplakat des Berliner Modelabels „Heroin Kids“ (!): Oh my! Ultralässig, oder? Nein? Eher die plumpeste, stereotypste Wannabe-Kate-Moss-Inszenierung, die Sie seit, sagen wir mal, 1994 gesehen haben? Bingo. Das dachte sich wohl auch der Deutsche Werberat – und erteilte der öden Drogen-Chic-Kampagne der selbsterklärten Enfants terribles Corinna Engel und Christian Kaiser eine Rüge. Völlig zu Recht.

Prognose 2017: Engel und Kaiser entdecken die Erotik von Flanellhemden und Dreitagebärten. Crazy!


56. Horst Bredekamp, Großkenner

Wissenschaftsforum Universität Konstanz Gerda-Henkel-Stiftung 2015, Düsseldorf. Horst Bredekamp, Humbold-Universität zu Berlin.
Foto: Ziko van Dijk / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Das Mitglied der Gründungsintendanz des Humboldt Forums gefällt sich bei öffentlichen Auftritten als Leibniz-Kenner. Gebildete Zuhörer lachen dann kennerisch. Für seinen Job am Humboldt Forum würde er sich freilich besser qualifizieren, wenn er Achille Mbembe oder Zadie Smith zitieren würde. Aus dem Kopf.

Prognose 2017: Markenbotschafter für eine Kekssorte.


57. Henryk M. Broder, Krätzbürste

War mal ein scharfsinniger Autor. Hat irgendwann davon den Sinn verbummelt. Bleibt nur noch: Scharfmacher. Einmal blind in Broders Textmülleimer gegriffen, zufällig das süffisant  betitelte „Wir haben die Krätze geschenkt“-Fundstück von der „Achse des Guten“ über Flüchtlinge und Krankheiten rausgezogen, schnell wieder fallen gelassen. Deckel drauf.  

Prognose 2017: Kriegt ein „Breitbart“-Jobangebot


58. Angelika Taschen, Hipstermarktweib

Die Verlegerin (57) und gebürtige Nordhessin als Traum aller Hipster. Interview-Auszug aus der „WamS“: „Der Wasserfilter von Leogant, der Quellwasser aus der Leitung zaubert! Ich bin Wechseljuicer und Flexitarier und ernähre mich fast nur von Märkten: Gewürze wie Zatar oder Sumach für meine Ottolenghi-Gerichte finde ich bei meinem Araber auf der Potsdamerstraße (…). Immer samstags, nach Yoga, geht’s auf den Kollwitzmarkt: Da ist eine Tofumanufaktur aus Kreuzberg, ein ganz toller Bäcker, der Frankenlaibe backt.“ Eines der irrsten Interviews des Jahres. Respekt, Frau Taschen.

Prognose 2017: Fängt an zu schwäbeln.


59. Irrender Gerichtsvollzieher, Schlüsselqualifikation

Gerichtsvollzieher haben es nicht leicht. Stehen ständig vor irgendwelchen Türen. Wenn mal jemand aufmacht, gibt’s selten Kaffee, sondern auf die Fresse. Da gerät schon mal was durcheinander. Wie neulich, als ein Beamter laut „Tagesspiegel“ die Tür einer Frau aufbrach, aber zu ihrem Nachbarn wollte, der längst ausgezogen war, doch den Vornamen der Frau als Nachnamen trug und im Gegensatz zu ihr auch das Gas bezog, das er nicht bezahlte. Gaga.

Prognose 2017: Fällt weiter mit der Tür ins Haus.


60. Christopher Lauer, Twitter-Durchfall

Christopher LauerFoto: sacred@web.de/ By Joachim S. Müller/ Wikimedia Commons/ CC BY-SA 2.0
Christopher Lauer
Foto: [email protected]/ By Joachim S. Müller/ Wikimedia Commons/ CC BY-SA 2.0

Was er jetzt genau beruflich macht, weiß der Ex-Piraten-Politiker vermutlich selbst nicht mehr. Sicher ist: Er twittert — die ganze Zeit. Bei Springer blieb er nicht lange, und auch in der SPD fand er schnell neue Feinde, als er der Polizei vorwarf, jetzt so lange jede Woche auf einen Mann mit Messer zu schießen, bis der Taser da ist (siehe auch: Platz 79).

Prognose 2017: Lauer sucht Bau


61. Shermine Shahrivar, Instaspam

Sie wisse ja gar nicht, woher all die Anfeindungen kämen, sagte Instagram-Darstellerin Shermine Shahrivar der „Gala“. Tja, woher wohl? Nach all dem Glückskeks-Geposte ihrer Beziehung mit dem auch für Industrieerben-Maßstäbe auffälligen Lapo Elkann, plus dramatischem „Liebes-Aus“? Nun, sie vermute: aus Neid oder Missgunst. Auf die Idee, manche könne die Inszenierung eines sozialen Medienleben (plus dreifaches Update täglich) anwidern, kommt die Ex-Schönheitskönigin nicht. Aber hey, denen begegnet sie mit „viel positiver Energie“. 

Prognose 2017: Entweder Trennungsgrund bei den Beckhams – oder Yogalehrerin. Wir werden es erfahren.


62. Jean Remy Jung von Matt, Dachschaden

Der Hamburger Werber ließ das Dach seines Berliner Altersruhesitz, an dem er jahrelang baute, nach dem Busen seiner Frau Natalie formen. Wir wünschen der Ehe eine lange Stabilität. Den Brüsten von Frau von Matt natürlich auch. Wäre doch schade um das schöne Dach. 

Prognose 2017: Viele Google-Earth-Spanner.


63 . Fans der Teheran-Sammmlung, Jubelperser

Die Gemälde von Pollock, Rothko und Bacon aus dem Teheran Museum für Zeitgenössische Kunst mögen großartig sein.  Doch sie wurden von Farah Pahlavi, Gemahlin des Diktators Mohammed Razi Pahlavi (Kaiser von Persien), gesammelt. Der Direktor des Teheran Museums ist ein bekennender Antisemit. Und der Iran ist eine theokratische Republik, von schiitischen Geistlichen geführt. Da kommt viel Undemokratisches zusammen. Trotzdem begeistern sich die Staatlichen Museen dafür, Teile der Teheran-Sammlung in der Gemäldegalerie zu zeigen. Die Ausfuhr der Werke hatte das Regime in Teheran übrigens bei Redaktionsschluss noch nicht bewilligt. 

Prognose 2017: Ausstellung „Des Kaisers neue Kleider“


64. Bass Sultan Hengzt, Schweinsgalopp

Nach Jennifer Rostocks Antisexismus-Song „Hengstin“ rappte der Sultan im Schweinsgalopp, mit der Sängerin „an der Leine durch den Garten wie ein Hund gehen“, eine „Stute“ wie sie „mit nem Lasso zu fangen“. Er wäre gern ein echter Kerl, machte damit allerdings nur Werbung für die verleumdete Band – vielleicht aber fühlte sich der „Hengzt“ auch nur vom Songtitel persönlich angesprochen.

Prognose 2017: Album „Stuter“ in den Startlöchern.


65. Monika Herrmann, Problemfrau

Noch eine Politikerin der ganz alten Berliner Schule: Wird man mit den Problemen nicht fertig, werden einfach die Probleme als nicht existent bezeichnet. Frau Herrmann setzt da noch einen drauf: Im Bereich des Görlitzer Parks, so erfuhren Anwohner erstaunt, sollte „keine Gruppe (…) ausschließlich als Problemverursacher gesehen werden“, so das unter ihrer Ägide erarbeitete „Handlungskonzept Görlitzer Park“. Kann man so machen.  Die Logik sähe bei anderen Tatbeständen allerdings komisch aus. „Herr Richter, ich bin nicht ausschließliche Problemverursacher, die Frau trug einen sehr kurzen Rock …“ Trotzdem müssen wir unsere peinlichste Berlinerin 2014 vor der CDU in Schutz nehmen. Die warb auf Wahlplakaten gegen Herrmann damit, vergaß aber die damalige Nummer zwei: Henkel (Platz 12). 

Prognose 2017: Lokalfürstin.


66. Andreas Behm, Puff-Fänger

Sind Mafia-Filme im öffentlich-rechtlichen Spätprogramm, darunter Coppolas „Der Pate I-III“: die heimliche Leidenschaft Andreas Behms, Berlins ehemaligem leitendem Oberstaatsanwalt? „Auf den Spuren der Strafverfolgung bei Al Capone“ wähnte er sich vermutlich realitätsverzerrt, nachdem er 900 Beamte zur Razzia ins Bordell Artemis pfiff. Die Vorwürfe verpufften: Drei Monate später kamen die imaginierten Paten wieder auf freien Fuß, mangels Beweisen. Mittlerweile arbeitet Behm im Brandenburgischen Justizministerium. Wir empfehlen als Selbstdisziplinierung: TV-Verbot bis 65.

Prognose 2017: Wird als Cameo-Darsteller für ein „Godfather“-Remake angefragt, sagt aber aus disziplinarischen Gründen ab.


67. Mario „Majo“ Romanowski, Reichsdepp

Die eher harmlosere Version von Sürmeli (Platz 8)  ist der Majo aus Spandau. Majo filmt von seinem Balkon aus gerne Wolkenformationen und stellt sie dann online: „Nu kieck dia ditt an, da suppen de Schweine wieda allet su!“ Er glaubt an alles, was ein echter Reichsdepp eben so glaubt – BRD GmbH, Chemtrails, Nazi-Ufos – und begrüßt die Teilnehmer an den Bärgida-Demos auch schon mal mit einem herzlichen Handschlag. Besonders tragisch: Neuerdings sucht Majo über seinen Youtube-Kanal „eine nette Frau“, die seine Interessen teilt. 

Prognose 2017: Majo kriegt Hartz IV, was soll da also 2017 schon anders sein?


68. Harald Martenstein, Muskopf

Kolumnist und tapferer Gefreiter im Genderkrieg, der sich im Kampf gegen fiese Feminazis und ihr Terrorregiment so tief im Schützengraben verschanzt hat, dass er einem fast leidtun muss. Seine Spezialität: Äpfel mit Birnen vergleichen. Da kommt dann immer Mus raus.

Prognose 2017: Geht wieder nicht zum Friseur.


69. Eifrige Staatsanwältin, Jagdfieberschübe

Bizarr übermotiviert, diese Staatsanwältin, die Irmela Mensah-Schramm, 70 Jahre alte Kämpferin gegen Nazi-Graffiti und -aufkleber, zu einer Zahlung von 1.800 Euro verurteilen wollte, weil diese per Spraydose aus einem „Merkel muss weg!”-Schriftzug „Merke! Hass weg!” machte. Normalerweise wird Mensah-Schramm für ihre Arbeit mit Preisen geehrt. 

Prognose 2017: Wird irgendwann einsehen: Eine Irmela Mensah-Schramm lässt sich nicht aufhalten.


70. Ahmad Miri, Schwatzpatrone

Der Sprössling des so genannten Miri-Clans, Spitzname „Der Patron“, ließ sich in einer der obligatorischen Clan-Dokumentationen von „Spiegel TV“ dabei filmen, wie er mit dem dicken Auto durch Berlin cruist, den Friedensrichter spielt und lauter selbstbewusste und gut gelaunte Leute trifft. Dabei erzählt er, dass er Geld vom Sozialamt kassiere  und das Auto gar nicht ihm gehöre – natürlich. Zwischendurch zeigt er sich noch als Karrierehelfer von Jugendfreund Sebastian Castillo Pinto (Platz 10). Für dessen Musikvideo cruist  Ahmad Miri mit dem Ferrari durch die Stadt und spielt Ahmad Miri. Was auch sonst?

Prognose 2017: Spielt Ahmad Miri in „Ahmad Miri gegen den Rest der Welt“.


71. Jürgen und Ralf Jopp, Kassenkeile

Zur Eröffnung ihrer Berliner „Hard Candy“-Fitnesskette flogen die Gebrüder Jopp 2013 noch Namenspatronin Madonna persönlich in Zehlendorf ein. Zum Termin beim Insolvenzverwalter hatte die Queen of Pop etwas anderes vor. Dafür nahmen die Chefs der Jopp AG ihre Kundinnen in den Schwitzkasten: mit großer Klappe („Wir wollen alle Studios nächste Woche wieder aufmachen“) und Kassenkeile (Lebensmitgliedschaft; intransparent abgebuchter „Umweltbeitrag“ ).  Weil jede Pleite auch eine Chance ist, hätten die wohlgenährten Gebrüder jetzt Zeit für eigene Leibesertüchtigung. Irgendein offenes Fitnessstudio wird sich schon noch finden.

Prognose 2017: Teilnehmer beim Berlin-Marathon


72. Tobias de Borg, Ohrenplage

„Du brauchst mehr Leidenschaft, Sicherheit Tag und Nacht“, schlagerte de Borg für Frank Henkel (Platz 12) drauflos, dem er den Bumstechno-Kracher „Zeit für ein starkes Berlin“ für den Wahlkampf schenkte. Passte ja auch prima zum ähnlich irritierenden CDU-Slogan „Mehr Videotechnik – nur mit uns“. Geht’s um Überwachung? Oder bekommen jetzt alle CDU-Wähler de Borgs Greatest Hits Collection (inklusive „Mehr von dir!“) auf VHS zugeschickt?

https://www.youtube.com/watch?v=JHQdUy_gAFY

Prognose 2017: Kriegt auch einen Kalkbrenner-Remix.


73. Tim Renner, Anbiedermeier

Tim Renner am 06.05.2016 auf der performersion in Berlin. Foto: re:publica/Jan Michalko CC BY 2.0
Tim Renner am 06.05.2016 auf der performersion in Berlin. Foto: re:publica/Jan Michalko CC BY 2.0

Über die schlafwandlerische Eleganz, mit der sich Michael Müllers Damals-noch-Kulturstaatssekretär durch den angekündigten Volksbühnen-Chefwechsel von Frank Castorf zu Chris Dercon dilettierte, ist genug geschrieben worden. Renner hat sich per SMS an die CDU-Mitglieder im Lotto-Stiftungsrat rangewanzt. Fast hätte er Dercon damit noch Geld zugeschustert („…mit den Linken werde ich wenig zu lachen haben. Dass ich ihren Säulenheiligen F. Castorf nicht verlängert habe, werden die mir nie verzeihen“) – das war ja aber auch heiter. Jedenfalls für die CDU. Sims-Salabim, weg war der Tim.

Prognose 2017: Praktikum bei Wikileaks


74. Guillaume Paoli, Müßigdenker

Apropos Volksbühne. Irgendwie ist es beruhigend, in einem Land zu leben, in dem auch die allerdümmsten Ideen ernst genommen werden und in dem selbst ein gedankentechnischer Müßiggänger wie der Volksbühnenphilosoph Paoli eine Bühne bekommt. Seine These: Der designierte Leiter Dercon ist in seiner Tätigkeit als Museumsleiter Schuld an der Gentrifizierung in London. Und deshalb muss er in Berlin verhindert und eine neue „Freie“ Volksbühne gegründet werden: um die wahre Volksbühne von der Ware Volksbühne zu trennen. Am liebsten natürlich alimentiert durch Senatsknete.

Prognose 2017: Paoli zieht in ein Fass vor das Rote Rathaus und wird Hausphilosoph von R2G.


75. KristJan Knall, Brechreiz

Diesjährige Hatespeech-Fibel des Auskotzbrockens: „111 Gründe, Berlin zu hassen“. Uns fallen ja 111 Gründe ein, Kristjan Knall zu hassen. Einer ist sein strunzdämliches Pseudonym. Die anderen 110 passen hier leider nicht mehr hin.

Prognose 2017: Fellmotten in der Fellmütze


76. Heinz Horrmann, Heinz Wurst

Warum fragt der „Spiegel“ einen deutschen Restaurantkritiker und „Hotelinspektor“ (bei RTL) nach seiner Meinung zu Donald Trump? Vermutlich, weil sich Heinz Horrmann so verlässlich auskotzt. Nicht über Trump. Den mag er, klar. Aber über Ursula von der Leyen („optische Körperverletzung“). Oder über Hillary Clinton: „Hillary Clinton habe ich nie gemocht. Sie hat mal gesagt, dass sie ,keine Männer mag’. Ich habe ja nichts gegen Lesben, aber das fand ich an Widerlichkeit nicht zu überbieten.“ Aber wer überbietet dabei jetzt Heinz Horrmann?

Prognose 2017: Lobt das Essen im „Trump Grill“.


77. Sarah Kuttner, Urinprobe

Klar, man kann fordern, dass Kinder in Prenzlauer Berg nicht an Bäume pinkeln sollen, weil die den Hunden gehören. Man kann auch erhöhtes Bußgeld verlangen. Komisch nur, sich dann über eine Debatte zu wundern. Wenn man doch ein selbsternannter Medienmensch ist.

Prognose 2017: Pinkelpause


78. Fler, Schmutz-Fink

Fler aka Frank White ist Rapper und erzählt von der Straße. Auch der berufsjugendliche Galileo- und taff-Moderator Daniel Aminati versucht sich nun an Rapmusik. Und nimmt direkt Sido aufs Korn („Sido mir, so ich dir“). Woraufhin Twitter-Heißsporn Fler per Tweet wiederum Aminati als „vogelfrei“ deklarierte. Die haben doch alle den Vogel frei.

Prognose 2017: Fler verträgt sich auch mit Kay One.


79. Deutsche Polizeigewerkschaft, Stromausfall

Die kleinere Polizeigewerkschaft DPolG wollte auch mal witzig sein. In einer Twitter-Wochenendumfrage stellte sie den Kollegen als „Taser-Testpilot“ unter anderem AfD-Frau Beatrix von Storch (Platz 2), Grünen-Politikerin Renate Künast und Ex-Pirat Christopher Lauer (Platz 60) zur Auswahl. Jetzt haben die Kollegen schon mal gelernt, dass man sich auch mit einer Elektroschock-Pistole ins Knie schießen kann. Aber zum Glück werden Polizisten nicht dafür bezahlt, witzig zu sein.

Prognose 2017: Die schon fertige Umfrage zum Thema Quarzhandschuhe wird doch noch mal überarbeitet.


80. Cezary Gmyz , Rauchmelder

Ein dubioser Auftritt des Berliner Korrespondenten vom linientreuen  polnischen Staatssender TVP trug sich bei der Berichterstattung zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz zu. Erst stolperte Gmyz ins Bild und versuchte, rauchend (!) einen Sprecher der Berliner Feuerwehr zu interviewen. Beim zweiten Versuch lallte er und sprach verwirrt in die Kamera.

Prognose 2017: Praktikant im Propagandaministerium


81. Ken Jebsen, Stammelsurium

Einer der Internet-Höhepunkte des Jahres war wohl Jebsens Reaktion auf die Wahl von Donald Trump: Zehn Minuten lang haspelt und stammelt sich der ehemalige rbb-Journalist durch eine irre Gemengelage voller enttäuschter Erwartungen – „Medien, ihr könnt doch jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen (…) ihr könnt eure Sachen packen“ – und irrer Forderungen, wie „Angela, ich würde lieber Dieter Bohlen wählen als Dich“. Deppenbingo vom Feinsten.

Prognose 2017: Wenn er die richtigen Medikamente nimmt, kann es weitergehen.


82. Matthias Oomen, Kracherwitz

Er ist bei den Grünen engagiert bei Verkehr und Fahrrad oder umgekehrt. Wollte sich auch dem Flugverkehr widmen, als er auf Twitter mit der Andeutung verstanden wurde, Dresden doch wieder zu bombardieren („Do! It! Again!). Kleinlaut entschuldigte er sich, war halt doch nicht so gemeint. Nur gemein.

Prognose 2017: Lernt jetzt zur Buße Sächsisch.


83. Beknackte Panzerknacker, Technikidioten

Einen Geldautomaten von einem Kontoauszugsdrucker zu unterscheiden, sollte Gaunern leichtfallen: Der eine kann Geld ausspucken, der andere Kontoauszüge. Die Bankräuber in Siemensstadt allerdings, die sich Anfang November gewaltsam bereichern wollten, beherrschten nicht einmal diese essenzielle Kompetenz ihres Berufsstands. Statt des Geldautomaten sprengten sie den Kontoauszugsdrucker. >Mit der Erkenntnis: viel Lärm um nichts.

Prognose 2017: Knacken im Späti Kaffeemaschinen.


84. Kolonie „Frieden“, Gartenzwerge

In der Mariendorfer Gartenkolonie kann natürlich nicht jeder dahergelaufene Laubenpieper einfach eine Parzelle abfassen. Schon gar nicht mit türkischer Herkunft. 20 Prozent Ausländer in der Kolonie seien genug, wurde zwei Interessenten erklärt. Obergrenze an deutschen Gärtenzäunen: Seehofer gefällt das.

Prognose 2017: Integrationskurse für den Vorstand


85.  Jens-Holger Kirchner, Überflieger

Der Pankower Grüne kontrollierte im Reggae-Wahlkampfvideo „The Cost Of Living“ etwas tanzunsicher die Pflaster des Bezirks. „Cost“ – geistige Kosten? Lebenserhaltungskosten? Jedenfalls ging das Video auf Kosten des guten Rufes vom jetzigen Staatssekretär.

Prognose 2017: Kriegt eine „Let‘s dance“-Offerte.


86. „Evil“ Jared Hasselhoff, Spring-Break-Dance

Seine Bloodhound Gang ist in der Versenkung verschwunden, also versucht der Bassist weiter in der Feierwelthauptstadt Berlin, wo er seit 2006 lebt, die Sau rauszulassen. Den 45. Geburtstag verbrachte der Ami im „White Trash“ mit Stripperinnen, gegenseitig leckte man sich ab. Er verkörpert das Touri-Höllen-Berlin: die Stadt als einzige Spring-Break-Party.

Prognose 2017: Pub-Crawl-Stadtführer


87. Andreas Geisel, Baustelle

Wohnungsmangel? Ja, schon. Am Leipziger Platz aber änderte der damalige Stadtentwicklungssenator den Bebauungsplan zugunsten eines Investors: Niemand brauche dort „verlärmte Luxuswohnungen“. Uns fielen dafür ja weitere Orte ein. Etwa am Mauerpark, wo SPD-Großspender Klaus Groth jetzt so einiges hinstellen darf, was der Bezirk ihm verweigert hätte. Am wenigsten wird der Luxus aber neben der Friedrichswerderschen Kirche gebraucht. Dort sprach Geisel ein Grußwort, während Schinkels Kirche hinter ihm wegen dieser Bauten zerbröseln könnte. Als neuer Innensenator braucht er mehr Gespür. Nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag hat er es aber schon mal bewiesen. Das macht uns Hoffnung.

Prognose 2017: Im neuen Job besser als Henkel.


88. Jimi Blue Ochsenknecht, WG-Wahnsinn

Der Schauspieler und Pop-Rapper macht jetzt im TV, was seine Generation den ganzen Tag tut: sich filmen. So wird in einer Sieben-Zimmer-WG in Prenzlauer Berg (mit Model, Bloggerin, Tänzerin, It-Girl und Jimi) auf RTL 2 das Genre „Selfie-Soap“, Ableger der Proll-Serie „Berlin – Tag & Nacht“, versendet. Ein Drehbuch gibt es bei „Berlyn“ nicht. Wer hätte das gedacht?

Prognose 2017: abgesetzt


89. Mario Reimann, Facebook-Fail

Dass Christopher Lauer Leute zur Tobsucht bringt, wissen wir (Plätze 60, 79). Dem SPD-Mann Reimann knallten aber nach einem irren Tweet seines Neu-Parteifreundes auf Facebook die Sicherungen im Zehnerpack raus: „Schade, dass sein Mitpirat nicht auf ihn gestanden hat“. Zuvor hatte Gerwald Claus-Brunner vor seinem Suizid einen Mann ermordet, den er gestalkt hatte. Die Kurzschluss-Folge: Rücktritt.  

Prognose 2017: Folgt Lauer nicht auf Twitter.


90. Jürgen Trittin, Grabschänder

Nach dem Tod Guido Westerwelles kondolierte der Grüne, schrieb aber auch: „Beides, der Erfolg und der Niedergang der FDP sind so mit dem Namen Guido Westerwelle verbunden“ – und ließ ihn damit für das „parlamentarische Aus“ von dessen Partei verantwortlich erscheinen. Übles Nachtreten.

Prognose 2017: Sucht einen Trauerreden-Coach.


91. Kai Haase, Bangemann

Kai Haase, Motocross-Profi, macht Salti mit seiner Maschine, hat aber keinen Motorrad-Führerschein, weil er sich auf den Straßen seiner Heimatstadt Berlin zu unsicher fühlt. Da sind wir mutiger, wir fahren in Berlin sogar Rad.

Prognose 2017: Hals- und Beinbruch


92. Hermann Parzinger, Geschichtsverklärer

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz musste einsehen, dass Provenienzforschung und Kolonialgeschichte ein Thema fürs Humboldt Forum sind. Da lassen Afrikainitiativen und Monika Grütters nicht mit sich spaßen.

Prognose 2017: Der Prähistoriker wird Provenienzforscher, spezialisiert auf die Kolonialzeit.


93. Sebastian Czaja, Uberflieger

Früher war er mal mit Nackedei Micaela Schäfer (Platz 94) zusammen, das ist aber für diese Liste verjährt. Nun sorgte er als FDP-Spitzenkandidat mit der Forderung, Tegel offen zu halten, für einen erhöhten Taxifahreranteil unter den FDP-Wählern. Man könnte sagen: klassischer Asphaltpopulismus.

Prognose 2017: Wird Spitzenkandidat bei Uber.


94. Micaela Schäfer, Herzdame

„Ich mach ja immer gerne Sachen, die noch keiner so oft gemacht hat“, verriet Frau Schäfer dem Klatschportal „Promiflash“ – und ließ sich Herzen um ihre Nippel tätowieren. Wozu? Egal. So viel Leidensbereitschaft, um die Fans zu erfreuen, geht dann doch, nunja, zu Herzen.

https://www.youtube.com/watch?v=bJS63HeAAWo

Prognose 2017: Egal, was wir hier orakeln: Frau Schäfer wird es unterbieten. Da sind wir ganz optimistisch.


95. Fraenkelufer-BI, Parkplatzretter

Vögel, Sträucher und eine denkmalgeschützte Treppe: Für deren Erhalt, so las sich das Bürgerbegehren „Rettet das Fraenkelufer“, sollten Kreuzberger eine Unterschrift leisten. Das taten dann auch so viele, dass es im November sogar zur Abstimmung an der Urne kam. Die zugunsten von Barrierefreiheit geplante Sanierung einer Teilstrecke des Fraenkelufers konnte die Bürgerinitiative dann aber doch nicht verhindern. Anderen Kreuzbergern war aufgegangen, dass die anwohnenden Initia-teure womöglich doch vor allem ihre Ruhe vor Passanten haben und ihre tollen Querparkplätze retten wollten.

Prognose 2017: Nach dem Bürgerbegehren ist vor dem nächsten Bürgerbegehren. Irgendwas ist immer.


96. Polizei-Personalratskandidat, Tiefschlag

Wer den US-Wahlkampf für derbe hält, sollte sich mal bei der Personalratswahl der Berliner Polizei umtun. Da werden Konkurrenten schon mal mit Abrechnungen im Design von Todesanzeigen bedacht. Trump muss neidisch sein.

Prognose 2017: Ausschreibung für einen Mediator


97. Hertha-Fans, Muttersöhnchen

Da sah die Hertha mal wieder ganz alt aus. „Lieber eine Mutter als zwei Väter“ las man auf einem Transparent im Heimspiel gegen Köln. Eine Aktion der Hertha-Ultras. Die Urheber bekundeten, der Slogan sei an FC-Fans gerichtet gewesen, mit denen man im Clinch liege. Als ob Homophobie eine Meta-Ebene hätte. Bei der Auswärtspartie gegen RB Leipzig folgte das nächste unterirdische Banner gegen Ralf Rangnick, den Sportdirektor des Brauseklubs: „Ey Ralf, wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout“. Fußballgott, lass Hirn regnen.

Prognose 2017: Die Hertha-Ultras werden beim Rückspiel in Köln von den Rosa Funken gekidnappt.


98. Fabio Reinhardt,  Abseitsfahrer

Um nicht von Autofahrern geschnitten zu werden, fährt der „Piratenpartei“-Radler gleich in der Mitte der Straße. So stellt Reinhardt wohl sicher, dass ihn keiner mehr überholen kann – oder vielleicht gar nur von rechts? Das riecht nach Ärger unter allen Verkehrsteilnehmern.

Prognose 2017: Die Piraten haben wieder einen Programmpunkt – Anarchie auf der Straße.


99. Prenzlschwäbin, Geschäftlemacherin

Die im TV als Kleindarstellerin gebuchte Bärbel Stolz probiert Karriere mit jener Kunstfigur „Prenzlschwäbin“, deren Klischees schon seit 2006 nur diejenigen bejubeln, die eben noch nie in der „wilden Hauptstadt“ waren. 

Prognose 2017: Ihr Taschenbuch „Isch des bio?“ wird ein Renner als Mantra-Konglomerat von Einschlafübungen: MacBooks … Frozen Joghurt … Café Latte …


100. Thomas Häßler, Fußballgott

Ach, Icke. Berliner Original, Held der Jugend, Weltmeister. Thomas Häßler wurde Achtliga-Trainer, weil er wieder was Anständiges machen wollte. Und wir freuten uns für ihn. Bis er beschloss, ins Dschungelcamp zu ziehen. Mensch Icke, du auf dem Abstiegsplatz. Das tut weh.

Prognose 2017: Aufstieg! Mit Club Italia. Und überhaupt.

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Die 100 peinlichsten Berliner 2016 Plätze: 1 – 49

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